Marktüberblick und Einordnung
Der Landkreis Groß-Gerau liegt im Herzen des Rhein-Main-Gebiets und gehört zu den teuersten Kreisen Hessens: Mit einem mittleren Kaufpreis von 3.431 Euro pro Quadratmeter rangiert er auf Platz 8 von 26 Kreisen in Hessen. Die durchschnittliche Angebotsmiete liegt bei 13,12 Euro pro Quadratmeter, die Bruttorendite bei 4,6 Prozent. Die Bevölkerung wuchs von 266.042 im Jahr 2015 auf 281.712 Ende 2023 – ein Zuwachs von rund 16.000 Einwohnern in acht Jahren. Der Kreis umfasst 14 Gemeinden auf 453 Quadratkilometern und hat eine Bevölkerungsdichte von 622 Einwohnern je Quadratkilometer.
Im Prognos-Zukunftsatlas 2025 belegt der Kreis den Gesamtrang 158 von rund 400 deutschen Kreisen. Besonders auffällig ist die enorme Spreizung der Dynamik-Werte: Mit Rang 393 liegt der Kreis in diesem Indikator fast auf dem letzten Platz, während er bei der wirtschaftlichen Stärke mit Rang 76 zu den starken Kreisen gehört. Diese Diskrepanz kennzeichnet einen Kreis, der heute gut da steht, aber in puncto Zukunftsimpulse hinter anderen Regionen zurückfällt.
Innere Struktur und Preisgefälle
Die Spreizung innerhalb des Kreises ist beträchtlich. Die Kaufpreise reichen von 2.872 Euro pro Quadratmeter in Stockstadt am Rhein bis 4.511 Euro in Kelsterbach – ein Faktor von fast 1,6. Die Mieten variieren von 11,07 Euro in Stockstadt bis 16,68 Euro in Kelsterbach. Die Renditen spannen sich von 4,06 Prozent in Ginsheim-Gustavsburg bis 5,74 Prozent in Raunheim.
Die teuersten Gemeinden liegen im Nordwesten des Kreises, direkt an der Grenze zu Frankfurt, Wiesbaden und Mainz. Kelsterbach (4.511 €/m²) profitiert von der unmittelbaren Nachbarschaft zum Frankfurter Flughafen, von dem ein Teil auf Kelsterbacher Gemarkung liegt. Ginsheim-Gustavsburg (3.980 €/m²) und Bischofsheim liegen an der Mainspitze direkt gegenüber von Mainz. Raunheim (3.422 €/m²) und Rüsselsheim (3.472 €/m²) liegen ebenfalls im nordwestlichen Teil des Kreises.
Im Süden und Osten des Kreises, im Hessischen Ried gelegen, sind die Preise deutlich niedriger. Stockstadt am Rhein (2.872 €/m²) und Biebesheim am Rhein (3.015 €/m²) an der rheinischen Grenze bilden das Preisunterende. Die Kreisstadt Groß-Gerau selbst liegt mit 3.101 €/m² im unteren Mittelfeld. Riedstadt (3.123 €/m²) und Gernsheim (3.379 €/m²) im Süden des Kreises liegen ebenfalls unter dem Kreisdurchschnitt.
Ein klares Preisgefälle ist entlang der Nord-Süd-Achse erkennbar: Je näher eine Gemeinde an Frankfurt, Mainz oder Wiesbaden liegt, desto höher die Preise. Im Süden des Kreises, abseits der Ballungszentren, liegen die Werte deutlich darunter.
Wirtschaft und Arbeitsmarkt
Der Automobilbau prägt die Wirtschaft des Kreises maßgeblich. Opel Automobile GmbH, heute Teil des Konzerns Stellantis, hat seinen Stammsitz in Rüsselsheim am Main und ist der größte Arbeitgeber des Landkreises. Das Werk in Rüsselsheim ist zugleich Sitz der deutschen Niederlassung von Stellantis, die 2019 von Köln dorthin umgezogen ist. Die ehemalige FCA Deutschland AG zog 2021 von Frankfurt ebenfalls nach Rüsselsheim um und verschmolz 2021 mit Stellantis. Opel ist dabei die einzige deutsche Marke im Konzern.
Neben der Automobilindustrie hat sich in Rüsselsheim ein weiteres wichtiges Gewerbegebiet entwickelt: Im Stadtteil Königstädten hat Hyundai/Kia ein Entwicklungszentrum errichtet, zudem haben sich Speditionen und das Druckzentrum der Verlagsgruppe Rhein-Main angesiedelt. Das Wohngebiet Blauer See II in Königstädten ist das bislang letzte große Erschließungsprojekt der Stadt Rüsselsheim.
Der Frankfurter Flughafen übt als weiterer Wirtschaftsfaktor erhebliche Anziehungskraft aus. Ein Teil des südlichen Flughafengeländes liegt auf dem Gebiet von Mörfelden-Walldorf, ein weiterer Teil auf Kelsterbacher Gemarkung. Das Gewerbegebiet Gateway Gardens am Flughafen ist seit Dezember 2019 über die neue Flughafenschleife Frankfurt mit der S-Bahn angebunden. Die Nähe zum Flughafen begünstigt logistikorientierte Gewerbeansiedlungen im gesamten Kreisgebiet.
Die Landwirtschaft nimmt mit 46,5 Prozent der Fläche einen überdurchschnittlichen Anteil ein. Der Landkreis liegt im Hessischen Ried, einer fruchtbaren Auenlandschaft. Im Süden des Kreises, an Rhein und Main, spielt auch der Weinbau eine Rolle.
Verkehr und Erreichbarkeit
Der Landkreis Groß-Gerau ist durch eine herausragende verkehrliche Anbindung an das Rhein-Main-Gebiet gekennzeichnet. Die S-Bahn-Linien S8 und S9 der S-Bahn Rhein-Main verbinden Rüsselsheim, Raunheim und Kelsterbach mit Frankfurt am Main, Mainz und Wiesbaden. Der Bahnhof Kelsterbach wird ausschließlich von S8 und S9 bedient. Die S-Bahn-Anbindung ist dabei ungleich verteilt: Während die Gemeinden im Nordwesten des Kreises direkt an der Bahnstrecke Mainz–Frankfurt liegen, sind die Gemeinden im Süden des Kreises (Stockstadt, Biebesheim, Riedstadt, Gernsheim) nicht an das S-Bahn-Netz angeschlossen.
Die Bundesautobahn 67 durchquert den Kreis von Nord nach Süd und verbindet Rüsselsheim, Groß-Gerau und Büttelborn mit Darmstadt. Am Mönchhof-Dreieck westlich des Frankfurter Flughafens zweigt die A67 von der A3 ab. Am Rüsselsheimer Dreieck mündet die A60 ein, die nach Mainz führt. Diese Autobahnen bilden die wichtigste Nord-Süd-Verbindung des Kreises und sind parallel zur A5 verlaufend eine wichtige Alternative zwischen dem Rhein-Main-Gebiet und dem Rhein-Neckar-Gebiet.
Die Pendlerströme sind stark nach Frankfurt, Mainz und Wiesbaden gerichtet. Der Landkreis gehört zum Planungsverband Ballungsraum Frankfurt/Rhein-Main und zum Rhein-Main-Verkehrsverbund. Keine der umliegenden Großstädte liegt weiter als 30 Kilometer von Rüsselsheim entfernt. Diese zentrale Lage im Dreieck zwischen Frankfurt, Mainz und Wiesbaden macht den Kreis zum klassischen Pendlerstandort.
Entwicklung und Ausblick
Die Bevölkerungsentwicklung des Kreises war von 2015 bis 2023 durchgängig positiv: Von 266.042 auf 281.712 Einwohner, ein Zuwachs von rund 6 Prozent. Dies entspricht dem Muster typischer Umlandkreise des Rhein-Main-Gebiets, die von der Nähe zu den Ballungszentren profitieren.
Die Immobilienmarktentwicklung zeigt einen deutlichen Anstieg der Mieten von 10,21 Euro pro Quadratmeter im Jahr 2018 auf 13,33 Euro Ende 2024, gefolgt von einem leichten Rückgang auf 12,83 Euro im Jahr 2025. Die Kaufpreise stiegen von 2.719 Euro im Jahr 2018 auf einen Höhepunkt von 3.714 Euro im Jahr 2021, korrigierten dann auf 3.345 Euro im Jahr 2023 und liegen 2024 wieder bei 3.515 Euro. Die Zeitreihen enthalten keine geschätzten Werte.
Der Prognos-Rang im Bereich Dynamik von 393 von rund 400 Kreisen weist darauf hin, dass der Kreis bei Zukunftsimpulsen und dynamischen Entwicklungen hinter anderen Regionen zurückfällt. Dies könnte mit der Abhängigkeit von der Automobilindustrie und dem Strukturwandel im Opel-Werk zusammenhängen. Gleichzeitig zeigt der Rang 76 bei der wirtschaftlichen Stärke, dass der Kreis heute über eine solide wirtschaftliche Basis verfügt.
Die ungleiche Verteilung der S-Bahn-Anbindung verstärkt die innere Spreizung des Kreises: Die an die S-Bahn angebundenen Gemeinden im Nordwesten profitieren von der besseren Erreichbarkeit Frankfurts und Mainzs, während die Gemeinden im Süden des Kreises auf den Autoverkehr angewiesen sind und entsprechend niedrigere Immobilienpreise aufweisen.