Marktüberblick und Einordnung
Der Schwarzwald-Baar-Kreis mit rund 219.000 Einwohnern auf 1.025 km² erstreckt sich auf dem Gebiet zwischen dem südöstlichen Schwarzwald und der Schwäbischen Alb. Der Kreis gehört zum Regierungsbezirk Freiburg in Baden-Württemberg und ist mit 20 Gemeinden, darunter zwei Große Kreisstädte, eine der größeren ländlichen Gebietskörperschaften des Landes. Der mittlere Kaufpreis liegt bei 2.451 EUR/m², die mittlere Mietanzeige bei 9,69 EUR/m². Damit rangiert der Kreis auf Platz 41 von 44 baden-württembergischen Kreisen nach Kaufpreisniveau – er gehört zu den günstigeren Regionen des Landes, liegt aber knapp über dem deutschen Durchschnitt von 2.409 EUR/m².
Die Bevölkerung wuchs in den letzten Jahren deutlich: von 209.648 Einwohnern (2015) auf 218.780 (2023). Der Prognos-Zukunftsatlas 2025 ordnet den Kreis auf Rang 89 von rund 400 deutschen Kreisen ein (Gesamtrang), mit besonders guten Werten im Bereich Wohlstand und soziale Lage (Rang 58). Die Dynamik liegt mit Rang 147 etwas im Mittelfeld.
Die Immobilienpreise entwickelten sich von 2018 bis 2021 stark steigend (von 2.277 auf 2.858 EUR/m²), korrigierten dann bis 2024 auf 2.699 EUR/m² und erholten sich 2025 wieder auf 2.801 EUR/m². Die Mieten stiegen kontinuierlich von 8,06 EUR/m² (2018) auf 10,46 EUR/m² (2024).
Innere Struktur und Preisgefälle
Der Schwarzwald-Baar-Kreis weist eine erhebliche innere Spreizung auf, die sich aus der geografischen und wirtschaftlichen Struktur des Kreises erklärt. Die Kaufpreise reichen von 1.197 EUR/m² in der kleinen Gemeinde Gütenbach bis 3.433 EUR/m² in Dauchingen – ein Faktor von fast 2,9. Der Median liegt bei 2.473 EUR/m², deutlich über dem Kreismittel von 2.451 EUR/m², was auf eine recht symmetrische Verteilung hindeutet.
Die teuersten Gemeinden liegen in der Baarhochmulde und im südlichen Schwarzwald: Dauchingen (3.433 EUR/m²), Bad Dürrheim (3.393 EUR/m²), Königsfeld im Schwarzwald (3.345 EUR/m²). Diese Gemeinden profitieren von der Nähe zu Villingen-Schwenningen bzw. von ihrem Status als Kurort. Bad Dürrheim ist das höchstgelegene Solebad Europas und zieht Kurgäste und Rentner an, Königsfeld liegt verkehrsgünstig an der Schwarzwaldbahn und ist ein beliebter Wohnort im Schwarzwald-Umland. Dauchingen, eine kleine Gemeinde mit nur 3.908 Einwohnern, weist mit 3.433 EUR/m² den höchsten Kaufpreis des gesamten Kreises auf.
Im Gegensatz dazu liegen die günstigsten Gemeinden in den höher gelegenen Schwarzwaldorten: Gütenbach (1.197 EUR/m²), Schonach im Schwarzwald (1.724 EUR/m²), Schönwald im Schwarzwald (1.819 EUR/m²). Diese Orte sind abgelegener, haben weniger Infrastruktur und sind stärker vom Tourismus und der Forstwirtschaft geprägt.
Die größte Stadt, Villingen-Schwenningen, liegt mit 2.941 EUR/m² im oberen Mittelfeld – über dem Kreis- und Bundesdurchschnitt, aber deutlich unter den teuersten Gemeinden. Donaueschingen liegt mit 2.865 EUR/m² ähnlich. Die Renditen spiegeln die Preisspanne wider: Sie reichen von 3,45% in Königsfeld bis 7,69% in Gütenbach, der Median liegt bei 4,86%.
Ein deutliches Preisgefälle ist entlang der Nord-Süd-Achse entlang der A 81 und der Schwarzwaldbahn erkennbar: Die Gemeinden in der Baarhochmulde zwischen Villingen-Schwenningen und Donaueschingen sind am teuersten, während die höher gelegenen Schwarzwaldgemeinden im Westen und Süden des Kreises deutlich günstiger sind.
Wirtschaft und Arbeitsmarkt
Die Wirtschaft des Schwarzwald-Baar-Kreises ist geprägt von einem historischen Strukturwandel von der Uhren- und Feinwerktechnik hin zu modernen Industriezweigen. Villingen-Schwenningen war über Jahrzehnte die „größte Uhrenstadt der Welt“. Unternehmen wie SABA (Schwarzwälder Apparate-Bau-Anstalt), das 1835 gegründet wurde und in den 1930er-Jahren der zweitgrößte deutsche Radiogerätehersteller war, und ISGUS, das 1888 als Uhrenfabrik gegründet wurde und heute Systemlösungen für Zeiterfassung entwickelt, zeugen von dieser Tradition. SABA wurde 1986 aufgelöst, die letzten Gebäude in Villingen 2021 abgerissen. ISGUS hat heute 139 Mitarbeiter und ist eines der wenigen Unternehmen, das den Strukturwandel von mechanischen Uhren zu elektronischen Systemen überstanden hat.
In Furtwangen im Schwarzwald prägte die Uhrenindustrie die Stadt ebenfalls stark. Die 1850 gegründete deutsche Uhrmacherschule entwickelte sich zur Hochschule Furtwangen, die heute 4.338 Studierende (April 2025) an zwei Standorten hat. Die historische Uhrenindustrie wandelte sich in moderne Betriebe der Metallverarbeitung, Feinwerktechnik und Elektronik um.
In Vöhrenbach ist die Walor Vöhrenbach GmbH mit 240 Beschäftigten (Stand 2018) der größte Arbeitgeber. Das Unternehmen gehört zur französischen Walor-Gruppe und ist Automobilzulieferer.
Bad Dürrheim ist als staatlich anerkannter Kurort und höchstgelegenes Solebad Europas ein bedeutender Wirtschaftsstandort im Gesundheits- und Tourismusbereich. Die Sole wurde 1822 entdeckt, seit 1883 werden hier Badekuren angeboten.
Das Schwarzwald-Baar Klinikum Villingen-Schwenningen ist mit 1.000 Betten, 3.092 Mitarbeitern (2018) und 26 Fachgebieten eines der zehn größten nicht-universitären Kliniken Baden-Württembergs und ein akademisches Lehrkrankenhaus des Universitätsklinikums Freiburg. Es ist ein bedeutender Arbeitgeber und Versorgungszentrum für die gesamte Region.
Verkehr und Erreichbarkeit
Der Schwarzwald-Baar-Kreis ist verkehrsgünstig an die Bundesautobahn 81 (Stuttgart–Konstanz) angebunden. Die Anschlussstellen Villingen-Schwenningen (35), Tuningen (36) und das Dreieck Bad Dürrheim (37) erschließen den Kreis. Die A 81 ist die wichtigste Ost-West-Achse und verbindet den Kreis mit dem Wirtschaftsraum Stuttgart im Norden und dem Bodensee im Süden.
Im Schienenverkehr ist Villingen-Schwenningen ein wichtiger Knotenpunkt. Der Bahnhof Villingen liegt an der Schwarzwaldbahn (Offenburg–Singen) und ist Endpunkt der Bahnstrecke Rottweil–Villingen. Seit Dezember 2024 verkehrt ganzjährig ein ICE der Linie 26 (Köln–Konstanz) über Villingen-Schwenningen. Zuvor war der Bahnhof nur im Sommer 2023 erstmals ans ICE-Netz angebunden worden. Der RE 2 verbindet Villingen stündlich mit Karlsruhe und Konstanz. Die S10 der Breisgau-S-Bahn verbindet Villingen seit Dezember 2019 stündlich mit Freiburg im Breisgau über Donaueschingen. Der Ringzug erschließt die umliegenden Gemeinden.
Donaueschingen liegt an der Strecke der Höllentalbahn (Freiburg–Donaueschingen) und ist ebenfalls an das Regionalbahnnetz angebunden. Die B 33 durchquert den Kreis in Nord-Süd-Richtung und verbindet Villingen-Schwenningen mit dem Südschwarzwald.
Die Hochschule Furtwangen und die Hochschule für Polizei Baden-Württemberg (in Villingen-Schwenningen) sind die beiden Hochschulen im Kreisgebiet und tragen zur Bildungsinfrastruktur bei.
Entwicklung und Ausblick
Der Schwarzwald-Baar-Kreis steht vor mehreren Entwicklungsimpulsen. Die ganzjährige ICE-Anbindung Villingen-Schwenningens seit Dezember 2024 verbessert die Erreichbarkeit nach Köln und in den Süden erheblich und könnte die Attraktivität der Region für Pendler und Unternehmen steigern. Die Elektrifizierung der Bahnstrecke Rottweil–Villingen, die bis spätestens 2030 abgeschlossen sein soll, wird zusätzliche Direktverbindungen nach Stuttgart ermöglichen.
Das Schwarzwald-Baar Klinikum als einer der größten Arbeitgeber des Kreises expandiert weiter und ist mit dem neuen Zentralklinikum in Villingen-Schwenningen (2013 in Betrieb) ein modernes Versorgungsangebot. Der Intensiv-Transport-Hubschrauber Christoph 11 ist seit Oktober 2017 im 24-Stunden-Betrieb stationiert und das höchstgelegene Luftrettungszentrum Deutschlands.
Die demografische Entwicklung ist positiv: Der Kreis gewann zwischen 2015 und 2023 rund 9.100 Einwohner hinzu. Die Hochschule Furtwangen mit über 4.300 Studierenden und die Hochschule für Polizei ziehen junge Menschen in die Region. Bad Dürrheim als Kurort und Donaueschingen als Donauquellstadt mit ihrem tourismusorientierten Profil profitieren von der wachsenden Bedeutung des Schwarzwalds als Reiseziel.
Die innere Struktur des Kreises bleibt jedoch geprägt von deutlichen Unterschieden zwischen der belebten Baarhochmulde im Norden und den abgelegeneren Schwarzwaldgemeinden im Süden. Während Gemeinden wie Dauchingen, Bad Dürrheim und Königsfeld von der Nähe zu Villingen-Schwenningen und Donaueschingen profitieren, bleiben Orte wie Gütenbach und Schonach im Schwarzwald preislich und strukturell am unteren Ende des Spektrums.