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Lagefaktor
Kreis · Saarland

Saarlouis

13 Orte mit zusammen 195.945 Einwohnern. Alle Kennzahlen als gewichteter Durchschnitt über die Gemeinden des Kreises.

Ø Bruttomietrendite
5,06 %
Bestwert 6,38 %
Ø Kaufpreis je m²
2.117 €
Ø Bruttomietrendite
5,06 %
Bestwert 6,38 %
Ø Miete
8,74 €/m²
Ø Kaufpreis
2.117 €/m²
Ø Prognos-Rang
#301
Zukunftsatlas, von 400

Landkreis Saarlouis: Strukturwandel nach Ford, industrielle Prägung und innere Spreizung

Der Landkreis Saarlouis durchläuft einen tiefgreifenden Strukturwandel: Das Ende der Ford-Autoproduktion 2025 und die geplante Ansiedlung von Vetter Pharma mit 2.000 Arbeitsplätzen prägen die wirtschaftliche Zukunft. Der Immobilienmarkt zeigt eine deutliche innere Spreizung – von 1.537 €/m² in Lebach bis 2.639 €/m² in Rehlingen-Siersburg – mit einem klaren Preisgefälle von Saarbrücken weg nach Norden und Westen. Die Dillinger Hütte als größtes Grobblechwerk Europas bleibt ein weiterer wichtiger industrieller Pfeiler.

Marktüberblick und Einordnung

Der Landkreis Saarlouis liegt im westlichen Saarland mit rund 196.000 Einwohnern auf 459 Quadratkilometern und umfasst 13 Gemeinden. Der mittlere Kaufpreis liegt bei 2.117 Euro pro Quadratmeter, der Kreis rangiert damit auf Platz 3 von 6 im Saarland und knapp unter dem deutschen Durchschnitt von 2.409 Euro pro Quadratmeter. Die durchschnittliche Bruttorendite beträgt 5,06 Prozent. Die Mietpreise liegen bei durchschnittlich 8,74 Euro pro Quadratmeter.

Die Zeitreihen zeigen einen deutlichen Anstieg der Mietpreise von 7,02 Euro im Jahr 2018 auf 8,90 Euro im Jahr 2024, während die Kaufpreise von 1.866 Euro (2018) auf 1.952 Euro (2024) stiegen und für 2025 und 2026 geschätzte Werte von 2.096 bzw. 2.286 Euro prognostizieren. Die Bevölkerung ging in diesem Zeitraum von 197.009 (2015) auf 195.945 (2023) zurück, stabilisierte sich aber zuletzt.

Der Prognos-Zukunftsatlas 2025 ordnet den Kreis auf Rang 301 von rund 400 deutschen Kreisen ein, was eine eher schwache Position im bundesweiten Vergleich bedeutet. Die Rangwerte betragen 314 in der Demografie, 294 im Arbeitsmarkt, 276 im Bereich Wettbewerb und Innovation sowie 267 bei Wohlstand und sozialer Lage.

Innere Struktur und Preisgefälle

Der Immobilienmarkt im Kreis Saarlouis weist eine erhebliche innere Spreizung auf. Die Kaufpreise reichen von 1.537 Euro pro Quadratmeter in Lebach bis 2.639 Euro in Rehlingen-Siersburg – das entspricht einer Differenz von über 70 Prozent. Auch bei den Mietpreisen liegt die Spanne zwischen 8,10 Euro pro Quadratmeter in Bous und 10,02 Euro in der Kreisstadt Saarlouis.

Die teuersten Gemeinden liegen im Süden und Südosten des Kreises: Rehlingen-Siersburg (2.639 €/m²), Ensdorf (2.601 €/m²) und die Kreisstadt Saarlouis (2.553 €/m²). Diese Gemeinden liegen näher an Saarbrücken und profitieren von der besseren Erreichbarkeit der Landeshauptstadt. Rehlingen-Siersburg weist mit 4,19 Prozent die niedrigste Rendite aus, Ensdorf mit 4,35 Prozent liegt ebenfalls am unteren Ende.

Im Norden und Westen des Kreises liegen die günstigsten Gemeinden: Lebach (1.537 €/m², 6,38 Prozent Rendite), Dillingen/Saar (1.670 €/m², 6,26 Prozent) und der Schmelz (1.761 €/m², 5,70 Prozent). Diese Gemeinden weisen deutlich höhere Renditen auf, was auf die geringeren Kaufpreise und die weiter von Saarbrücken entfernte Lage zurückzuführen ist.

Ein deutliches Preisgefälle ist entlang der Achse Saarbrücken–Saarlouis–Dillingen erkennbar. Die Gemeinden im Süden des Kreises, die Saarbrücken am nächsten liegen, verzeichnen die höchsten Preise. Im Norden und Westen, weiter von der Agglomeration Saarbrücken entfernt, sind die Preise deutlich niedriger. Die Kreisstadt Saarlouis selbst liegt mit 2.553 €/m² überraschend hoch, was auf ihre Funktion als Verwaltungszentrum und ihre zentrale Lage im Kreis hindeutet.

Wirtschaft und Arbeitsmarkt

Die Wirtschaft des Landkreises Saarlouis war jahrzehntelang maßgeblich von der Automobilindustrie geprägt. Das Ford-Werk Saarlouis (Body & Assembly) produzierte vom 16. Januar 1970 bis zum 17. November 2025 Automobile, zuletzt den Ford Focus. Insgesamt wurden mehr als 15,6 Millionen Fahrzeuge hergestellt. In den produktionsstärksten Jahren in den 1980er-Jahren wurden täglich 1.350 Autos gefertigt. Noch im Mai 2025 war das Werk der drittgrößte privatwirtschaftliche Arbeitgeber im Saarland. 79 Prozent der Mitarbeiter stammten aus Deutschland, 11 Prozent aus dem etwa 10 Kilometer südlich gelegenen Frankreich.

Mit dem Produktionsende im November 2025 veränderte sich die Lage grundlegend. Noch im Mai 2025 waren 4.400 Mitarbeiter beschäftigt, bis November 2025 reduzierte sich die Belegschaft auf 2.700, von denen 1.700 entlassen wurden. Im Dezember 2025 verblieben noch 1.000 Beschäftigte am Standort, die Ersatzteile für den europäischen Markt herstellen.

Als Nachfolgeprojekt wurde im Juni 2024 bekannt, dass der Pharmadienstleister Vetter Pharma einen noch nicht bebauten Teil des 288.000 Quadratmeter großen Werksgeländes kaufte und dort eine Produktionsstätte mit 2.000 Arbeitsplätzen plant. Das gesamte Gelände wurde im Dezember 2024 von der landeseigenen Gesellschaft gwSaar für 95 Millionen Euro erworben. Dieser Strukturwandel von der Automobil- zur Pharmaindustrie prägt die wirtschaftliche Zukunft des Kreises.

Ein weiterer wichtiger industrieller Arbeitgeber ist die Dillinger Hütte in Dillingen/Saar. Sie beschäftigt 5.584 Mitarbeiter (Stand 2022), erzielte 2022 einen Umsatz von 3.390 Millionen Euro und ist das größte Grobblechwerk Europas. Die Hütte wurde 1685 gegründet und hat eine über 300-jährige Geschichte. Sie produziert jährlich rund 2 Millionen Tonnen Grobbleche und ist ein zentraler Arbeitgeber im nördlichen Teil des Kreises.

Die starke industrielle Prägung des Kreises spiegelt sich auch in den niedrigen Prognos-Rängen wider: Der Gesamtrang von 301 von rund 400 Kreisen entspricht einer eher schwachen Position. Besonders die Demografie (Rang 314) und die Dynamik (Rang 329) liegen im unteren Drittel.

Verkehr und Erreichbarkeit

Der Landkreis Saarlouis ist verkehrsgünstig gelegen und an mehrere Autobahnen angebunden. Die A1 verläuft durch den Kreis und verbindet Saarbrücken im Süden mit Trier im Norden. Die A8 führt von Saarlouis nach Pirmasens in der Pfalz, und die A620 verbindet Saarlouis mit Merzig. Diese Infrastruktur ermöglicht eine gute Anbindung an die umliegenden Regionen.

Im Schienenverkehr liegen Dillingen/Saar und Lebach an der Saarstrecke, die Saarbrücken mit Metz in Frankreich verbindet. Diese Verbindung hat auch wirtschaftliche Bedeutung, da bereits beim Ford-Werk 11 Prozent der Mitarbeiter aus dem etwa 10 Kilometer südlich gelegenen Frankreich kamen. Die Anbindung an das französische Netz ist für den grenznahen Arbeitsmarkt relevant.

Die Pendlerströme sind von der Nähe zur Agglomeration Saarbrücken geprägt. Die Gemeinden im Süden des Kreises, insbesondere Rehlingen-Siersburg und Ensdorf, liegen Saarbrücken am nächsten und verzeichnen entsprechend höhere Immobilienpreise. Die weiter entfernten Gemeinden im Norden und Westen wie Lebach und Dillingen sind stärker eigenständig geprägt.

Im Bildungsbereich befindet sich im Kreisgebiet keine Hochschule. Die Hochschulen des Saarlandes – darunter die Universität des Saarlandes, die Hochschule für Technik und Wirtschaft und die Hochschule für Musik Saar – sind alle in Saarbrücken angesiedelt. Für Studierende und Forschende bedeutet dies eine Abhängigkeit von Saarbrücken als Bildungsstandort.

Entwicklung und Ausblick

Der Landkreis Saarlouis befindet sich in einem tiefgreifenden Strukturwandel. Das Ende der Fahrzeugproduktion bei Ford im November 2025 markiert das Ende einer über 55-jährigen Ära. Die Umwandlung des Werksgeländes in ein Pharmastandort-Projekt mit 2.000 geplanten Arbeitsplätzen durch Vetter Pharma ist ein zentraler Baustein der Nachnutzung. Ob und wie schnell diese Arbeitsplätze realisiert werden, bleibt abzuwarten.

Die Dillinger Hütte als ältestes noch betriebenes Hüttenwerk Deutschlands steht ebenfalls vor Herausforderungen. Die Anlage gehört zu den 30 industriellen Anlagen in Deutschland mit den höchsten CO₂-Emissionen (4,0 Millionen Tonnen Roheisenerzeugung allein). Der Strukturwandel in der Stahlindustrie wird auch für Dillingen eine Rolle spielen.

Die Bevölkerungsentwicklung zeigt einen leichten Rückgang von 197.009 Einwohnern (2015) auf 195.945 (2023), der sich zuletzt stabilisiert hat. Die niedrigen Prognos-Ränge in Demografie und Dynamik deuten darauf hin, dass der Kreis vor demografischen Herausforderungen steht.

Die Immobilienpreise zeigen trotz des Strukturwandels eine positive Entwicklung: Die Mietpreise stiegen von 7,02 Euro (2018) auf 8,90 Euro (2024), und auch die Kaufpreise liegen mit geschätzten 2.286 Euro für 2026 über dem Niveau von 2024. Diese Entwicklung entspricht dem bundesweiten Trend, ist aber im Kontext des Ford-Ausstands und des Strukturwandels mit Vorsicht zu betrachten.

Mietpreisentwicklung im Kreis

Nach Einwohnern gewichteter Mittelwert aller Orte, €/m²

Datenwerte als Tabelle
Datenwerte des Diagramms
JahrWert (€/m²)
20187,02 €/m²
20196,69 €/m²
20206,94 €/m²
20217,47 €/m²
20227,83 €/m²
20238,33 €/m²
20248,90 €/m²
20258,48 €/m²
20269,01 €/m²

Kaufpreisentwicklung im Kreis

Nach Einwohnern gewichteter Mittelwert aller Orte, €/m²

Datenwerte als Tabelle
Datenwerte des Diagramms
JahrWert (€/m²)
20181.866 €/m²
20191.878 €/m²
20202.031 €/m²
20212.031 €/m²
20221.857 €/m²
20231.896 €/m²
20241.952 €/m²
20252.096 €/m²
20262.286 €/m²

Bruttomietrendite im Zeitverlauf

Aus den aggregierten Miet- und Kaufpreisen des Kreises berechnet

Datenwerte als Tabelle
Datenwerte des Diagramms
JahrWert (%)
20184,52 %
20194,27 %
20204,10 %
20214,41 %
20225,06 %
20235,27 %
20245,47 %
20254,86 %
20264,73 %

Bevölkerungsentwicklung im Kreis

Summe aller Orte

Datenwerte als Tabelle
Datenwerte des Diagramms
JahrWert (Einwohner)
2015197.009 Einwohner
2016196.609 Einwohner
2017195.815 Einwohner
2018195.201 Einwohner
2019194.319 Einwohner
2020193.732 Einwohner
2021193.661 Einwohner
2022195.749 Einwohner
2023195.945 Einwohner
2024195.945 Einwohner

Renditeverteilung im Kreis

Anzahl Orte je 1-Prozent-Band

Datenwerte als Tabelle
Datenwerte des Diagramms
KategorieWert (Orte)
4–58,00 Orte
5–63,00 Orte
6–72,00 Orte

Top 10 Orte nach Rendite

Bruttomietrendite im Kreis Saarlouis, ohne Ausreißer über 15 %

Datenwerte als Tabelle
Datenwerte des Diagramms
KategorieWert (%)
Lebach, Stadt6,38 %
Dillingen/ Saar, Stadt6,26 %
Nalbach5,75 %
Schmelz5,70 %
Schwalbach5,08 %
Überherrn4,93 %
Wadgassen4,87 %
Saarlouis, Kreisstadt4,71 %
Saarwellingen4,53 %
Wallerfangen4,52 %

Alle Orte im Kreis

13 Orte — Spaltenkopf klicken zum Sortieren

Orte im Kreis Saarlouis
Lebach, Stadt6682219.1088,18 €1.537 €6,38 %15,7
Dillingen/ Saar, Stadt6676319.9418,71 €1.670 €6,26 %16,0
Nalbach668099.1018,62 €1.801 €5,75 %17,4
Schmelz6683916.3438,37 €1.761 €5,70 %17,5
Schwalbach6677317.2088,47 €2.000 €5,08 %19,7
Überherrn6680211.5918,57 €2.084 €4,93 %20,3
Wadgassen6678717.0768,67 €2.139 €4,87 %20,6
Saarlouis, Kreisstadt6674034.89310,02 €2.553 €4,71 %21,2
Saarwellingen6679313.3478,52 €2.256 €4,53 %22,1
Wallerfangen667989.3228,77 €2.327 €4,52 %22,1
Bous663597.0588,10 €2.154 €4,51 %22,2
Ensdorf668066.6529,43 €2.601 €4,35 %23,0
Rehlingen-Siersburg6678014.3059,21 €2.639 €4,19 %23,9