Zum Inhalt springen
Lagefaktor
Ratgeber

Immobilie als Kapitalanlage: Chancen, Risiken und Steuervorteile

Immobilien werden gern als sichere Anlage beworben — tatsächlich handelt es sich um eine illiquide, konzentrierte Sachwertanlage mit eigenem Chancen- und Risikoprofil. Dieser Beitrag ordnet die wichtigsten Faktoren ein.

Zuletzt aktualisiert am 27. August 2026 · 2 Min. Lesezeit

Der Fremdkapitalhebel

Anders als bei den meisten Anlageklassen lässt sich eine Immobilie zu einem großen Teil mit Bankkredit finanzieren. Steigt der Wert der Immobilie, wirkt das auf das eingesetzte Eigenkapital überproportional — der sogenannte Leverage-Effekt.

Der Hebel wirkt in beide Richtungen: Fällt der Immobilienwert oder bleibt die Miete hinter den Finanzierungskosten zurück, verstärkt sich der Verlust ebenso überproportional zum eingesetzten Eigenkapital.

Abschreibung (AfA)

Vermietete Bestandsimmobilien lassen sich linear über 50 Jahre mit 2 % pro Jahr abschreiben (Gebäudeanteil, nicht der Grundstücksanteil). Bei Gebäuden vor 1925 gilt ein Satz von 2,5 %. Für Neubauten mit Fertigstellung ab 2023 gilt unter bestimmten Bedingungen ein erhöhter Satz von 3 %.

Die AfA mindert die steuerpflichtigen Mieteinnahmen, ohne dass tatsächlich Geld abfließt — ein realer Liquiditätsvorteil, besonders in den ersten Jahren nach dem Kauf, wenn zusätzlich Finanzierungszinsen als Werbungskosten abgesetzt werden.

Klumpenrisiko und Liquidität

Eine einzelne Immobilie bindet meist einen erheblichen Teil des Vermögens in einem einzigen Objekt an einem einzigen Standort — anders als ein breit gestreutes Wertpapierdepot. Fällt die Nachfrage am Standort (siehe Ratgeber Standortanalyse), lässt sich das Risiko nicht durch Diversifikation abfedern.

Immobilien sind zudem illiquide: Ein Verkauf dauert typischerweise Monate, verursacht erneut Transaktionskosten und ist bei Marktverwerfungen nicht kurzfristig zum gewünschten Preis möglich.

Wann sich die Rechnung trägt

Eine vermietete Immobilie funktioniert als Kapitalanlage dann gut, wenn die Nettomietrendite die laufenden Finanzierungskosten deckt oder zumindest nahe daran liegt, der Standort eine stabile oder wachsende Nachfrage hat und der Anleger die Illiquidität und das Klumpenrisiko bewusst in Kauf nimmt.

Häufige Fragen

Wie viel Prozent kann man von einer vermieteten Immobilie abschreiben?

Bei Bestandsimmobilien in der Regel 2 % des Gebäudewerts pro Jahr über 50 Jahre linear, bei bestimmten Neubauten ab 2023 unter Bedingungen 3 % pro Jahr.

Was ist der Leverage-Effekt bei Immobilien?

Der Effekt, dass Wertsteigerungen (oder -verluste) sich durch den Einsatz von Fremdkapital überproportional auf das eingesetzte Eigenkapital auswirken.

Ist eine Immobilie liquider als Aktien?

Nein, deutlich weniger. Ein Immobilienverkauf dauert typischerweise mehrere Monate und ist mit Transaktionskosten verbunden, während Wertpapiere meist sekundenschnell handelbar sind.

Die Kennzahlen für einen konkreten Ort

Weiterlesen

RatgeberMietrendite berechnen: Brutto, netto und was die Zahl wirklich aussagtWie die Bruttomietrendite berechnet wird, warum sie fast immer zu hoch ausfällt und welche Kosten die Nettomietrendite drücken — mit Rechenbeispiel.RatgeberKaufpreisfaktor verstehen: Wie viele Jahresmieten ist ein Objekt wert?Der Kaufpreisfaktor (Vervielfältiger) in der Praxis: Berechnung, typische Spannen in Stadt und Land und wie er sich zur Mietrendite verhält.RatgeberStandortanalyse für Immobilien: Welche Kennzahlen wirklich zählenSystematisch vom Bundesland über den Kreis bis zur Gemeinde: Bevölkerung, Arbeitsmarkt, Mietentwicklung und Zukunftsranking als Filter für Immobilienstandorte.RatgeberPrognos Zukunftsatlas: Was die Ränge der Kreise bedeutenWie der Zukunftsatlas rund 400 deutsche Kreise bewertet, was Dynamik- und Stärkerang unterscheidet und wie sich die Teilränge für die Standortwahl nutzen lassen.RatgeberGrunderwerbsteuer nach Bundesland: Aktuelle Sätze im VergleichDie Grunderwerbsteuer reicht von 3,5 % in Bayern bis 6,5 % in mehreren Bundesländern. Übersicht der Sätze, Berechnung am Beispiel und wer sie zahlt.RatgeberKaufnebenkosten beim Immobilienkauf: Was zusätzlich zum Kaufpreis anfälltGrunderwerbsteuer, Notar, Grundbuch und Maklercourtage addieren sich auf 9 bis 15 % des Kaufpreises. Aufschlüsselung aller Posten mit Beispielrechnung.RatgeberImmobilienfinanzierung: Eigenkapital, Tilgung und Zinsbindung erklärtWie viel Eigenkapital sinnvoll ist, was die Anfangstilgung für die Laufzeit bedeutet und warum die Zinsbindung eine der wichtigsten Entscheidungen der Finanzierung ist.RatgeberNebenkosten bei Vermietung: Was umlagefähig ist und was nichtBetriebskostenverordnung im Überblick: Welche Kosten Vermieter auf Mieter umlegen dürfen, welche nicht, und warum das die Nettomietrendite beeinflusst.RatgeberMietspiegel verstehen: Wie die ortsübliche Vergleichsmiete zustande kommtWas ein Mietspiegel ist, der Unterschied zwischen einfachem und qualifiziertem Mietspiegel, und wie er Mieterhöhungen und Kaufpreiseinordnung beeinflusst.RatgeberImmobilie verkaufen: Der Ablauf von der Bewertung bis zum NotarterminVon der Wertermittlung über Exposé und Besichtigungen bis zum Notartermin: die typischen Schritte eines Immobilienverkaufs und was dabei häufig übersehen wird.RatgeberWohnfläche berechnen: Wie sich der Preis pro Quadratmeter zusammensetztWohnflächenverordnung, Balkon-Anrechnung und Dachschrägen: Wie die Wohnfläche korrekt ermittelt wird und warum Abweichungen den Preis pro Quadratmeter verzerren.