Marktüberblick und Einordnung
Der Kreis Kleve liegt am unteren Niederrhein im Nordwesten von Nordrhein-Westfalen und grenzt im Norden und Westen an die niederländischen Provinzen Gelderland und Limburg. Mit 321.491 Einwohnern auf 1.233 Quadratkilometern ist er mit 261 Einwohnern je km² eher dünn besiedelt. Der Kreis umfasst 16 Gemeinden, davon fünf mittlere kreisangehörige Städte: Kleve (53.458 Einwohner), Goch (35.520), Geldern (34.604), Emmerich am Rhein (32.157) und Kevelaer (28.466). Der Kreis gehört zum Regierungsbezirk Düsseldorf und ist Mitglied im Landschaftsverband Rheinland sowie im Zweckverband Euregio Rhein-Waal.
Der Kreis Kleve entstand erst 1975 durch die Zusammenführung des alten Kreises Kleve mit dem Kreis Geldern und Teilen der Kreise Moers und Rees. Der Südkreis Kleve (ehemaliger Kreis Geldern) unterscheidet sich strukturell deutlich vom nördlichen Altkreis Kleve. Diese Zweiteilung prägt bis heute die inneren Strukturen des Kreises.
Innere Struktur und Preisgefälle
Der Immobilienmarkt des Kreises Kleve zeigt eine bemerkenswerte innere Spreizung. Die Kaufpreise reichen von 2.079 Euro pro Quadratmeter in Kerken bis 2.752 Euro pro Quadratmeter in Kalkar. Der Median liegt bei 2.456 Euro pro Quadratmeter, der Kreis-Mittelwert bei 2.446 Euro pro Quadratmeter. Die Mietpreise variieren zwischen 8,59 Euro pro Quadratmeter in Rheurdt und 11,03 Euro pro Quadratmeter in Weeze. Die Bruttomietrenditen spannen sich von 4,18 Prozent in Straelen bis 5,65 Prozent in Kranenburg.
Die teuersten Gemeinden liegen im Norden des Kreises: Kalkar (2.752 €/m²), Straelen (2.620 €/m²), Kleve (2.609 €/m²), Geldern (2.605 €/m²) und Emmerich am Rhein (2.569 €/m²). Diese Städte bilden das wirtschaftliche und demografische Zentrum des Kreises. Die günstigsten Gemeinden befinden sich im Süden und Osten: Kerken (2.079 €/m²), Kranenburg (2.151 €/m²), Uedem (2.268 €/m²), Goch (2.313 €/m²) und Bedburg-Hau (2.409 €/m²). Auffällig ist, dass Weeze mit 2.453 €/m² zwar einen mittleren Kaufpreis aufweist, aber die höchsten Mietpreise im Kreis (11,03 €/m²) und damit eine der höchsten Renditen (5,40 %) erzielt.
Im Landesvergleich liegt der Kreis Kleve mit einem mittleren Kaufpreis von 2.446 Euro pro Quadratmeter auf Rang 29 von 53 Kreisen in Nordrhein-Westfalen und damit im unteren Mittelfeld. Der Kreis liegt mit 2.446 €/m² unter dem Landesdurchschnitt von 2.530 €/m², aber über dem Bundesdurchschnitt von 2.409 €/m². Die Bruttomietrendite von 4,69 Prozent liegt leicht über dem Landesdurchschnitt von 4,52 Prozent und unter dem Bundesdurchschnitt von 5,10 Prozent.
Wirtschaft, Arbeitsmarkt und regionale Faktoren
Der Kreis Kleve ist geprägt von mehreren strukturellen Faktoren, die den Wirtschafts- und Arbeitsmarkt bestimmen. Der Flughafen Niederrhein (Airport Weeze) ist ein zentraler Wirtschaftsfaktor: Er verzeichnete 2025 rund 2,25 Millionen Passagiere und 26.844 Flugbewegungen bei einer Kapazität von etwa 3,5 Millionen Passagieren pro Jahr. Ryanair nutzt den Flughafen als wichtigen Standort. Das 620 Hektar große Areal ging aus dem britischen Militärflugplatz RAF Laarbruch hervor, der 1999 geschlossen wurde und dessen Konversion zum zivilen Flughafen ein bedeutendes Strukturprojekt darstellte.
Der Hafen Emmerich am Rhein ist ein weiterer wichtiger Wirtschaftsfaktor. Das Rhein-Waal-Terminal (seit 2017 Contargo Rhein-Waal-Lippe) wickelte 2015 rund 147.277 TEU Containerumschlag ab und zählt damit zu den größten Umschlagterminals in Nordrhein-Westfalen. Der Hafen ist trimodal über Straße, Schiene und Wasser angebunden. Seit 2021 betreibt RTSB eine Container-Zugverbindung von China nach Emmerich. Die Anlage umfasst drei Schutzhäfen, zwei Anlandungsstellen und einen Sportboothafen.
Die Hochschule Rhein-Waal wurde 2009 gegründet und hat ihren Hauptsitz in Kleve sowie einen zweiten Campus in Kamp-Lintfort. Sie zählt 6.199 Studierende (2025) und 507 Mitarbeiter. Der Schwerpunkt liegt auf MINT-Fächern mit internationaler Ausrichtung – die Mehrheit der Studierenden stammt aus über 100 Ländern. Die Hochschule ist Teil des Zweckverbands Euregio Rhein-Waal.
Kevelaer ist als einer der wichtigsten Marienwallfahrtsorte Deutschlands bekannt und erhielt 2024 die Anerkennung als "Staatlich anerkannter Kurort mit Heilquellen-Kurbetrieb". Der Tourismus ist ein weiterer Wirtschaftsfaktor.
Der Prognos-Zukunftsatlas 2025 ordnet den Kreis Kleve auf Rang 254 von rund 400 deutschen Kreisen (Gesamt), Rang 164 in Dynamik und Rang 272 in Stärke ein. Damit liegt der Kreis im unteren Mittelfeld der deutschen Kreise.
Verkehr und Erreichbarkeit
Die Verkehrsanbindung des Kreises Kleve ist durch die Lage am unteren Niederrhein geprägt. Die Bahnstrecke Oberhausen–Arnhem verläuft durch den Kreis und bedient Emmerich, Empel-Rees und Diersfordt. Der Rhein-IJssel-Express (RE 1) verkehrt auf dieser Strecke. ICE-Züge nutzen die Strecke ohne Halt in Emmerich.
Der Flughafen Niederrhein bietet als Verkehrsflughafen internationale Verbindungen, vor allem mit Ryanair. Er liegt in Weeze, etwa 24 Kilometer südlich der Kreisstadt Kleve.
Die Lage an der deutsch-niederländischen Grenze und die Zugehörigkeit zur Euregio Rhein-Waal schaffen besondere internationale Verflechtungen. Der Kreis grenzt im Westen und Norden an die niederländischen Provinzen Limburg und Gelderland. Die Hochschule Rhein-Waal nutzt diese internationale Lage durch ihr überwiegend englischsprachiges Studienangebot.
Entwicklung und Ausblick
Der Kreis Kleve verzeichnete zwischen 2015 und 2023 ein Bevölkerungswachstum von 310.337 auf 321.491 Einwohner. Die Mietpreise stiegen von 7,00 Euro pro Quadratmeter (2018) auf 9,54 Euro pro Quadratmeter (2025). Die Kaufpreise entwickelten sich von 1.883 Euro pro Quadratmeter (2018) auf 2.479 Euro pro Quadratmeter (2025). Die Zeitreihen enthalten geschätzte Werte für 2026.
Die inneren Strukturen des Kreises bleiben unterschiedlich: Während die nördlichen Städte Kleve, Geldern und Emmerich am Rhein das wirtschaftliche Zentrum bilden, zeigen die südlichen Gemeinden wie Kerken und Kranenburg deutlich niedrigere Kaufpreise und höhere Renditen. Die zweigeteilte Kreisstruktur – Altkreis Kleven im Norden und Südkreis Kleve (ehemaliger Kreis Geldern) im Süden – prägt bis heute die Marktdynamik.
Der Flughafen Weeze, der Hafen Emmerich und die Hochschule Rhein-Waal sind die wichtigsten strukturellen Faktoren, die den Kreis als Wirtschafts- und Lebensraum prägen. Die internationale Ausrichtung durch die Euregio Rhein-Waal und die niederländische Nachbarschaft bieten besondere Chancen, stellen aber auch besondere Anforderungen an die Infrastruktur.