Marktüberblick und Einordnung
Der Kreis Lippe liegt im Nordosten Nordrhein-Westfalens im Regierungsbezirk Detmold und umfasst 16 Gemeinden auf 1.246 Quadratkilometern. Mit rund 350.000 Einwohnern ist er ein mittelgroßer ländlich geprägter Kreis, der historisch auf das ehemalige Land Lippe zurückgeht und seit 1947 zu Nordrhein-Westfalen gehört.
Der Immobilienmarkt bewegt sich deutlich unter dem Landes- und Bundesdurchschnitt. Der mittlere Kaufpreis liegt bei 1.967 Euro pro Quadratmeter und rangiert damit auf Platz 47 von 53 Kreisen in Nordrhein-Westfalen. Der Landesdurchschnitt beträgt 2.530 Euro pro Quadratmeter, der bundesweite Durchschnitt 2.409 Euro. Auch die Mietpreise liegen mit einem Mittelwert von 7,90 Euro pro Quadratmeter unter dem Bundesdurchschnitt von 8,92 Euro. Die Bruttomietrendite von 5,01 Prozent liegt leicht über dem Bundesdurchschnitt von 5,1 Prozent und dem Landesdurchschnitt von 4,52 Prozent.
Die Zeitreihen zeigen einen deutlichen Preisanstieg: Der Kaufpreis kletterte von 1.532 Euro pro Quadratmeter im Jahr 2018 auf 2.225 Euro im Jahr 2025. Die Mietpreise stiegen von 6,12 auf 8,51 Euro pro Quadratmeter im selben Zeitraum. Die Bevölkerung ist leicht rückläufig, von 350.750 Einwohnern im Jahr 2015 auf 349.781 im Jahr 2023.
Im Prognos-Zukunftsatlas 2025 belegte der Kreis Lippe Platz 181 von 400 Landkreisen und zählt damit zu den Regionen mit ausgeglichenem Chancen- und Risikoprofil.
Innere Struktur und Preisgefälle
Der Immobilienmarkt im Kreis Lippe weist eine deutliche innere Struktur auf, die sich an zwei Achsen orientiert: der Nähe zu Bielefeld im Westen und der Lage im Bergland im Osten.
Die teuerste Gemeinde ist Leopoldshöhe mit 2.932 Euro pro Quadratmeter Kaufpreis und 9,45 Euro pro Quadratmeter Miete. Die Gemeinde mit 16.658 Einwohnern liegt unmittelbar westlich von Bielefeld und profitiert als dessen direktes Umland von der Pendlernachfrage. Der Kaufpreisfaktor beträgt 25,9, die Rendite liegt mit 3,87 Prozent am unteren Ende des Kreises.
Folgepreise finden sich in Augustdorf (2.541 Euro/m²), Bad Salzuflen (2.487 Euro/m²), Lemgo (2.367 Euro/m²) und Schlangen (2.360 Euro/m²). Augustdorf liegt im Süden des Kreises im Teutoburger Wald und profitiert als Kurort. Bad Salzuflen ist ein Thermal-Heilbad und das wirtschaftliche Zentrum im Westen des Kreises. Lemgo ist Hochschulstandort und liegt 25 Kilometer östlich von Bielefeld.
Demgegenüber liegen die günstigsten Gemeinden im östlichen und südöstlichen Teil des Kreises. Kalletal führt mit 1.235 Euro pro Quadratmeter und einem Kaufpreisfaktor von 15 deutlich zurück. Schieder-Schwalenberg (1.356 Euro/m²), Lügde (1.381 Euro/m²), Barntrup (1.435 Euro/m²) und Dörentrup (1.511 Euro/m²) bilden eine Gruppe im östlichen Bergland. Die Mietpreise reichen hier von 6,20 Euro/m² in Lügde bis 7,24 Euro/m² in Dörentrup. Die Renditen sind in diesen Gemeinden mit 5,39 bis 6,67 Prozent deutlich höher als im Bielefelder Umland.
Das Preisgefälle zwischen teuerster und günstigster Gemeinde beträgt mehr als das Doppelte. Die Kaufpreise reichen von 1.235 Euro/m² in Kalletal bis 2.932 Euro/m² in Leopoldshöhe. Die Renditespanne erstreckt sich von 3,80 Prozent in Extertal bis 6,67 Prozent in Kalletal.
Die Gemeinden mit den höchsten Kaufpreisen liegen allesamt im westlichen und zentralen Teil des Kreises. Die günstigsten Gemeinden konzentrieren sich im östlichen und südöstlichen Bergland. Detmold als Kreisstadt und größte Gemeinde mit 74.438 Einwohnern liegt mit 2.270 Euro/m² im oberen Mittelfeld.
Wirtschaft und Arbeitsmarkt
Die Wirtschaft des Kreises Lippe ist geprägt von mittelständischen Unternehmen und spezialisierten Branchen. Der Kreis steht in der Tradition des ehemaligen Fürstentums Lippe und hat eine lange industrielle Geschichte.
Größter Einzelarbeitgeber im Kreis ist die Weidmüller Holding AG & Co. KG mit Hauptsitz in Detmold. Das Unternehmen der Elektrotechnik und Automatisierung beschäftigte 2023 rund 5.931 Mitarbeiter und erzielte einen Umsatz von 1,1 Milliarden Euro. Weidmüller ist einer der drei großen deutschen Steckerhersteller und in über 80 Ländern weltweit vertreten. Das Unternehmen betreibt am Standort Detmold ein Kunden- und Technologiecenter, in dem etwa 400 Mitarbeiter arbeiten, sowie eine Akademie zur Aus- und Weiterbildung.
Ein weiterer wirtschaftlicher Schwerpunkt ist der Innovation Campus Lemgo, ein etwa 32 Hektar großes Quartier für die digitale Wirtschaft. Auf dem Campus sind das Fraunhofer-Institut IOSB-INA, die Technische Hochschule OWL, die SmartFactoryOWL als Forschungs- und Demonstrationsfabrik für Industrie-4.0-Technologien und das Centrum Industrial IT angesiedelt. Im CIIT haben sich Unternehmen aus dem Bereich der Automation wie Phoenix Contact, KEB Automation, Emerson, Stäubli und Hilscher Systemtechnik zusammengefunden.
Die Stiftung Standortsicherung Kreis Lippe, die 2001 aus dem Verkaufserlös der Elektrizitätswerke Wesertal gegründet wurde, fördert mit einem Stiftungskapital von rund 21,7 Millionen Euro Bildung, Wissenschaft, Forschung und Kultur im Kreis. Sie unterstützt Kooperationen zwischen den lippischen Hochschulen und Unternehmen und hat mehrere Stiftungslehrstühle an der Technischen Hochschule OWL und der Hochschule für Musik Detmold gefördert.
Der Kreis ist geografisch zentral in Ostwestfalen-Lippe positioniert und grenzt an alle Landkreise der Region. Die Entfernung nach Bielefeld beträgt rund 30 Kilometer, was die wirtschaftliche Verflechtung mit der Großstadt erklärt.
Bildung, Forschung und Infrastruktur
Der Kreis Lippe verfügt über zwei Hochschulen, die als wichtige Standortfaktoren wirken. Die Technische Hochschule Ostwestfalen-Lippe mit Standort in Lemgo gehört zu den zehn forschungsstärksten Hochschulen für angewandte Wissenschaften in Deutschland. Sie ist eng mit dem Innovation Campus Lemgo und dem Technologienetzwerk it's OWL verbunden. Die Hochschule für Musik Detmold ist eine spezialisierte Musikhochschule und trägt zur kulturellen Strahlkraft der Region bei.
Detmold ist als Behördenstadt Sitz der Kreisverwaltung und der Bezirksregierung des Regierungsbezirks Detmold. Diese öffentliche Präsenz schafft stabile Arbeitsplätze und trägt zur wirtschaftlichen Basis bei.
Das Klinikum Lippe betreibt Standorte in Detmold, Lemgo und Bad Salzuflen und ist eines der größten kommunalen Krankenhäuser der Region. Es sichert die medizinische Grundversorgung und schafft Arbeitsplätze im Gesundheitssektor.
Die Verkehrsanbindung des Kreises erfolgt über das Straßennetz und das Schienennetz. Der Kreis grenzt an Bielefeld und ist über die A2 und A33 mit dem Bundesautobahnnetz verbunden. Die nächsten ICE-Knotenpunkte befinden sich in Bielefeld und Paderborn. Der Flughafen Paderborn/Lippstadt ist in etwa einer Stunde erreichbar.
Die Gemeinden im Westen des Kreises, insbesondere Leopoldshöhe und Bad Salzuflen, profitieren von der Nähe zu Bielefeld und der damit verbundenen guten Erreichbarkeit. Im östlichen Bergland ist die Anbindung weniger intensiv ausgeprägt.
Tourismus und Gesundheitswesen
Tourismus und Gesundheitswesen spielen im Kreis Lippe eine bedeutende Rolle. Bad Salzuflen ist ein staatlich anerkanntes Thermal-Heilbad und zieht Kurgäste aus der Region und darüber hinaus an. Die Stadt mit rund 53.800 Einwohnern verfügt über eine lange Kurtradition und ist ein wichtiger Wirtschaftsfaktor für den westlichen Teil des Kreises.
Augustdorf liegt im Teutoburger Wald und ist ebenfalls als Kurort bekannt. Die Gemeinde mit rund 10.300 Einwohnern profitiert von der naturnahen Lage und dem damit verbundenen Tourismus.
Detmold ist als historische Residenzstadt ein kultureller Anziehungspunkt. Das Hermannsdenkmal auf der Grotenburg ist die höchste Statue Deutschlands und eine der bekanntesten Sehenswürdigkeiten der Region. Detmold beherbergt das größte Freilichtmuseum Deutschlands und das Landestheater Detmold. Das Deutsche Jugendherbergswerk hat seinen Sitz in Detmold.
Der Teutoburger Wald und das Eggegebirge prägen den Süden und Osten des Kreises und bieten Erholungsmöglichkeiten. Die Gemeinden im Bergland wie Lügde, Barntrup und Schieder-Schwalenberg sind von der ländlichen Struktur und der Natur geprägt.
Entwicklung und Ausblick
Der Kreis Lippe befindet sich in einem strukturellen Wandel. Die Bevölkerung ist leicht rückläufig, was sich auch in den Zeitreihen widerspiegelt. Gleichzeitig steigen die Immobilienpreise kontinuierlich an, was auf die Nähe zu Bielefeld und die Attraktivität der Region als Wohnstandort zurückzuführen ist.
Die polyzentrische Struktur des Kreises mit mehreren mittelgroßen Städten führt zu einer differenzierten Marktentwicklung. Während die Gemeinden im Westen und Zentrum von der Nähe zu Bielefeld und der Ansiedlung von Technologieunternehmen profitieren, bleiben die östlichen Gemeinden im Bergland preislich deutlich zurück.
Der Innovation Campus Lemgo und die Anbindung an das Technologienetzwerk it's OWL schaffen Perspektiven für den Standort Lemgo als Wissenschafts- und Technologiestandort. Die enge Verflechtung zwischen der Technischen Hochschule OWL, dem Fraunhofer-Institut und dem Mittelstand bildet ein regionales Innovationsökosystem.
Die Stiftung Standortsicherung Kreis Lippe setzt mit ihrer Förderung von Bildung, Wissenschaft und Kultur langfristige Impulse für die Region. Das Stiftungskapital von rund 21,7 Millionen Euro ermöglicht eine kontinuierliche Unterstützung von Projekten, die die Attraktivität des Kreises als Wirtschafts- und Lebensstandort stärken.
Die Zeitreihen zeigen für die kommenden Jahre weitere Preisanstiege bei Miete und Kaufpreis. Die Entwicklung wird maßgeblich von der wirtschaftlichen Verflechtung mit Bielefeld und der Attraktivität der lippischen Gemeinden als Wohnstandort bestimmt.