Marktüberblick und Einordnung
Der Kreis Borken im Nordwesten Nordrhein-Westfalens umfasst 17 Gemeinden auf 1.421 Quadratkilometern und hat 381.627 Einwohner. Mit einem mittleren Kaufpreis von 2.750 EUR/m² und einer mittleren Miete von 9,52 EUR/m² liegt er im Bundesland-Rang 15 von 53 Kreisen — deutlich über dem Landesdurchschnitt von 2.530 EUR/m². Der Prognos-Zukunftsatlas 2025 ordnet den Kreis auf Rang 110 von rund 400 deutschen Kreisen (Gesamt), Rang 102 (Dynamik) und Rang 124 (Stärke). Die Bevölkerung wuchs von 369.666 (2015) auf 381.627 (2023), was für einen ländlich geprägten Kreis im Nordwesten bemerkenswert ist. Die Mieten stiegen von 7,32 EUR/m² (2018) auf 9,66 EUR/m² (2024), die Kaufpreise von 2.037 EUR/m² auf 2.568 EUR/m².
Innere Struktur und Preisgefälle
Die Spreizung innerhalb des Kreises ist beträchtlich. Die Kaufpreise reichen von 1.913 EUR/m² in Schöppingen bis 3.290 EUR/m² in Gescher — eine Differenz von 72%. Die teuersten Gemeinden liegen im Süden und Osten des Kreises: Gescher (3.290 EUR/m²), Legden (3.210 EUR/m²), Rhede (3.145 EUR/m²), Stadtlohn (3.106 EUR/m²) und Ahaus (2.981 EUR/m²). Diese Gemeinden liegen entlang oder in der Nähe der A31, die den Kreis von Nord nach Süd durchquert. Die günstigsten Gemeinden befinden sich im Nordwesten: Schöppingen (1.913 EUR/m²), Heek (2.107 EUR/m²), Heiden (2.212 EUR/m²) und Velen (2.458 EUR/m²). Die Bruttorenditen spiegeln diese Differenz wider: Sie reichen von 3,25% in Gescher bis 6,15% in Schöppingen. Die größte Gemeinde Bocholt (72.409 Einwohner) liegt mit 2.836 EUR/m² knapp über dem Kreisdurchschnitt und bildet ein eigenes Zentrum. Gronau (50.151 Einwohner) liegt mit 2.659 EUR/m² leicht darunter, Borken (43.589 Einwohner) mit 2.739 EUR/m² knapp darunter.
Wirtschaft und Arbeitsmarkt
Die Van Delden-Gruppe war bis 1982 das prägende Industrieunternehmen des Kreises. Das Textilunternehmen mit Sitz in Gronau zählte Mitte der 1970er Jahre rund 7.000 Mitarbeiter und war eines der größten Textilunternehmen Europas. Die Insolvenz 1982 war ein schwerer Schlag für die Region. Heute hat sich die Wirtschaftsstruktur gewandelt. Die Börger GmbH in Weseke (Stadtteil Borken) ist ein weltweit agierendes Maschinenbauunternehmen für Drehkolbenpumpen, Separations- und Zerkleinerungstechnik. Es beschäftigte 2025 rund 440 Mitarbeiter weltweit, davon etwa 330 am Hauptsitz, und erzielte 2025 einen Umsatz von 127,70 Mio. Euro. Die Firma erhielt 2020 den Großen Preis des Mittelstandes. Die Bresser GmbH in Rhede ist ein Unternehmen der optischen Industrie (Teleskope, Mikroskope, Ferngläser), gegründet 1957 von Josef Bresser in Borken, 2006 nach Rhede verlegt. Das Unternehmen beschäftigte 2023 rund 138 Mitarbeiter und erzielte 2023 einen Umsatz von 69 Mio. Euro. Die Textilindustrie hat ihre Bedeutung verloren, der Maschinenbau und die optische Industrie haben sie teilweise ersetzt. Der Kreis ist weiterhin stark landwirtschaftlich geprägt.
Verkehr und Erreichbarkeit
Die A31 (Emstunnel-Autobahn) durchquert den Kreis Borken von Nord nach Süd in vierstreifiger Ausführung. Sie verbindet Emden mit dem Autobahndreieck Bottrop (A2) und ist seit 2004 in ihrer gesamten Länge befahrbar. Im Kreis liegen die Anschlussstellen Gronau/Ochtrup (30), Heek (31), Legden/Ahaus (32), Gescher/Coesfeld (33), Borken (34), Reken (35) und Lembeck (36). Die A31 ist die zentrale Verkehrsachse des Kreises und erklärt das Preisgefälle entlang dieser Nord-Süd-Achse. Gronau (Westf.) liegt direkt an der niederländischen Grenze und ist über die Bahnstrecke nach Enschede mit den Niederlanden verbunden. Der Maas-Wupper-Express (RE 4) verläuft über Gronau nach Münster, Düsseldorf und Mönchengladbach. Bocholt grenzt im Norden direkt an die Niederlande und ist nach Aachen die zweitgrößte deutsche Stadt an der deutsch-niederländischen Grenze. Die A31 wurde 2004 durch ein einzigartiges Finanzierungsmodell fertiggestellt, bei dem sich Privatleute, Firmen, Gemeinden, Landkreise und die Niederlande an den Kosten beteiligten.
Entwicklung und Ausblick
Der Kreis Borken hat in den letzten Jahren Bevölkerungszuwachs verzeichnet und profitiert von der guten Anbindung an die A31. Die teuersten Gemeinden im Süden des Kreises (Gescher, Legden, Rhede, Stadtlohn, Ahaus) liegen entlang der A31 und profitieren von der guten Erreichbarkeit des Ruhrgebiets und Münsters. Die günstigeren Gemeinden im Nordwesten (Schöppingen, Heek, Heiden, Velen) liegen weiter von der Autobahn entfernt und bieten höhere Renditen. Die wirtschaftliche Struktur hat sich vom Textilindustrie-Standort hin zu spezialisierten Maschinenbau- und Optikunternehmen gewandelt. Die Börger GmbH und die Bresser GmbH sind Beispiele für erfolgreiche mittelständische Unternehmen im Kreis. Der Prognos-Rang 110 von rund 400 deutschen Kreisen zeigt eine solide Position, wobei der Bereich Wohlstand und soziale Lage mit Rang 219 Schwächen aufweist.