Marktüberblick und Einordnung
Der Landkreis Jerichower Land liegt im Nordosten Sachsen-Anhalts und umfasst acht Gemeinden auf 1.589 Quadratkilometern bei rund 89.900 Einwohnern. Mit einem mittleren Kaufpreis von 1.205 Euro pro Quadratmeter liegt der Kreis auf Rang 5 von 14 Landkreisen in Sachsen-Anhalt und damit deutlich über dem Landesdurchschnitt von 1.095 Euro, aber unter dem Bundesdurchschnitt von 2.409 Euro. Die durchschnittliche Mietlage liegt bei 7,03 Euro pro Quadratmeter, die Bruttorendite bei 7,21 Prozent. Im Prognos-Zukunftsatlas 2025 belegt der Kreis Rang 382 von rund 400 deutschen Kreisen im Gesamtrang, mit Rang 387 in Wettbewerb und Innovation und Rang 389 in der Demografie — ein Muster, das für viele ländliche Kreise in den neuen Bundesländer typisch ist.
Die Bevölkerung ist von 91.693 Einwohnern im Jahr 2015 auf 89.914 im Jahr 2024 gesunken, zeigt aber seit 2022 eine leichte Stabilisierung. Der mittlere Kaufpreis lag 2018 bei 742 Euro pro Quadratmeter und stieg bis 2023 auf 1.237 Euro, bevor er 2024 wieder auf 1.133 Euro sank. Die Mietpreise entwickelten sich von 5,53 Euro (2018) auf 7,03 Euro (2025).
Innere Struktur und Preisgefälle
Der Immobilienmarkt im Jerichower Land zeigt eine deutliche Zweiteilung, die sich an der Nähe zu Magdeburg abliest. Die teuerste Gemeinde ist Biederitz mit 1.680 Euro pro Quadratmeter Kaufpreis und 8,61 Euro Mietpreis — Werte, die deutlich über dem Kreis- und Landesdurchschnitt liegen. Biederitz liegt nur wenige Kilometer von Magdeburgs östlicher Stadtgrenze entfernt, die Trennlinie bildet der Umflutkanal. Die Gemeinde hat sich zu einem attraktiven Wohngebiet für Pendler nach Magdeburg entwickelt.
Auf Platz zwei folgt Möser mit 1.439 Euro pro Quadratmeter und 7,75 Euro Mietpreis. Auch Möser liegt nur vier Kilometer von der Elbe und damit in unmittelbarer Magdeburger Umlandlage. Die Gemeinde wird von der Bundesstraße 1 durchquert und liegt an der A2.
Die Kreisstadt Burg (22.738 Einwohner) liegt mit 1.433 Euro pro Quadrattem und 6,83 Euro Mietpreis auf Rang drei, hat aber mit einem Kaufpreisfaktor von 17,5 den höchsten Faktor im Kreis — was auf ein relativ niedriges Mietniveau im Verhältnis zu den Kaufpreisen hindeutet. Burg liegt etwa 25 Kilometer nordöstlich von Magdeburg und ist damit bereits deutlich weiter entfernt.
Im unteren Preissegment liegen Genthin mit 892 Euro pro Quadratmeter (niedrigster Kaufpreis im Kreis) und 9,45 Prozent Bruttorendite (höchste Rendite im Kreis), sowie Jerichow mit 941 Euro pro Quadratmeter. Diese Gemeinden im Norden und Südosten des Kreises liegen weiter von Magdeburg entfernt und weisen geringere Mietniveaus auf.
Das Preisgefälle verläuft also von Südosten (Biederitz, Möser) nach Nordosten (Genthin, Jerichow). Die teuersten Gemeinden liegen im Süden des Kreises, direkt an der Grenze zu Magdeburg. Die günstigsten Gemeinden liegen im Norden und Südosten, weiter von der Landeshauptstadt entfernt.
Wirtschaft und Arbeitsmarkt
Die Wirtschaft des Kreises ist durch eine Mischung aus landwirtschaftlich geprägten Räumen und industriellen Standorten geprägt. Der Kreis gehört zum IHK-Bezirk Magdeburg, der rund 53.000 Unternehmen umfasst und mit 11.900 Quadratkilometers der viertgrößte IHK-Bezirk Deutschlands ist.
Ein bedeutender Industriestandort ist Genthin mit dem Waschmittelwerk. Das Werk wurde 1921 von Henkel gegründet und war in der DDR als VEB Waschmittelwerk Genthin einer der größten Produzenten von Waschmitteln, bekannt durch die Marke Spee. Nach der Schließung durch Henkel 2009 und mehreren Eigentümerwechseln übernahm 2021 die Genthin Hygiene Liquids GmbH, ein Tochterunternehmen der Dr. Schnell GmbH, den Betrieb. Dr. Schnell kündigte an, 2026 die komplette Fertigung aus München nach Genthin zu verlagern — ein signifikantes Wachstumssignal für den Standort.
In Möckern war das KIM (Kombinat Industrielle Mast) nach der Wende vom Wiesenhof-Konzern übernommen worden und bot 400 Arbeitsplätze. Die Kreisstadt Burg war historisch durch die Schuhfabrik Tack u. Cie. geprägt, die bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs die größte Schuhfabrikation Europas war. Heute existiert in Burg der größte Gewerbepark des Landkreises, der 1991 eröffnet wurde.
In Biederitz haben sich seit der Wende drei große Gewerbegebiete entwickelt (am Parkweg, in Gerwisch und in Heyrothsberge Am Fuchsberg), die kleine Handwerksbetriebe, mittelständische Unternehmen, Agrargenossenschaften und Dienstleister beherbergen. In Möser existiert seit 1991 die SCHMIEDL Metall- & Fördertechnik, die Förder- und Krananlagen produziert.
Als einzige Hochschule im Kreis verfügt Möckern-Friedensau über die Theologische Hochschule Friedensau der Siebenten-Tags-Adventisten mit 226 Studierenden (SoSe 2023) und 83 Mitarbeitern (2022). Sie bietet Studiengänge in Theologie, Christlichem Sozialwesen und weiteren geisteswissenschaftlichen Fächern an.
Verkehr und Erreichbarkeit
Die Verkehrsanbindung des Kreises wird maßgeblich von der Bundesstraße 1 bestimmt, die von Aachen bis zur polnischen Grenze verläuft und durch Heyrothsberge, Gerwisch, Möser und Burg führt. Sie verbindet den Kreis direkt mit Magdeburg und bietet Anbindungen an die A2 (Anschlussstellen Lostau und Burg-Zentrum).
Die Bahnstrecke Berlin–Magdeburg durchquert den Kreis. In Möser besteht ein Bahnhof, Biederitz verfügt über den Keilbahnhof Biederitz, von dem die Bahnstrecke Biederitz–Trebnitz (–Dessau–Leipzig) nach Süden abzweigt. Die Bahnstrecke Biederitz–Altengrabow wird seit 2011 nicht mehr im Personenverkehr bedient.
Ein herausragendes Infrastrukturprojekt ist das Wasserstraßenkreuz Magdeburg in der Gemeinde Möser, wo die Kanalbrücke des Mittellandkanals die Elbe überquert. Dies ist eines der bedeutendsten Wasserbauwerke Deutschlands und verleiht dem Standort Möser eine besondere infrastrukturelle Bedeutung.
Die Nähe zu Magdeburg als Landeshauptstadt mit 244.494 Einwohnern (2025) und als Regiopole der Region Elbe-Börde-Heide prägt die Erreichbarkeitsvorteile der südlichen Gemeinden. Magdeburg ist als Oberzentrum mit Otto-von-Guericke-Universität, Hochschule Magdeburg-Stendal, bedeutendem Binnenhafen und einer vielfältigen Industrie (Maschinen- und Anlagenbau, Gesundheitswirtschaft, Umwelttechnologien, Logistik) ein wichtiger Wirtschafts- und Arbeitsmarktfaktor für den gesamten Kreis.
Entwicklung und Ausblick
Der Landkreis Jerichower Land befindet sich in einem strukturellen Spannungsfeld zwischen ländlicher Peripherie und Magdeburger Umland. Die südlichen Gemeinden Biederitz und Möser profitieren unmittelbar von der Nähe zur Landeshauptstadt und verzeichnen entsprechend höhere Immobilienpreise und stabilere Bevölkerungsentwicklungen. Biederitz hat sich in den letzten Jahren zu einem attraktiven Wohngebiet für Pendler entwickelt, was sich in den höchsten Kaufpreisen und Mieten des Kreises widerspiegelt.
Im Norden und Südosten des Kreises liegen die günstigeren Gemeinden Genthin, Jerichow und Gommern, die von der Magdeburger Nähe weniger profitieren. Hier bieten sich mit Renditen von bis zu 9,45 Prozent in Genthin höhere Kapitalmarkterträge, verbunden mit niedrigeren Einstiegspreisen.
Ein wichtiges Zukunftsthema ist die Wiederbelebung des Genthiner Chemie- und Waschmittelstandorts. Die Verlagerung der kompletten Fertigung der Dr. Schnell GmbH aus München nach Genthin im Jahr 2026 könnte den Standort Genthin erheblich stärken und neue Arbeitsplätze schaffen. Dies könnte sich mittelbar auch auf die Immobilienmärkte im nördlichen Teil des Kreises auswirken.
Die demografische Entwicklung bleibt eine Herausforderung: Der Prognos-Zukunftsatlas weist dem Kreis in der Demografie den Rang 389 von rund 400 Kreisen zu. Die Bevölkerung ist seit 2015 um rund 1.800 Einwohner gesunken, wobei sich der Rückgang seit 2022 verlangsamt hat. Die landwirtschaftlich geprägten Flächen des Jerichower Landes — Teil der Magdeburger Börde, einer der ertragreichsten Ackerbaugebiete Deutschlands — bleiben ein strukturelles Fundament, das jedoch nur begrenzt immobilienmarktrelevant ist.