Marktüberblick und Einordnung
Der Landkreis Rastatt liegt im Westen Baden-Württembergs, gehört zur Verband Region Karlsruhe und hat 23 Gemeinden mit insgesamt 235.542 Einwohnern auf 738,4 km². Die Bevölkerungsdichte von 319 Einwohnern je km² liegt deutlich über dem Bundesdurchschnitt, was die Lage in der Oberrheinischen Tiefebene erklärt.
Der mittlere Kaufpreis liegt bei 2.908,78 EUR/m² und damit knapp unter dem baden-württembergischen Landesdurchschnitt von 3.140,3 EUR/m². Im Landesvergleich belegt Rastatt Rang 29 von 44 Kreisen – also im unteren Mittelfeld. Im bundesweiten Vergleich mit rund 386 Kreisen liegt der Wert jedoch deutlich über dem deutschen Durchschnitt von 2.408,8 EUR/m². Die Mietpreise liegen bei durchschnittlich 10,97 EUR/m² (Landesdurchschnitt: 11,08 EUR/m²). Die Bruttomietrendite beträgt 4,65 % und liegt damit über dem Landesdurchschnitt von 4,36 %.
Die Zeitreihe zeigt einen deutlichen Anstieg der Mietpreise von 8,25 EUR/m² (2018) auf 11,20 EUR/m² (2025, geschätzt). Die Kaufpreise stiegen von 2.460 EUR/m² (2018) auf 3.103 EUR/m² (2025, geschätzt), mit einem Einbruch 2022 bis 2024 auf rund 2.919 EUR/m². Die Bevölkerung wuchs von 227.474 (2015) auf 235.542 (2023), also um rund 8.000 Einwohner in acht Jahren – ein deutliches Wachstum für einen ländlich geprägten Kreis.
Der Prognos-Zukunftsatlas 2025 ordnet den Kreis auf Gesamtrang 79 von rund 400 deutschen Kreisen ein. Das ist ein solides Ergebnis. Im Index Dynamik liegt Rastatt jedoch auf Rang 372, was auf eine eher verhaltene Entwicklungspotenzial-Einschätzung hindeutet. Im Index Stärke erreicht der Kreis Rang 38 – ein sehr gutes Ergebnis, das auf die robuste Wirtschaftsstruktur verweist.
Innere Struktur: Teuer, günstig und dazwischen
Die Kaufpreise im Kreis Rastatt weisen eine enorme Spreizung auf: Von 1.649 EUR/m² in Forbach bis 3.842 EUR/m² in Bietigheim – ein Faktor von mehr als 2,3. Der Median liegt bei 3.023 EUR/m², knapp über dem Kreismittel von 2.908,78 EUR/m². Die Mietpreise reichen von 8,76 EUR/m² in Forbach bis 12,35 EUR/m² in Bietigheim. Die Renditen variieren von 3,58 % in Iffezheim bis 6,53 % in Weisenbach.
Die teuersten Gemeinden liegen im Süden des Kreises, direkt an der Grenze zum Stadtkreis Baden-Baden: Bietigheim (3.842 EUR/m², 6.621 Einwohner), Au am Rhein (3.471 EUR/m², 3.490 Einwohner), Iffezheim (3.426 EUR/m², 5.291 Einwohner). Diese Gemeinden profitieren von der Nähe zu Baden-Baden als Tourismus- und Wohnstandort. Auch Bischweier (3.235 EUR/m²) und die Stadt Bühl (3.198 EUR/m²) liegen im oberen Preissegment.
Im Norden und Westen des Kreises, im Umfeld der Kreisstadt Rastatt, liegen weitere Gemeinden mit Kaufpreisen um 3.000 bis 3.200 EUR/m²: Rastatt selbst (3.141 EUR/m², 51.800 Einwohner), Gaggenau (2.915 EUR/m², 30.190 Einwohner), Gernsbach (3.046 EUR/m², 14.438 Einwohner), Durmersheim (2.965 EUR/m², 12.142 Einwohner) und Sinzheim (3.162 EUR/m², 11.610 Einwohner). Diese Gemeinden bilden den wirtschaftlichen Kern des Kreises.
Die günstigsten Gemeinden liegen im Osten, im Nordschwarzwald: Forbach (1.649 EUR/m², 4.610 Einwohner), Weisenbach (1.846 EUR/m², 2.482 Einwohner) und Loffenau (2.045 EUR/m², 2.535 Einwohner). Diese Gemeinden sind starkwaldig, dünn besiedelt und weit von den wirtschaftlichen Zentren entfernt. Forbach ist mit über 90 % Wald bedeckt und hat Anteil am Nationalpark Schwarzwald.
Ein deutliches Preisgefälle ist entlang der Achse Rheinebene–Schwarzwald erkennbar. Die Gemeinden in der Oberrheinischen Tiefebene und im Vorberggebiet sind deutlich teurer als die Gemeinden im inneren Murgtal des Nordschwarzwalds.
Wirtschaft und Arbeitsmarkt
Der Landkreis Rastatt ist geprägt von der Automobilindustrie. Größter Arbeitgeber ist die Daimler AG (Mercedes-Benz) mit großen Werken in Rastatt und Gaggenau, die zusammen etwa 13.000 Beschäftigte haben. Das Mercedes-Benz-Werk Rastatt ist seit 1992 Produktionsstandort. Das Daimler-Werk Gaggenau baute von 1951 bis 2002 den Unimog, bevor die Produktion nach Wörth am Rhein verlegt wurde. Gaggenau ist seit 1971 Große Kreisstadt.
Gernsbach, der historische Hauptort des unteren Murgtals, ist ein Zentrum der Papierindustrie. Die Stadt ist Portalgemeinde des Naturparks Schwarzwald Mitte/Nord und eine Wohngemeinde mit Auspendlerüberschuss. Mehr als 80 % der Gemarkungsfläche sind Wald. Die Murgschifferschaft, eine Genossenschaft der Holzhändler und Sägewerksbesitzer, steht seit 1488 im Zentrum des Gernsbacher Wirtschaftslebens.
Der Kreis gehört zum Verband Region Karlsruhe, in der Karlsruhe das Oberzentrum ist. Rastatt bildet ein Mittelzentrum für die umliegenden Gemeinden: Au am Rhein, Bietigheim, Bischweier, Durmersheim, Elchesheim-Illingen, Iffezheim, Kuppenheim, Muggensturm, Ötigheim und Steinmauern. Gaggenau bildet mit Gernsbach ein Mittelzentrum der Region Karlsruhe; der Mittelbereich Gaggenau/Gernsbach umfasst 53.766 Einwohner (2020).
Die Struktur des Kreises ist damit dual geprägt: Im Westen und Zentrum dominiert die Automobilindustrie mit den Mercedes-Benz-Werken, während im Osten das Murgtal des Nordschwarzwalds von Forstwirtschaft, Tourismus und der Papierindustrie geprägt ist. Forbach als flächengrößte Gemeinde (131,86 km²) ist zu über 90 % bewaldet und hat Anteil am 2014 eingerichteten Nationalpark Schwarzwald.
Der Prognos-Rang 79 von rund 400 Kreisen im Gesamtrang und Rang 38 im Index Stärke unterstreichen die robuste Wirtschaftsstruktur. Der niedrige Rang 372 im Dynamik-Index deutet jedoch auf eher verhaltene Zukunftserwartungen hin.
Verkehr und Erreichbarkeit
Der Landkreis Rastatt ist verkehrsgünstig gelegen. Rastatt liegt an der Rheintalbahn (Bahnstrecke Mannheim–Basel), einer der wichtigsten Fernbahnstrecken Deutschlands, mit ICE-Halt. Die S2 der Stadtbahn Karlsruhe verbindet Rastatt und Durmersheim mit Karlsruhe und Baden-Baden. Die S6 der Stadtbahn Karlsruhe führt ebenfalls nach Rastatt. Die Murgtalbahn (Linien S81 und S8) verbindet Rastatt über Gaggenau und Gernsbach mit Freudenstadt im Nordschwarzwald.
Im Straßennetz treffen in Rastatt die Bundesstraße 3 und die B 36 aufeinander. Die B 462 (Schwarzwald-Tälerstraße) verbindet Rastatt mit Freudenstadt durch das Murgtal. Die Autobahn A5 (Karlsruhe–Basel) verläuft westlich des Kreises entlang des Rheins, die A8 (Karlsruhe–Stuttgart) berührt den nördlichen Teil des Kreises.
Die Lage an der Rheintalbahn und die Anbindung an das Karlsruher Stadtbahnnetz – das als Karlsruher Modell bekannt ist und Straßenbahn- und Eisenbahnstrecken verbindet – machen den Kreis für Pendler nach Karlsruhe und Baden-Baden attraktiv. Die Nähe zum Elsass (Frankreich) im Westen und zu Rheinland-Pfalz im Norden bietet zusätzliche regionale Verflechtungen.
Die Gemeinden im Murgtal des Nordschwarzwalds (Forbach, Weisenbach, Loffenau) sind dagegen abgelegener und nur über die B 462 oder die Murgtalbahn erschlossen. Dies erklärt auch die deutlich niedrigeren Immobilienpreise in diesen Gemeinden.
Entwicklung und Ausblick
Der Landkreis Rastatt hat in den letzten Jahren ein deutliches Bevölkerungswachstum verzeichnet: Von 227.474 Einwohnern (2015) auf 235.542 (2023), ein Plus von rund 8.000 in acht Jahren. Dies entspricht einer jährlichen Wachstumsrate von etwa 0,4 %, was für einen ländlich geprägten Kreis überdurchschnittlich ist.
Die Mietpreise sind von 8,25 EUR/m² (2018) auf 11,20 EUR/m² (2025, geschätzt) gestiegen, ein Anstieg von rund 36 % in sieben Jahren. Die Kaufpreise stiegen von 2.460 EUR/m² (2018) auf 3.103 EUR/m² (2025, geschätzt), mit einem Einbruch 2022 bis 2024 auf rund 2.919 EUR/m². Die Zeitreihen für 2025 und 2026 enthalten geschätzte Werte.
Die innere Struktur des Kreises zeigt ein klares Muster: Die Gemeinden im Süden und Westen, nah an Baden-Baden und der Oberrheinischen Tiefebene, sind die teuersten. Die Gemeinden im Osten, im Nordschwarzwald, sind die günstigsten. Dieses Muster wird sich wahrscheinlich langfristig erhalten, da es durch die geografische Lage und die wirtschaftliche Struktur begründet ist.
Die Abhängigkeit von der Automobilindustrie, repräsentiert durch die rund 13.000 Beschäftigten bei Daimler/Mercedes-Benz, ist sowohl Stärke als auch Risiko des Kreises. Der Prognos-Index Dynamik auf Rang 372 von rund 400 Kreisen deutet auf verhaltene Zukunftserwartungen hin, was im Kontext des Strukturwandels in der Automobilindustrie zu beachten ist.