Marktüberblick
Dessau-Roßlau ist eine kreisfreie Stadt im Land Sachsen-Anhalt mit 79.686 Einwohnern auf 245,8 km² (324 Einwohner je km²). Als drittgrößte Stadt des Landes nach Magdeburg und Halle (Saale) zählt sie zu den drei Oberzentren Sachsen-Anhalts und ist Teil der Metropolregion Mitteldeutschland.
Der Immobilienmarkt weist ein mittleres Preisniveau auf: Der mittlere Kaufpreis liegt bei 1.270 EUR/m², die mittlere Kaltmiete bei 7,40 EUR/m². Die Bruttomietrendite beträgt 6,99 Prozent, der Kaufpreisfaktor liegt bei 14,3.
Im Landesvergleich rangiert Dessau-Roßlau beim Kaufpreis mit 1.270 EUR/m² auf Platz 4 von 14 Kreisen im Bundesland. Damit liegt der Kreis deutlich über dem Landesdurchschnitt von 1.095 EUR/m², aber unter den beiden Spitzenreitern Halle (2.552 EUR/m²) und Magdeburg (2.097 EUR/m²). Gegenüber dem deutschen Durchschnitt von 2.409 EUR/m² liegt Dessau-Roßlau jedoch nur bei etwa der Hälfte. Die Miete von 7,40 EUR/m² liegt über dem Landesdurchschnitt von 6,40 EUR/m², aber unter dem deutschen Durchschnitt von 8,92 EUR/m².
Die Zeitreihe zeigt einen deutlichen Mietanstieg von 5,95 EUR/m² (2018) auf 7,40 EUR/m² (2024), was einem Anstieg von rund 24 Prozent in sechs Jahren entspricht. Der Kaufpreis verzeichnete von 2018 (1.618 EUR/m²) zunächst einen Rückgang auf 889 EUR/m² (2019), erholte sich dann bis 2022 auf 1.385 EUR/m² und pendelte sich 2024 bei 1.313 EUR/m² ein. Die Bevölkerung ging von 82.919 (2015) auf 79.686 (2023) zurück, stabilisierte sich aber in den letzten Jahren.
Innere Struktur des Kreises
Dessau-Roßlau ist eine kreisfreie Stadt und besteht als Kreis per Definition aus nur einer Gemeinde. Es gibt keine Gemeinden mit unterschiedlichen Preisniveaus oder Renditen innerhalb des Kreises. Der Kreis ist damit strukturell homogen – alle Kennzahlen beschreiben die Stadt Dessau-Roßlau als Ganzes.
Dies bedeutet auch, dass die typischen Fragen nach Preisgefällen, Zentrum und Umland oder innerer Spreizung für diesen Kreis nicht relevant sind. Die Marktdaten gelten flächendeckend für das gesamte Stadtgebiet. Für eine differenzierte Analyse müsste auf die Ebene der Stadtbezirke oder Stadtteile zurückgegriffen werden, wofür die vorliegenden Daten jedoch nicht ausreichen.
Wirtschaft und Arbeitsmarkt
Die Wirtschaft von Dessau-Roßlau wird maßgeblich von der Biopharmazie- und Pharmaindustrie geprägt. Der bedeutendste Arbeitgeber ist die IDT Biologika GmbH im BioPharmaPark Dessau-Roßlau. Das Unternehmen ist ein CDMO (Contract Development and Manufacturing Organization) und entwickelt und produziert Virusimpfstoffe, Gen- und Immuntherapeutika sowie sterile Injektabilia. IDT Biologika gehört mehrheitlich zur koreanischen SK Bioscience und beschäftigte 2024 rund 1.600 Mitarbeiter. Das Unternehmen ist einer der größten Arbeitgeber der Region und bildet in verschiedenen Berufen und dualen Studiengängen aus.
Die Stadt ist Teil der Metropolregion Mitteldeutschland, die sich durch eine Mischung aus Industrie, Dienstleistungen und wachsenden Biotech-Clustern auszeichnet. Die Nähe zu den Oberzentren Halle (ca. 40 km), Leipzig (ca. 52 km) und Magdeburg (ca. 53 km) bietet Anbindung an größere Wirtschaftsräume.
Der Prognos-Zukunftsatlas 2025 ordnet Dessau-Roßlau auf Rang 350 von rund 400 deutschen Kreisen ein. Besonders schwach sind die Indizes Arbeitsmarkt (Rang 358), Wohlstand und soziale Lage (Rang 338) sowie Wettbewerb und Innovation (Rang 318). Der Demografie-Index liegt mit Rang 224 im Mittelfeld. Der Dynamik-Index erreicht Rang 292. Diese Bewertungen spiegeln die strukturellen Herausforderungen einer Stadt im ländlichen Raum Sachsen-Anhalts wider.
Die Bevölkerungsentwicklung war rückläufig: Von 82.919 Einwohnern (2015) sank die Zahl auf 79.686 (2023). Der Zensus 2025 weist mit 75.035 Einwohnern (Stand 31. Dezember 2025) einen weiteren Rückgang aus.
Bildung und Forschung
Ein wichtiger Standortfaktor ist die Hochschule Anhalt mit einem Campus in Dessau-Roßlau, dem sogenannten Bauhaus-Campus. Die Fachhochschule hat insgesamt rund 7.099 Studierende (WS 2023/24) und 1.130 Mitarbeiter (2022). Auf dem Dessauer Campus sind gestalterische und architekturbezogene Studiengänge angesiedelt: Architektur, Design, Facility Management und Geoinformation. Die Hochschule trägt damit zur Qualifizierung des lokalen Arbeitsmarktes bei und bindet die Stadt in überregionale Bildungsnetze ein.
Historisch ist Dessau-Roßlau durch das Bauhaus geprägt. Das Bauhaus Dessau und das Dessau-Wörlitzer Gartenreich gehören zum UNESCO-Welterbe. Die Stiftung Bauhaus Dessau ist ein Ort der Forschung und trägt zur kulturellen Strahlkraft der Stadt bei.
Gesundheitswesen
Das Gesundheitswesen ist ein weiterer bedeutender Wirtschaftsfaktor. Das Städtische Klinikum Dessau (durch die Fusion mit dem Diakonissenkrankenhaus zum 1. Januar 2021 vergrößert) bietet die Regelversorgung. Das Diakonissenkrankenhaus verfügte vor der Fusion über 165 Betten und 205,1 Vollkräfte (2011) und war in den Bereichen Anästhesie, Chirurgie, Innere Medizin, Urologie und Geriatrie tätig.
Zusätzlich besteht das Alexianer St. Joseph-Krankenhaus als Fachkrankenhaus für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik mit 152 Betten (100 stationär, 52 teilstationär). Es erfüllt den regionalen Versorgungsauftrag für Dessau-Roßlau und die benachbarten Landkreise.
Verkehr und Erreichbarkeit
Dessau-Roßlau ist über den Bahnhof Dessau Hbf an das Schienennetz angebunden. Im Fernverkehr wird der Bahnhof von IC-Linien bedient, darunter IC 51 (Berlin–Dessau–Halle–Leipzig–Frankfurt), IC 55 und IC 56. Im Regionalverkehr verkehrt der RE 3, der nachts und an Wochenenden über Roßlau und Dessau Hbf zwischen Berlin und Halle (Saale) fährt.
Die Autobahnanbindung erfolgt über die A 9 (Berlin–Leipzig–Nürnberg) und die A 14 (Magdeburg–Halle), deren Kreuzung sich in der Nähe befindet. Die nächsten Autobahnanschlüsse liegen in unmittelbarer Umgebung der Stadt.
Die Lage zwischen den drei Oberzentren Magdeburg, Halle und Leipzig sowie die Anbindung an die Metropolregion Mitteldeutschland bieten gute Erreichbarkeitsvoraussetzungen für Pendler und Wirtschaft.
Entwicklung und Ausblick
Dessau-Roßlau steht vor strukturellen Herausforderungen: Die Bevölkerungszahl ist rückläufig, der Prognos-Zukunftsatlas bewertet den Arbeitsmarkt und die Innovationskraft als schwach. Gleichzeitig bietet die Stadt mit der Biopharmazie (IDT Biologika), der Hochschule Anhalt und dem Gesundheitswesen (Klinikum, Diakonissenkrankenhaus) fundierte Wirtschaftspfeiler.
Der Immobilienmarkt hat in den vergangenen Jahren an Dynamik gewonnen: Die Miete stieg von 5,95 EUR/m² (2018) auf 7,40 EUR/m² (2024), was einem Anstieg von rund 24 Prozent entspricht. Die Bruttomietrendite von 6,99 Prozent liegt über dem deutschen Durchschnitt von 5,1 Prozent, was auf das im Bundesland typische Preisniveau zurückzuführen ist.
Die Einzigartigkeit der Stadt als UNESCO-Welterbe-Standort (Bauhaus Dessau, Dessau-Wörlitzer Gartenreich) könnte in Zukunft eine Rolle für Tourismus und Image spielen. Ob sich die vorhandenen Wirtschaftsfelder – insbesondere der BioPharmaPark und die Hochschule – ausreichend ausweiten, um den demografischen und wirtschaftlichen Strukturwandel zu bewältigen, bleibt abzuwarten.