Marktüberblick und Einordnung
Der Landkreis Deggendorf liegt im Zentrum des Regierungsbezirks Niederbayern und umfasst 26 Gemeinden auf 861,2 km². Mit 123.129 Einwohnern (2023) ist er ein mittelgroßer Kreis, der durch die Donau in zwei völlig unterschiedliche Landschaftsräume getrennt wird: links der Donau die bewaldeten Ausläufer des Bayerischen Waldes, rechts die fruchtbaren Ebenen des Gäubodens. Die Isar mündet im Stadtgebiet Deggendorfs in die Donau.
Der Immobilienmarkt spiegelt diese regionale Lage wider: Mit einem durchschnittlichen Kaufpreis von 2.654 EUR/m² liegt der Kreis auf Rang 57 von 82 bayerischen Kreisen – unter dem Bayern-Durchschnitt von 3.246 EUR/m², aber deutlich über dem Deutschland-Durchschnitt von 2.408 EUR/m². Die angebotene Miet liegt bei durchschnittlich 8,65 EUR/m², die Bruttomietrendite bei 4,2%. Die Bevölkerung wuchs in den letzten acht Jahren um rund 6.500 Einwohner (von 116.596 auf 123.129), was auf eine positive Entwicklung hindeutet.
Der Prognos-Zukunftsatlas 2025 ordnet den Kreis auf Rang 61 von rund 400 deutschen Kreisen (Gesamt), Rang 50 in der Dynamik und Rang 81 in der Stärke. Der Wohlstandsindex liegt mit Rang 115 deutlich schwächer, was die wirtschaftliche Struktur des Kreises widerspiegelt.
Innere Struktur und Preisgefälle
Die Spreizung innerhalb des Kreises ist erheblich. Die Kaufpreise reichen von 940 EUR/m² in Hunding bis 3.984 EUR/m² in Stephansposching – ein Faktor von über vier. Die Mietpreise variieren zwischen 7,48 EUR/m² in Buchhofen und 11,02 EUR/m² in Deggendorf GKSt. Die Bruttomietrendite reicht von 2,74% in Stephansposching bis 10,92% in Hunding.
Die teuersten Gemeinden liegen im Süden und Südwesten des Kreises, entlang der Donau und in der Nähe der Oberzentren. Stephansposching (3.984 EUR/m²) liegt südlich von Deggendorf und profitiert von der Nähe zur Großen Kreisstadt. Die Stadt Deggendorf selbst (GKSt) liegt mit 3.809 EUR/m² auf Platz zwei, gefolgt von Iggensbach (3.285 EUR/m²), Plattling (3.268 EUR/m²) und Metten (3.252 EUR/m²). Diese Gemeinden bilden einen zusammenhängenden Siedlungskorridor entlang der Donau.
Die günstigsten Gemeinden finden sich im Norden und Osten des Kreises, in den ländlichen Räumen jenseits der Donau. Hunding (940 EUR/m²) und Schaufling (1.474 EUR/m²) liegen im nördlichen Teil des Kreises, entfernt von den Oberzentren. Auch Gemeinden im Osten wie Buchhofen (2.119 EUR/m²) und Wallerfing (2.188 EUR/m²) weisen deutlich niedrigere Preise auf.
Ein klares Muster zeigt sich: Die Gemeinden entlang der Donauachse – von Plattling über Deggendorf bis nach Metten und Stephansposching – bilden ein teures Band, während die ländlichen Gemeinden im Norden und Osten des Kreises deutlich unter dem Durchschnitt liegen. Die drei Städte Deggendorf, Plattling und Osterhofen bilden das Oberzentrum, wobei Deggendorf und Plattling an zwei Stellen miteinander verwachsen sind.
Wirtschaft und Arbeitsmarkt
Die Wirtschaft des Landkreises wird von einigen wenigen großen Arbeitgebern und der Logistik geprägt. In Plattling betreibt die Südzucker AG seit 1960 ein Werk, das zu den bedeutendsten Industriebetrieben im Kreis gehört. Ebenfalls in Plattling ansässig sind die MD Papierfabriken Heinrich Nicolaus GmbH, deren Niederlassung seit 1982 besteht. Plattling wurde im 19. Jahrhundert durch den Eisenbahnbau zur Eisenbahnerstadt und entwickelte sich durch die günstige Verkehrslage zu einem Industriestandort.
Der Hafen Deggendorf im Ortsteil Deggenau ist ein bedeutender Frachthafen an der Donau mit 55 Hektar Gesamtfläche. 2017 wurden 235.537 Tonnen Umschlag erzielt. Der Hafen betreibt ein eigenes Eisenbahnverkehrsunternehmen mit 5,2 km Gleisanlagen und ist an das Netz der Deutschen Bahn angeschlossen. Von 2002 bis 2016 war Deggendorf nach Duisburg der zweite deutsche Freihafen, was die logistische Bedeutung unterstreicht. Auch wenn der Freihafenstatus 2016 entfiel, bleibt der Hafen ein wichtiger Wirtschaftsfaktor.
Ein weiterer wichtiger Wirtschaftsfaktor ist die Technische Hochschule Deggendorf (THD) mit 9.476 Studierenden (WS 2025/26) und 1.221 Mitarbeitern. Die 1994 gegründete Hochschule wurde 2013 zur Technischen Hochschule erhoben und unterhält mit dem Technologiecampus Plattling (seit 2020, Schwerpunkt Moderne Mobilität) einen eigenen Innovationsstandort im Kreis. Die THD ist ein wichtiger Arbeitgeber und Impulsgeber für die Region.
Das DONAUISAR Klinikum Deggendorf ist ein überregionales Traumazentrum in Ostbayern und gehört zu den wichtigsten Arbeitgebern im Gesundheitssektor.
Die Wirtschaftsstruktur ist geprägt von der Donagelage mit Hafen und Logistik, der Industrie in Plattling (Zucker, Papier) und der wissensbasierten Wirtschaft um die THD. Der Prognos-Rang 115 im Wohlstand zeigt jedoch, dass die wirtschaftliche Leistungskraft im bundesweiten Vergleich unterdurchschnittlich ist.
Verkehr und Erreichbarkeit
Die Verkehrsanbindung des Landkreises ist durch mehrere Achsen geprägt. Das Autobahnkreuz der A3 und A92 liegt im Kreisgebiet und verbindet den Landkreis mit Regensburg, Passau und dem Raum München. Plattling verfügt über einen ICE-Halt an der Bahnstrecke Regensburg–Passau, was die Erreichbarkeit der größeren Städte erheblich verbessert.
Der Donau-Hafen Deggendorf ist sowohl per Straße als auch per Schiene und Wasserstraße angebunden. Der Hafen betreibt ein eigenes Eisenbahnverkehrsunternehmen und ist über die Bahnstrecke Deggendorf Hbf–Deggendorf Hafen an das Netz der Deutschen Bahn angeschlossen. Die Donau selbst ist eine wichtige Ost-West-Verbindung.
Die Städte Deggendorf, Plattling und Osterhofen bilden das Oberzentrum des Landkreises. Deggendorf und Plattling sind an zwei Stellen miteinander verwachsen und bilden einen zusammenhängenden Verflechtungsraum. Diese räumliche Nähe verstärkt die Attraktivität beider Standorte für Wohnen und Gewerbe.
Die THD unterhält mit dem Technologiecampus Plattling einen eigenen Innovationsstandort, der den Standort Plattling als Wirtschafts- und Forschungsstandort weiter aufwertet.
Entwicklung und Ausblick
Der Landkreis Deggendorf ist Teil der Tourismusregion Bayerischer Wald und Gäuboden. Die landschaftliche Vielfalt – von den bewaldeten Hängen des Bayerischen Waldes links der Donau bis zu den fruchtbaren Ebenen des Gäubodens rechts der Donau – bietet unterschiedliche Erholungsräume. Die Isarauen bei der Mündung in die Donau sind ein besonderes Naturerlebnis.
Nach dem Hochwasser 2013 wurde der Hochwasserschutz im Raum Deggendorf an Isar und Donau komplett überarbeitet und erneuert. Das Jahrhunderthochwasser hatte damals zu schweren Überschwemmungen geführt, unter anderem brach ein Damm an der Isar bei Deggendorf.
Die Bevölkerungsentwicklung ist positiv: Von 116.596 Einwohnern (2015) wuchs der Kreis auf 123.129 (2023), ein Zuwachs von rund 5,6% in acht Jahren. Dieser Trend entspricht nicht dem bundesweiten Muster der Schrumpfung ländlicher Räume und spricht für die Attraktivität des Landkreises als Wohnstandort.
Die THD hat sich zu einem wichtigen Wachstumsmotor entwickelt: Von 1.121 Studierenden (1999/2000) auf 9.476 (2025/26) ist die Studierendenzahl um das Achtfache gestiegen. Mit fast 52% internationalen Studierenden gehört die Hochschule zu den internationalsten Hochschulen in Bayern. Das eigenständige Promotionsrecht seit 2023 unterstreicht die wachsende wissenschaftliche Bedeutung.
Der Immobilienmarkt zeigt in den Zeitreihen einen deutlichen Anstieg der Mieten von 6,87 EUR/m² (2018) auf 9,41 EUR/m² (2024), gefolgt von einer leichten Korrektur auf 9,04 EUR/m² (2025). Die Kaufpreise stiegen von 2.616 EUR/m² (2018) auf 3.102 EUR/m² (2021), korrigierten dann auf 2.897 EUR/m² (2024) und stiegen erneut auf 3.223 EUR/m² (2025).