Marktüberblick und Einordnung
Der Landkreis Anhalt-Bitterfeld liegt im Süden Sachsen-Anhalts und umfasst 10 Gemeinden auf 1.461,5 km². Mit 156.642 Einwohnern (2023) ist er nach der Kreisgebietsreform von 2007 aus den ehemaligen Landkreisen Bitterfeld und Köthen sowie Teilen des Landkreises Anhalt-Zerbst entstanden. Der Kreis rangiert mit einem mittleren Kaufpreis von 1.204,70 €/m² auf Platz 6 von 14 Kreisen in Sachsen-Anhalt und liegt damit knapp über dem Landesdurchschnitt von 1.095,17 €/m², aber deutlich unter dem Bundesdurchschnitt von 2.408,80 €/m². Die durchschnittliche Mietrendite beträgt 7,94 %, was auf die niedrigen Kaufpreise und moderaten Mieten von 6,80 €/m² zurückzuführen ist. Der Prognos-Zukunftsatlas 2025 ordnet den Kreis auf Platz 363 von rund 400 deutschen Kreisen ein, mit besonders schwachen Werten im Arbeitsmarkt (Rang 382) und in der Demografie (Rang 359). Die Einwohnerzahl ist von 184.877 im Jahr 2007 auf 156.642 im Jahr 2023 gesunken, was einem Rückgang von rund 15 % entspricht.
Innere Struktur und Preisgefälle
Der Immobilienmarkt im Kreis zeigt eine der größten Spreizungen in ganz Sachsen-Anhalt. Die teuerste Gemeinde ist Muldestausee mit 2.879 €/m² Kaufpreis und 8,61 €/m² Miete bei einer Rendite von nur 3,59 %. An zweiter Stelle folgt Sandersdorf-Brehna mit 1.591 €/m². An der anderen Spitze liegen die Gemeinden des südlichen Kreisgebiets: Südliches Anhalt mit 549 €/m² Kaufpreis und 13,19 % Rendite, Osternienburger Land mit 627 €/m² und 11,41 % Rendite. Bitterfeld-Wolfen als größte Stadt des Kreises liegt mit 1.351 €/m² im unteren Mittelfeld, Köthen mit 1.162 €/m² ähnlich. Der Kaufpreisfaktor reicht von 7,6 (Südliches Anhalt) bis 27,9 (Muldestausee). Die Spreizung der Renditen von 3,59 % bis 13,19 % ist außergewöhnlich und spiegelt die unterschiedlichen lokalen Märkte wider. Die teuersten Gemeinden liegen im Süden und Osten des Kreises, die günstigsten im Westen und Süden. Bitterfeld-Wolfen, Sandersdorf-Brehna und Zörbig konzentrieren auf 282 km² (19 % der Fläche) 39 % der Kreisbevölkerung und bilden das wirtschaftliche Zentrum.
Wirtschaft und Arbeitsmarkt
Der Landkreis ist geprägt vom Strukturwandel des Mitteldeutschen Chemiedreiecks, das die Chemiefabriken in Leuna, Schkopau und Bitterfeld/Wolfen umfasst. Bitterfeld-Wolfen ist mit 37.850 Einwohnern die größte Stadt des Kreises und ehemaliges Zentrum der chemischen Industrie und des Braunkohlenbergbaus. Im Ortsteil Thalheim befindet sich das Solar Valley, ein Industriegebiet für Photovoltaikunternehmen in der Nähe der A 9 und des Flughafens Leipzig/Halle. Zeitweise waren über 3.000 Mitarbeiter in der Solarbranche beschäftigt. Nach der Insolvenz von Q-Cells 2012 übernahm der südkoreanische Konzern Hanwha das Unternehmen; am Standort Thalheim bestehen seit 2015 Forschung, Entwicklung und Vertrieb. Das Schweizer Unternehmen Meyer Burger Technology produziert seit 2021 Solarzellen auf Basis der HJT-Technologie (400 MW Kapazität) auf den ehemaligen Sovello-Standorten. Der TechnologiePark Mitteldeutschland (TPM) auf der Gemarkung Thalheim beherbergt 38 Firmen mit über 1.100 Mitarbeitern. Guardian Industries hat in Thalheim seinen größten deutschen Standort für die Produktion von Flachglas. Ein weiterer bedeutender Arbeitgeber ist die Verbio SE mit Sitz in Zörbig, ein börsennotiertes Unternehmen der Bioenergie-Branche mit 1.458 Mitarbeitern und einem Umsatz von 1.580 Mio. Euro (2025). Verbio betreibt Bioethanol- und Biodiesel-Anlagen in Zörbig und Bitterfeld-Wolfen-Greppin. Im Mai 2018 kündigte der Wellpappenproduzent Progroup an, in Sandersdorf-Brehna für 375 Mio. € eine Fabrik für Wellpappenrohpapier im Industriegebiet Stakendorfer Busch zu errichten, die über ein Anschlussgleise an die Bahnstrecke Bitterfeld–Stumsdorf angebunden ist.
Verkehr und Erreichbarkeit
Der Landkreis verfügt über eine gute Verkehrsanbindung. Die Bundesautobahn 9 verläuft durch das südliche Kreisgebiet und ist über die Anschlussstellen Bitterfeld-Wolfen (Kreuzung mit der B 183) sowie Halle (Saale) (Kreuzung mit der B 100) erreichbar. Der Flughafen Leipzig/Halle liegt 35 km entfernt. Bitterfeld ist seit 2013 an das Netz der S-Bahn Mitteldeutschland angeschlossen und wird von den Linien S2 und S8 bedient. Die S8 verbindet Bitterfeld mit Halle (Saale) und bedient auch den Haltepunkt Brehna in Sandersdorf-Brehna. Im Februar 2026 wurde eine Machbarkeitsstudie zur Reaktivierung der Bahnstrecke Bitterfeld–Stumsdorf für den Personenverkehr vorgestellt. Die Studie kommt zu dem Ergebnis, dass eine Reaktivierung mit Integration in das Netz der S-Bahn Mitteldeutschland (Linie S2, von Bitterfeld über die Strecke und ab Stumsdorf weiter nach Köthen) ein Nutzen-Kosten-Verhältnis über 1 ergeben würde. Die Reaktivierungskosten werden auf 103 Millionen Euro geschätzt. Die Hochschule Anhalt unterhält in Köthen einen ihrer drei Standorte (neben Bernburg und Dessau-Roßlau).
Entwicklung und Ausblick
Der Strukturwandel vom Braunkohletagebau prägt den Süden des Kreises maßgeblich. Stillgelegte Tagebaue bilden heute eine Seenlandschaft, darunter der Muldestausee mit 630 ha Oberfläche als drittgrößtes Gewässer Sachsen-Anhalts. Der See wird als Freizeitgewässer genutzt und ist Teil des Mitteldeutschen Seenlands. Am 17. Februar 2023 wurde eine Wasserkraftanlage in Betrieb genommen, die 13,6 GWh Elektroenergie pro Jahr generieren soll; der Bau kostete 25 Mio. Euro. Die Elbe teilt den Landkreis bei Aken im Biosphärenreservat Mittlere Elbe in eine nördliche und eine südliche Hälfte. Im Norden reicht der Landkreis an den bewaldeten Höhenzug Fläming heran. Die Bevölkerungsentwicklung ist rückläufig: Von 184.877 Einwohnern im Jahr 2007 auf 156.642 im Jahr 2023 entspricht dies einem Rückgang von rund 15 %. Die Zeitreihen zeigen, dass die Mietpreise von 5,84 €/m² (2018) auf 6,94 €/m² (2025) gestiegen sind, während die Kaufpreise von 1.124 €/m² (2018) auf 1.263 €/m² (2025) zugelegt haben. Die Prognos-Bewertung des Kreises mit Platz 363 von rund 400 deutschen Kreisen zeigt die strukturellen Herausforderungen des Landkreises auf.