Marktüberblick und Einordnung
Der Landkreis Haßberge liegt im östlichen Unterfranken und umfasst 26 Gemeinden auf 956 km² mit rund 85.400 Einwohnern. Der mittlere Kaufpreis liegt bei 2.115 EUR/m², die mittlere Mietpreis liegt bei 7,96 EUR/m². Damit liegt der Kreis im bayerischen Vergleich auf Rang 74 von 82 Kreisen – er gehört zu den günstigsten Regionen Bayerns. Der Deutschlanddurchschnitt von 2.409 EUR/m² wird ebenfalls unterschritten. Die durchschnittliche Bruttomietrendite beträgt 4,58 Prozent. Die Zeitreihen zeigen schwankende Kaufpreise: Nach einem Tief von 1.515 EUR/m² im Jahr 2019 stiegen die Werte bis 2023 auf 2.368 EUR/m², um 2024 wieder auf 2.062 EUR/m² zu sinken. Die Bevölkerung ist stabil bei rund 85.400 Einwohnern.
Innere Struktur und Preisgefälle
Die Spreizung innerhalb des Kreises ist beträchtlich. Die Kaufpreise reichen von 1.594 EUR/m² in Maroldsweisach bis 2.757 EUR/m² in Eltmann – das entspricht einer Spanne von fast 73 Prozent. Die teuersten Gemeinden liegen entlang des Mains im Süden und Westen des Kreises: Eltmann (2.757 EUR/m²), Rauhenebrach (2.551 EUR/m²), Haßfurt als Kreisstadt (2.496 EUR/m²) und Sand am Main (2.462 EUR/m²). Diese Gemeinden profitieren von ihrer Lage am Main und der Nähe zu den Oberzentren Schweinfurt und Bamberg. Die günstigsten Gemeinden finden sich im Norden und Osten: Maroldsweisach (1.594 EUR/m²), Wonfurt (1.730 EUR/m²), Riedbach (1.732 EUR/m²) und Ebern (1.813 EUR/m²). Die Rendite-Spanne verläuft umgekehrt: Von 2,93 Prozent in Ermershausen bis 5,93 Prozent in Riedbach. Der Kreis gehört zur Regiopolregion Mainfranken und zur Metropolregion Nürnberg, was die Erreichbarkeit der Oberzentren Schweinfurt, Würzburg und Bamberg unterstreicht.
Wirtschaft und Arbeitsmarkt
Die Wirtschaft des Landkreises ist geprägt von mittelständischer Industrie und Landwirtschaft. In Eltmann bestand mit der Palm Papierfabrik ein bedeutender Arbeitgeber mit 240 Mitarbeitern (Stand 2024). Der Standort war zuvor von der Schaeffler-Gruppe betrieben worden, die 2020 das Werk mit 480 Beschäftigten schloss und die Produktion nach Schweinfurt verlagerte. Die Insolvenz der Kugelfertigung Eltmann 2011 führte zur Übernahme durch die italienische Umbra-Group als Präzisionskugeln Eltmann GmbH mit rund 100 Mitarbeitern. Schwarzmüller Deutschland GmbH, ein Hersteller von Landmaschinenanhängern, hat ebenfalls seinen Sitz in Eltmann. In Ebern war die Balthasar-Neumann-Kaserne von 1963 bis 2004 eine Bundeswehr-Garnison. Die Stadt erwarb das 290 Hektar große Gelände 2008 für 500.000 Euro zur Konversion in ein Gewerbegebiet. Der Landkreis ist Mitglied der Regiopolregion Mainfranken, die die Oberzentren Würzburg und Schweinfurt umfasst. Die Landwirtschaft spielt aufgrund der fruchtbaren Böden im Maintal und der Schweinfurter Rhön eine traditionell wichtige Rolle.
Verkehr und Erreichbarkeit
Der Landkreis wird von der Bahnstrecke Bamberg–Schweinfurt durchquert. Der Regionalexpress hält in Haßfurt, die Regionalbahn bedient alle Bahnhöfe. Zwischen Schweinfurt und Bamberg besteht ein 20-Minuten-Takt. Der Flugplatz Haßfurt-Haßberge liegt zwei Kilometer südöstlich der Kreisstadt und ist als Verkehrslandeplatz für Flugzeuge bis 5.700 kg MTOW zugelassen. Seit 2013 ist Instrumentenflugbetrieb erlaubt. Die Start- und Landebahn ist 1.043 Meter lang. Der Flugplatz liegt 21 km östlich von Schweinfurt und 30 km südöstlich von Bamberg. Im Hafen Haßfurt besteht Anschluss an die Binnenschifffahrt. Die medizinische Versorgung wird durch das Krankenhaus Haßfurt mit einem Standort in Ebern (ambulantem OP) sichergestellt. Das MVZ Eltmann wurde geschlossen, die Versorgung bleibt im Eberner MVZ erhalten.
Entwicklung und Ausblick
Der Landkreis Haßberge steht vor strukturellen Herausforderungen und Chancen. Der Wegfall von 480 Arbeitsplätzen bei Schaeffler in Eltmann 2020 war ein signifikanter Einschnitt für die lokale Wirtschaft. Die Konversion des ehemaligen Bundeswehrgeländes in Ebern bietet Potenzial für neue Gewerbeansiedlungen auf 290 Hektar Fläche. Der Tourismus profitiert von der Wallfahrtskirche Maria Limbach bei Eltmann, die von Balthasar Neumann entworfen wurde, sowie von der hohen Dichte an Burgen und Schlössern – der Landkreis wird als "Land der Schlösser, Burgen und Ruinen" bezeichnet. Der Prognos-Zukunftsatlas 2025 ordnet den Kreis auf Rang 163 von rund 400 deutschen Kreisen ein (Gesamtrang). Besonders gut abschneidet der Kreis beim Wohlstand mit Rang 69, während die Dynamik mit Rang 220 schwächer ist. Die Kaufpreisschwankungen der letzten Jahre deuten auf einen sensiblen Markt hin, der von den regionalen Wirtschaftsstrukturen mitbestimmt wird.