Marktüberblick und Einordnung
Der Landkreis Böblingen liegt im Südwesten Baden-Württembergs, gehört zur Verband Region Stuttgart und hat 401.318 Einwohner auf 617,8 km². Mit 26 Gemeinden, darunter vier Große Kreisstädte (Sindelfingen, Böblingen, Leonberg, Herrenberg), ist er der siebtgrößte Landkreis des Landes. Der Kreis weist das höchste Durchschnittseinkommen aller baden-württembergischen Stadt- und Landkreise auf und belegt im Prognos-Zukunftsatlas 2025 den 5. Platz von rund 400 deutschen Kreisen – mit den Spitzenwerten Rang 4 bei Wettbewerb und Innovation und Rang 6 bei Arbeitsmarkt. Der mittlere Kaufpreis liegt bei 4.143,50 €/m², was den Kreis auf Rang 7 von 44 baden-württembergischen Kreisen platziert. Die Miete beträgt durchschnittlich 13,80 €/m², die Bruttorendite liegt bei 4,03 %. Die Bevölkerung wuchs von 381.281 (2015) auf 401.318 (2023) – ein deutlicher Zuwachs in einer Zeit, in der viele ländliche Kreise schrumpfen.
Innere Struktur und Preisgefälle
Die Immobilienpreise im Kreis Böblingen weisen eine deutliche innere Struktur auf. Der Kaufpreis reicht von 3.347 €/m² in Weil der Stadt im Westen bis 4.810 €/m² in Deckenpfronn im Süden. Die teuersten Gemeinden sind Deckenpfronn (3.486 Einw., 4.810 €/m²), Hildrizhausen (3.676 Einw., 4.721 €/m²), Waldenbuch (8.796 Einw., 4.652 €/m²), Holzgerlingen (13.841 Einw., 4.650 €/m²) und Renningen (18.655 Einw., 4.642 €/m²). Diese liegen allesamt im Süden und Südwesten des Kreises, teils am Rand des Schönbuchs, teils in unmittelbarer Nähe zu Stuttgart. Die günstigsten Gemeinden sind Weil der Stadt (3.347 €/m²), Mötzingen (3.433 €/m²), Steinenbronn (3.436 €/m²), Jettingen (3.437 €/m²) und Gäufelden (3.521 €/m²) – durchweg Gemeinden im Westen und Nordwesten des Kreises, weiter von Stuttgart entfernt.
Die Miete zeigt ein ähnliches Bild: Sindelfingen führt mit 16,44 €/m², gefolgt von Böblingen (16,09 €/m²) und Leonberg (15,31 €/m²). Die niedrigsten Mietwerte finden sich in Mötzingen, Bondorf und Jettingen mit jeweils rund 12 €/m².
Die Rendite-Spreizung ist beträchtlich: Von 3,04 % in Deckenpfronn bis 4,71 % in Weil der Stadt und Steinenbronn. Die teuersten Gemeinden bieten die niedrigsten Renditen, die günstigeren Gemeinden im Westen des Kreises die höchsten. Die drei größten Städte – Sindelfingen, Böblingen und Leonberg – liegen mit Kaufpreisen zwischen 3.955 und 4.283 €/m² und Renditen um 4,6 % im mittleren bis unteren Preissegment des Kreises.
Die Zeitreihen zeigen einen klaren Verlauf: Die Miete stieg von 11,56 €/m² (2018) auf 14,68 €/m² (2024). Der Kaufpreis erreichte 2021 mit 4.592 €/m² einen Höhepunkt, fiel dann auf 4.041 €/m² (2023) und liegt 2024 bei 4.157 €/m². Die Prognose für 2026 zeigt einen weiteren Rückgang auf 3.841 €/m².
Wirtschaft und Arbeitsmarkt
Die Wirtschaft des Landkreises Böblingen ist maßgeblich von der Automobilindustrie geprägt. Das Mercedes-Benz-Werk Sindelfingen ist das Stammwerk und größte Entwicklungswerk von Mercedes-Benz Cars. Mit rund 35.000 Mitarbeitern (Stand 2017), einer Gesamtfläche von über 2,9 km² und der Produktion von rund 300.000 Fahrzeugen jährlich gehört es zu den drittgrößten Fabrikanlagen Deutschlands. Im Werk werden die S-Klasse, E-Klasse, CLS, GLC und das Elektrofahrzeug EQS gefertigt. Die Factory 56, eine 2020 eröffnete voll digitalisierte und CO₂-neutrale Produktionshalle, markiert den Übergang zur Elektromobilität.
Darüber hinaus hat sich das Unternehmen Momenta Europe mit Sitz in Böblingen als Akteur im Bereich autonomes Fahren angesiedelt. Die Nähe zu Stuttgart als Sitz von Daimler, Bosch und zahlreichen Zulieferern schafft ein dichtes Netzwerk der Automobilzulieferindustrie.
Der Landkreis weist das höchste Durchschnittseinkommen aller baden-württembergischen Kreise auf. Die Arbeitsmarktposition ist exzellent: Rang 6 im Prognos-Zukunftsatlas 2025 im Bereich Arbeitsmarkt. Der Klinikverbund Südwest ist mit rund 5.000 Mitarbeitern an fünf Standorten einer der größten kommunalen Gesundheitskonzerne im Südwesten und sichert die medizinische Versorgung von etwa 550.000 Menschen. Das Klinikum Sindelfingen-Böblingen umfasst 710 Betten und ist akademisches Lehrkrankenhaus der Universität Tübingen.
Die Bevölkerungsentwicklung ist positiv: Von 381.281 (2015) auf 401.318 (2023). Der Kreis gehört zu den wenigen in Baden-Württemberg mit positiver Geburtenbilanz.
Verkehr und Erreichbarkeit
Die Verkehrsanbindung des Landkreises Böblingen ist durch die Lage im Stuttgarter Umland geprägt. Der Bahnhof Böblingen ist ein Eisenbahnknotenpunkt mit fünf Bahnsteigkanten und wird von 31.600 Reisenden täglich genutzt (Stand 2015). An diesem Knotenpunkt kreuzen sich die Gäubahn (Stuttgart–Horb), die Rankbachbahn (nach Renningen) und die Schönbuchbahn (nach Dettenhausen). Bedient wird der Bahnhof von den S-Bahn-Linien S1 (15-Minuten-Takt in der Hauptverkehrszeit), S60 (30-Minuten-Takt) und der Regionalbahn RB46. Die S5 soll ab Ende 2025 im 30-Minuten-Takt bis nach Böblingen verlängert werden.
Die Autobahnanbindung erfolgt über die A 8 (Karlsruhe–Stuttgart) und die A 81 (Heilbronn–Singen). Der Abschnitt zwischen Böblingen und Sindelfingen ist doppelt belastet, da hier A 8 und A 81 streckengleich verlaufen. Die Verkehrsbelastung liegt bei 100.000 bis 150.000 Kfz pro Tag. Das Projekt Lärmschutzdeckel Böblingen/Sindelfingen schafft einen 850 m langen Autobahntunnel mit Baukosten von 360 Millionen Euro. Der Bau begann 2021, die Fertigstellung ist für 2026 geplant. Der Ausbau umfasst insgesamt 7,2 km Strecke vom Autobahnkreuz Stuttgart bis Böblingen-Hulb.
Der Flughafen Stuttgart liegt in unmittelbarer Nachbarschaft im Landkreis Esslingen. Die S-Bahn-Linie S2 verbindet den Raum Böblingen/Sindelfingen direkt mit dem Flughafen.
Entwicklung und Ausblick
Mehrere große Projekte prägen die Zukunft des Landkreises Böblingen. Das größte Vorhaben ist der neue zentrale Klinikstandort auf dem Flugfeld Böblingen-Sindelfingen. Auf der Fläche des ehemaligen Böblinger Flugplatzes entsteht seit 2020 ein interkommunaler Stadtteil, der das Klinikum Sindelfingen-Böblingen ersetzen soll. Die Eröffnung ist für etwa 2025 geplant. Das Projekt umfasst neben dem Krankenhaus auch Wohn- und Gewerbeflächen und wird durch den Zweckverband Flugfeld Böblingen-Sindelfingen getragen.
Parallel dazu wird der Lärmschutzdeckel der A 81 zwischen Böblingen und Sindelfingen errichtet (Fertigstellung 2026). Dieser 850 m lange Tunnel soll die Lebensqualität der Anwohner deutlich verbessern und den Autobahnausbau auf sechs Spuren ermöglichen.
Im Schienenverkehr ist der Digitale Knoten Stuttgart ein zentrales Projekt. Der Bahnhof Böblingen ist Teil des Planbereichs 1, dessen Baubeginn 2027 und Inbetriebnahme 2030 geplant ist. Damit einher geht die Verlängerung der S5 bis Böblingen (ab Ende 2025) und der Ausbau der Rankbachbahn-Brücke, die im April 2023 neu in Betrieb ging.
Die wirtschaftliche Struktur des Kreises steht vor dem Wandel der Automobilindustrie. Das Mercedes-Benz-Werk Sindelfingen hat mit der Factory 56 und der Produktion des EQS den Weg zur Elektromobilität eingeschlagen. Die Ansiedlung von Momenta Europe in Böblingen unterstreicht die Ausrichtung auf zukunftsorientierte Technologien wie autonomes Fahren.