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Lagefaktor
Kreis · Hessen

Lahn-Dill-Kreis

23 Orte mit zusammen 258.488 Einwohnern. Alle Kennzahlen als gewichteter Durchschnitt über die Gemeinden des Kreises.

Ø Bruttomietrendite
4,80 %
Bestwert 7,32 %
Ø Kaufpreis je m²
2.313 €
Ø Bruttomietrendite
4,80 %
Bestwert 7,32 %
Ø Miete
8,85 €/m²
Ø Kaufpreis
2.313 €/m²
Ø Prognos-Rang
#232
Zukunftsatlas, von 400

Lahn-Dill-Kreis: Industrie, Strukturwandel und eine starke innere Spreizung

Der Lahn-Dill-Kreis in Mittelhessen ist ein Strukturwandelkreis mit starker innerer Spreizung: Von 1.207 Euro pro Quadratmeter in Siegbach bis 3.606 Euro in Bischoffen. Prägende Faktoren sind die Friedhelm Loh Group (Haiger, 11.000 Mitarbeiter), die Optikindustrie in Wetzlar (Zeiss, Leica) und die A 45 als wichtige Verkehrsachse. Der Kreis liegt im Prognos-Zukunftsatlas auf Gesamtrang 232 von 400.

Marktüberblick und Einordnung

Der Lahn-Dill-Kreis liegt im Westen Mittelhessens an der Grenze zu Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz. Auf 1.066 Quadratkilometern leben rund 258.500 Menschen in 23 Gemeinden. Der Kreis ist der sechzehnt teuerste von 26 Kreisen in Hessen und liegt mit einem durchschnittlichen Kaufpreis von 2.313 Euro pro Quadratmeter knapp unter dem deutschen Durchschnitt von 2.409 Euro. Die durchschnittliche Mietpreis liegt bei 8,85 Euro pro Quadratmeter, knapp unter dem deutschen Mittel von 8,92 Euro. Die durchschnittliche Bruttomietrendite beträgt 4,8 Prozent.

Die Kaufpreise im Kreis reichen von 1.207 Euro pro Quadratmeter in Siegbach bis 3.606 Euro pro Quadratmeter in Bischoffen. Die Mietpreise variieren zwischen 7,36 Euro in Siegbach und 10,48 Euro in Wetzlar. Die Rendite-Spanne reicht von 2,87 Prozent in Bischoffen bis 7,32 Prozent in Siegbach. Der Kreis weist damit eine der größten Preisspreizungen in Hessen auf – ein Muster, das auf die starke innere Struktur des Kreises zurückzuführen ist.

Die Bevölkerung des Kreises ist seit 2015 leicht gewachsen, von 253.167 auf 258.488 Einwohner (2023). Der Prognos-Zukunftsatlas 2025 ordnet den Kreis auf Gesamtrang 232 von rund 400 deutschen Kreisen ein. Besonders schwach ist der Rang im Bereich Wohlstand und soziale Lage (Platz 284), während der Demografie-Rang mit 182 noch im Mittelfeld liegt. Der Dynamik-Rang liegt mit Platz 285 im unteren Drittel.

Innere Struktur und Preisgefälle

Der Lahn-Dill-Kreis ist kein homogener Markt. Die 23 Gemeinden des Kreises lassen sich in drei klar unterscheidbare Zonen gliedern.

Die erste Zone umfasst die Gemeinden im Süden und Südosten des Kreises, die direkt an Wetzlar angrenzen: Aßlar, Solms, Braunfels, Hüttenberg, Ehringshausen und Lahnau. Diese Gemeinden profitieren von der Nähe zur Kreisstadt und zum Agglomerationsraum Wetzlar-Gießen. Die Kaufpreise liegen hier zwischen 2.409 Euro (Leun) und 2.787 Euro (Solms), die Mieten zwischen 8,83 Euro (Leun) und 10,27 Euro (Lahnau). Die Renditen liegen bei 3,83 bis 4,59 Prozent. Diese Gemeinden sind typische Wohngemeinden für Pendler in den Wirtschaftsraum Wetzlar-Gießen.

Die zweite Zone bildet das industrielle Kerngebiet im Norden des Kreises: Wetzlar selbst, Haiger, Herborn und Dillenburg. Wetzlar als größte Gemeinde des Kreises (54.629 Einwohner) hat mit 3.123 Euro pro Quadratmeter die zweithöchsten Kaufpreise und mit 10,48 Euro die höchsten Mieten des Kreises. Haiger (19.599 Einwohner) liegt mit 2.793 Euro und 8,91 Euro Miete auf einem ähnlichen Niveau wie die Wetzlarer Umlandgemeinden, obwohl es weiter nördlich liegt – ein Hinweis auf die besondere wirtschaftliche Bedeutung Haigers als Standort der Friedhelm Loh Group. Herborn (21.142 Einwohner) hat mit 2.130 Euro und 9,21 Euro Miete moderate Kaufpreise bei vergleichsweise hoher Miete, was auf eine starke Mietnachfrage hindeutet. Dillenburg (23.533 Einwohner) liegt mit 2.138 Euro und 8,53 Euro Miete im unteren Mittelfeld.

Die dritte Zone umfasst die Gemeinden im Westen und Südwesten des Kreises: Greifenstein, Driedorf, Mittenaar, Breitscheid und Siegbach. Diese Gemeinden sind ländlich geprägt und liegen abseits der Hauptverkehrsachsen. Die Kaufpreise liegen hier zwischen 1.207 Euro (Siegbach) und 1.845 Euro (Breitscheid), die Mieten zwischen 7,36 Euro (Siegbach) und 8,75 Euro (Mittenaar). Die Renditen sind mit 5,05 bis 7,32 Prozent die höchsten im Kreis. Siegbach, die kleinste Gemeinde des Kreises mit nur 2.530 Einwohnern, hat gleichzeitig die niedrigsten Kaufpreise und die höchste Rendite.

Ein besonderer Ausreißer ist Bischoffen (3.335 Einwohner) mit den höchsten Kaufpreisen des Kreises (3.606 Euro) und dem höchsten Preisfaktor (34,8), aber der niedrigsten Rendite (2,87 Prozent). Die Gemeinde liegt im Süden des Kreises und profitiert von der Nähe zum Aartalsee, einem der größten Baggerseen Hessens, was den Preis antreibt.

Die geografische Achse der höchsten Preise verläuft von Wetzlar im Südosten über Haiger im Norden nach Bischoffen im Süden. Die günstigsten Gemeinden liegen im Westen und Nordwesten des Kreises, insbesondere in den Gemeinden Greifenstein, Driedorf und Siegbach.

Wirtschaft und Arbeitsmarkt

Die Wirtschaft des Lahn-Dill-Kreises ist durch eine lange Tradition der Metallverarbeitung und des Bergbaus geprägt. Das Lahn-Dill-Gebiet war in den 1870er Jahren eines der wichtigsten Erzreviere und bedeutendsten Standorte der eisenerzeugenden und -verarbeitenden Industrie des Deutschen Reiches. Die Region wurde als „Hessisches Eisenland“ bezeichnet. Heute hat sich die ehemalige Eisengießereiregion zum bedeutenden europäischen Standort des Formenbaus, Werkzeugbaus, technischen Modell- und Spezialmaschinenbaus sowie der Kunststoffverarbeitung entwickelt.

Größter Arbeitgeber des Kreises ist die Friedhelm Loh Group mit Hauptsitz in Haiger. Die familiengeführte Holding umfasst rund 95 Tochtergesellschaften und beschäftigte 2023 rund 11.025 Mitarbeiter bei einem Konzernumsatz von 3.024,1 Mio. Euro. Wichtige Beteiligungen sind Rittal (Herborn), einer der weltweit führenden Systemanbieter für Schaltschränke, Schaltschrankklimatisierung und IT-Infrastruktur für Rechenzentren, EPLAN (Engineering-Software), STAHLO (Stahlservice mit Standort Dillenburg) und LKH (Kunststoffbaugruppen). Die wirtschaftliche Bedeutung dieses einen Unternehmens für den Kreis ist erheblich: Haiger profitiert direkt von der Präsenz der Friedhelm Loh Group, was sich in den überdurchschnittlichen Kaufpreisen (2.793 Euro pro Quadratmeter) und der hohen Mietnachfrage (8,91 Euro) niederschlägt.

In Wetzlar sind weitere bedeutende Arbeitgeber ansässig: Buderus Edelstahl mit rund 1.200 Mitarbeitern, Carl Zeiss Sports Optics (ehemals Hensoldt AG) und die Leica Camera AG. Die Optik- und Feinmechanikindustrie hat in Wetzlar eine über 150-jährige Tradition und prägt das Image der Stadt als „Stadt der Optik". Die ehemalige Buderus Heiztechnik GmbH firmiert heute als Bosch-Thermotechnik GmbH und gehört zur Robert Bosch GmbH.

Nach Angaben der IHK Lahn-Dill finden 40 Prozent der 121.760 sozialversicherungspflichtig Beschäftigten im Kammerbezirk in der Industrie ihren Arbeitsplatz. Industriebetriebe mit mehr als 50 Beschäftigten boten im Jahresdurchschnitt 2023 rund 32.481 Arbeitsplätze. Der Exportanteil dieser Betriebe beträgt 43 Prozent, der Gesamtumsatz liegt bei 9,1 Mrd. Euro. Der Dienstleistungssektor ist mit 45.458 Beschäftigten der zweitwichtigste Arbeitgeber.

Der Strukturwandel von der traditionellen Eisenindustrie hin zu hochspezialisierten Fertigungs- und Softwareunternehmen ist ein bestimmendes Merkmal des Kreises. Die Friedhelm Loh Group ist dabei das prominenteste Beispiel für diesen Wandel: Aus einer kleinen Metallwarenfabrik in Haiger ist ein internationaler Technologiekonzern geworden.

Verkehr und Erreichbarkeit

Der Lahn-Dill-Kreis ist durch die A 45 (Sauerlandlinie) hervorragend an das überregionale Straßennetz angebunden. Die Autobahn durchquert den nördlichen Teil des Kreises und bietet sechs Anschlüsse: Haiger/Burbach (Ausfahrt 24), Dillenburg (Ausfahrt 25), Herborn-West (Ausfahrt 26), Herborn-Süd (Ausfahrt 27), Ehringshausen (Ausfahrt 28) und Wetzlar-Ost (Ausfahrt 30). Der Ausbauabschnitt Westhofener Kreuz bis Gambacher Kreuz ist bis 2035 geplant, wobei der Abschnitt durch den Lahn-Dill-Kreis auf bis zu 6-streifig ausgebaut werden soll. Dies verbessert die Anbindung an die Ballungsräume Dortmund, Siegen und Gießen.

Die B 277 verbindet Dillenburg über Herborn und Wetzlar mit dem südlichen Kreisgebiet. Sie verläuft parallel zur Dill und erschließt die Talgemeinden des Kreises.

Wetzlar und Dillenburg sind Bahnstationen an der Main-Weser-Bahn bzw. der Dillstrecke. Wetzlar bietet Fern- und Regionalverkehr nach Frankfurt, Kassel und Gießen. Dillenburg ist Endpunkt der Dillstrecke nach Siegen. Herborn hat zwei Anschlüsse an die A 45 (Herborn-West und Herborn-Süd) und ist über die B 277 an das überregionale Straßennetz angebunden.

Der Agglomerationsraum Wetzlar-Gießen mit etwa 200.000 Einwohnern bietet den Bewohnern des Kreises eine städtische Infrastruktur in unmittelbarer Nähe. Gießen liegt etwa zehn Kilometer östlich von Wetzlar und ist Universitätsstadt mit Justus-Liebig-Universität.

Die Theologische Hochschule Ewersbach in Dietzhölztal ist die einzige Hochschule im Lahn-Dill-Kreis. Für eine höhere Ausbildung müssen die Bewohner auf die Universitäten in Gießen, Marburg, Siegen oder Frankfurt zurückgreifen.

Entwicklung und Ausblick

Der Lahn-Dill-Kreis liegt zum großen Teil im Naturpark Lahn-Dill-Bergland. Der Rothaarsteig, ein 154 Kilometer langer Fernwanderweg, verbindet das Sauerland, das Siegerland und das Lahn-Dill-Bergland. Schloss Braunfels, eine historische Burg auf einer Basaltkuppe, ist ein bedeutendes touristisches Ziel im Luftkurort Braunfels. Der Aartalsee bei Bischoffen ist einer der größten Baggerseen Hessens und zieht Besucher aus der Region an.

Die Lahn und die Dill durchfließen den Kreis in landschaftsprägenden Tälern. Die Lahn verläuft ab Wetzlar in Ost-West-Richtung durch das Kreisgebiet und bietet Möglichkeiten für Wassersport und Radwandern. Der Dillradweg erschließt das Dilltal von der Quelle bis zur Mündung in die Lahn.

Im Prognos-Zukunftsatlas 2025 belegt der Lahn-Dill-Kreis Gesamtrang 232 von rund 400 deutschen Kreisen. Besonders schwach ist der Rang im Bereich Wohlstand und soziale Lage (Platz 284), was auf die strukturellen Herausforderungen des ländlichen Raums im Westen des Kreises hindeutet. Der Dynamik-Rang mit Platz 285 liegt im unteren Drittel, was die transformative Kraft des Strukturwandels von der traditionellen Industrie hin zu hochspezialisierten Technologieunternehmen noch nicht vollständig widerspiegelt.

Die Kaufpreisentwicklung im Kreis zeigt seit 2018 einen deutlichen Anstieg: Von 1.915 Euro (2018) auf 2.652 Euro (2025, geschätzt). Die Mietpreise stiegen von 6,72 Euro (2018) auf 9,33 Euro (2025, geschätzt). Die Zeitreihen enthalten für die Jahre 2025 und 2026 geschätzte Werte. Die Bevölkerungsentwicklung ist leicht positiv: Von 253.167 (2015) auf 258.488 (2023).

Mietpreisentwicklung im Kreis

Nach Einwohnern gewichteter Mittelwert aller Orte, €/m²

Datenwerte als Tabelle
Datenwerte des Diagramms
JahrWert (€/m²)
20186,72 €/m²
20197,27 €/m²
20207,27 €/m²
20217,88 €/m²
20228,00 €/m²
20238,66 €/m²
20249,15 €/m²
20259,33 €/m²
20269,60 €/m²

Kaufpreisentwicklung im Kreis

Nach Einwohnern gewichteter Mittelwert aller Orte, €/m²

Datenwerte als Tabelle
Datenwerte des Diagramms
JahrWert (€/m²)
20181.915 €/m²
20192.148 €/m²
20202.293 €/m²
20212.204 €/m²
20222.488 €/m²
20232.364 €/m²
20242.348 €/m²
20252.652 €/m²
20262.350 €/m²

Bruttomietrendite im Zeitverlauf

Aus den aggregierten Miet- und Kaufpreisen des Kreises berechnet

Datenwerte als Tabelle
Datenwerte des Diagramms
JahrWert (%)
20184,21 %
20194,06 %
20203,80 %
20214,29 %
20223,86 %
20234,40 %
20244,67 %
20254,22 %
20264,90 %

Bevölkerungsentwicklung im Kreis

Summe aller Orte

Datenwerte als Tabelle
Datenwerte des Diagramms
JahrWert (Einwohner)
2015253.167 Einwohner
2016254.074 Einwohner
2017254.164 Einwohner
2018253.777 Einwohner
2019253.319 Einwohner
2020253.373 Einwohner
2021253.364 Einwohner
2022257.289 Einwohner
2023258.488 Einwohner
2024258.488 Einwohner

Renditeverteilung im Kreis

Anzahl Orte je 1-Prozent-Band

Datenwerte als Tabelle
Datenwerte des Diagramms
KategorieWert (Orte)
2–31,00 Orte
3–42,00 Orte
4–514,00 Orte
5–64,00 Orte
7–82,00 Orte

Top 10 Orte nach Rendite

Bruttomietrendite im Kreis Lahn-Dill-Kreis, ohne Ausreißer über 15 %

Datenwerte als Tabelle
Datenwerte des Diagramms
KategorieWert (%)
Siegbach7,32 %
Greifenstein7,23 %
Driedorf5,90 %
Mittenaar5,87 %
Herborn, Stadt5,19 %
Breitscheid5,05 %
Dietzhölztal4,87 %
Eschenburg4,83 %
Hüttenberg4,82 %
Dillenburg, Oranienstadt4,79 %

Alle Orte im Kreis

23 Orte — Spaltenkopf klicken zum Sortieren

Orte im Kreis Lahn-Dill-Kreis
Siegbach357682.5307,36 €1.207 €7,32 %13,7
Greifenstein357536.5638,34 €1.384 €7,23 %13,8
Driedorf357595.1628,24 €1.674 €5,90 %16,9
Mittenaar357564.8158,75 €1.788 €5,87 %17,0
Herborn, Stadt3574521.1429,21 €2.130 €5,19 %19,3
Breitscheid357674.7087,77 €1.845 €5,05 %19,8
Dietzhölztal357165.6227,54 €1.859 €4,87 %20,5
Eschenburg3571310.0437,95 €1.976 €4,83 %20,7
Hüttenberg3562510.9689,83 €2.448 €4,82 %20,8
Dillenburg, Oranienstadt3568323.5338,53 €2.138 €4,79 %20,9
Sinn357646.5749,16 €2.317 €4,74 %21,1
Lahnau356338.31210,27 €2.683 €4,59 %21,8
Ehringshausen356309.5918,78 €2.314 €4,55 %22,0
Schöffengrund356416.5979,34 €2.519 €4,45 %22,5
Braunfels, Stadt3561911.1679,51 €2.591 €4,41 %22,7
Leun, Stadt356385.8478,83 €2.409 €4,40 %22,7
Waldsolms356474.8928,84 €2.446 €4,34 %23,1
Aßlar, Stadt3561414.0439,74 €2.717 €4,30 %23,2
Hohenahr356444.8988,22 €2.442 €4,04 %24,8
Wetzlar, Stadt3557854.62910,48 €3.123 €4,03 %24,8
Solms, Stadt3560613.9219,22 €2.787 €3,97 %25,2
Haiger, Stadt3570819.5968,91 €2.793 €3,83 %26,1
Bischoffen356493.3358,63 €3.606 €2,87 %34,8