Marktüberblick und Einordnung
Der Landkreis Reutlingen liegt im Süden Baden-Württembergs im Regierungsbezirk Tübingen und umfasst 26 Gemeinden sowie den gemeindefreien Gutsbezirk Münsingen auf einer Fläche von 1.092 Quadratkilometern. Mit 293.624 Einwohnern (2023) gehört er zu den mittelgroßen Landkreisen des Landes. Die Bevölkerung wuchs in den letzten Jahren kontinuierlich von 282.113 (2015) auf 293.624 (2023). Der Kreis bildet zusammen mit dem Landkreis Tübingen und dem Zollernalbkreis den Regionalverband Neckar-Alb und gehört zur europäischen Metropolregion Stuttgart. Im Prognos-Zukunftsatlas 2025 belegt der Kreis Rang 54 von rund 400 deutschen Kreisen – ein Wert, der ihn in die obere Drittel der deutschen Kreise einordnet.
Die Immobilienwerte liegen mit einem durchschnittlichen Kaufpreis von 3.000 Euro pro Quadratmeter und einer durchschnittlichen Miete von 10,81 Euro pro Quadratmeter deutlich über dem deutschen Durchschnitt (2.409 Euro bzw. 8,92 Euro), aber leicht unter dem baden-württembergischen Landesdurchschnitt (3.140 Euro bzw. 11,08 Euro). Mit Rang 27 von 44 Kreisen im Landesvergleich nach Kaufpreis liegt der Kreis im mittleren Drittel der teureren Regionen. Die Bruttorendite beträgt durchschnittlich 4,41 Prozent.
Innere Struktur und Preisgefälle
Der Immobilienmarkt des Landkreises Reutlingen ist durch eine erhebliche innere Spreizung geprägt. Die Kaufpreise reichen von 1.704 Euro pro Quadratmeter im gemeindefreien Gutsbezirk Münsingen bis 4.057 Euro pro Quadratmeter in Pliezhausen – das Fünffache. Auch bei den Mieten liegt die Spanne mit 7,54 Euro pro Quadratmeter in Pfronstetten bis 14,12 Euro in Metzingen bei mehr als dem Doppelten. Die Renditen variieren zwischen 3,26 Prozent in Römerstein und 6,01 Prozent im Gutsbezirk Münsingen.
Die teuersten Gemeinden konzentrieren sich im nördlichen und nordwestlichen Teil des Kreises. Pliezhausen (4.057 Euro/m², 9.853 Einwohner) liegt unmittelbar nördlich der Kreisstadt Reutlingen und profitiert von der engen räumlichen und wirtschaftlichen Verflechtung. Die Kreisstadt Reutlingen selbst (3.940 Euro/m², 118.528 Einwohner) und die Große Kreisstadt Metzingen (3.940 Euro/m², 22.530 Einwohner) bilden zusammen mit Pfullingen (3.873 Euro/m², 19.221 Einwohner) und Eningen unter Achalm (3.463 Euro/m², 11.582 Einwohner) das preisträchtige Zentrum des Kreises. Diese Gemeinden liegen im Albvorland und im Echaz- bzw. Ermstal und sind die wirtschaftlichen und demografischen Zentren des Kreises.
Im Süden und Südosten des Kreises, auf der Hochfläche der Schwäbischen Alb, liegen die günstigsten Gemeinden. Pfronstetten (2.069 Euro/m², 1.525 Einwohner), Mehrstetten (2.232 Euro/m², 1.507 Einwohner), Gomadingen (2.302 Euro/m², 2.382 Einwohner) und St. Johann (2.324 Euro/m², 5.261 Einwohner) weisen deutlich niedrigere Preise auf. Diese Gemeinden liegen abseits der Hauptverkehrsachsen und sind ländlich strukturiert. Hülben (3.952 Euro/m², 3.171 Einwohner) fällt als Ausnahme auf – der hohe Kaufpreis bei nur 3.171 Einwohnern korrespondiert mit einem der niedrigsten Renditen im Kreis (3,29 Prozent) und einem Kaufpreisfaktor von 30,4, was auf ein kleines Angebot bei stabiler Nachfrage hindeutet.
Ein klares Preisgefälle ist entlang der Nord-Süd-Achse erkennbar: Je näher die Gemeinden an Reutlingen und Metzingen liegen, desto höher sind die Preise. Im Süden der Schwäbischen Alb nimmt die Preisniveau mit zunehmender Entfernung zu den Zentren kontinuierlich ab.
Wirtschaft, Arbeitgeber und Branchen
Die Wirtschaft des Landkreises Reutlingen ist durch eine bemerkenswerte Branchenmischung geprägt, die von global operierenden Modekonzernen über innovative Technologieunternehmen bis hin zu traditionellem Handwerk reicht.
Der mit Abstand bedeutendste Arbeitgeber und Wirtschaftsfaktor ist die Hugo Boss AG in Metzingen. Das börsennotierte Modeunternehmen beschäftigte 2025 rund 17.527 Mitarbeiter weltweit und erzielte einen Umsatz von 4,3 Milliarden Euro. Der Sitz und das operative Zentrum des Unternehmens liegen in Metzingen. Aus dem 1972 eröffneten ersten Werksverkauf entwickelte sich die Outletcity Metzingen, die heute mit über 170 Geschäften auf rund 60.000 Quadratmetern Verkaufsfläche Europas größtes Outlet ist. Jährlich besuchen rund 4,5 Millionen Kunden aus über 185 Ländern das Einkaufszentrum. Die Outletcity AG selbst beschäftigt rund 400 Mitarbeiter. Metzingen ist damit nicht nur Sitz eines globalen Modekonzerns, sondern auch ein überregionaler Tourismus- und Einkaufsmagnet.
Ein weiteres innovatives Technologieunternehmen mit Sitz im Kreis ist die Paravan GmbH in Pfronstetten-Aichelau. Das 1989 gegründete Unternehmen beschäftigt rund 160 Mitarbeiter und entwickelt behindertengerechte Fahrzeugumbauten, Elektrorollstühle sowie die Drive-by-Wire-Technologie Space Drive, die 2021 als erstes lenkradloses System eine deutsche Straßenzulassung erhielt. Paravan ist international tätig und unterhält Niederlassungen in über 15 Ländern. 2022 übernahm die Schaeffler-Gruppe das Joint Venture Schaeffler Paravan vollständig, was die technologische Bedeutung des Standorts unterstreicht.
Reutlingen als Kreisstadt und größte Stadt des Kreises ist Hochschulstandort mit der Hochschule Reutlingen und der Theologischen Hochschule Reutlingen. Die Stadt ist Oberzentrum des Regionalverbands Neckar-Alb und bildet zusammen mit der 12 Kilometer westlich gelegenen Nachbarstadt Tübingen eine Agglomeration mit rund 280.000 Einwohnern. Die wirtschaftliche Verflechtung mit der Metropolregion Stuttgart ist eng; die Entfernung nach Stuttgart beträgt rund 31 Kilometer.
Der Tourismus spielt eine bedeutende Rolle: Etwa 17,5 Prozent der Gemarkung Reutlingens und 80,2 Prozent der Metzinger Gemarkung gehören zum Biosphärengebiet Schwäbische Alb. Die Naturnähe und die Lage am Rand der Schwäbischen Alb sind ein wichtiger Standortfaktor für die Attraktivität des Kreises als Wohnstandort.
Verkehr und Erreichbarkeit
Die Verkehrsanbindung des Landkreises Reutlingen ist durch die Lage im südlichen Bereich der Metropolregion Stuttgart geprägt. Die Kreisstadt Reutlingen liegt rund 31 Kilometer südlich von Stuttgart. Die Anbindung an das überregionale Straßennetz erfolgt über die A81, die am Autobahnkreuz Stuttgart in das Bundesautobahnnetz eingebunden ist. Die A81 verbindet Reutlingen mit Stuttgart im Norden und mit dem Raum Ulm im Süden.
Im Schienenverkehr ist der Kreis durch die Bahnstrecke Plochingen–Immendingen angebunden, deren Abschnitt Plochingen–Reutlingen bereits 1859 eröffnet wurde. Plochingen, der nördliche Knotenpunkt der Strecke, liegt im Nachbarkreis Esslingen und ist ein wichtiger Bahnknoten mit ICE-Anbindung über die Neubaustrecke Stuttgart–Augsburg. Von Reutlingen aus bestehen Regionalverbindungen nach Plochingen, Tübingen und weiter nach Ulm und Immendingen.
Die gute Erreichbarkeit von Stuttgart und die Lage an der Bahnstrecke nach Ulm sind wichtige Faktoren für die Pendlerstruktur. Viele Beschäftigte im Kreis arbeiten in den größeren Städten der Metropolregion, während umgekehrt auch Pendler aus dem Umland in die Unternehmen des Kreises einreisen – insbesondere in das Hugo-Boss-Werk in Metzingen und die zahlreichen Unternehmen in Reutlingen selbst.
Die Hochschule Reutlingen ist ein bedeutender Arbeitgeber und zieht Studierende aus dem gesamten Bundesgebiet an. Die Theologische Hochschule Reutlingen ergänzt das Bildungsangebot.
Entwicklung und Ausblick
Die Bevölkerungsentwicklung des Landkreises Reutlingen ist positiv: Von 282.113 Einwohnern (2015) wuchs die Zahl auf 293.624 (2023), was einem Anstieg von rund 4,1 Prozent in acht Jahren entspricht. Diese Entwicklung steht im Gegensatz zu vielen ländlichen Regionen Deutschlands, die unter Abwanderung leiden.
Die Immobilienpreisentwicklung zeigt einen deutlichen Aufwärtstrend: Der durchschnittliche Kaufpreis stieg von 2.968 Euro pro Quadratmeter (2018) auf 3.431 Euro (2025), die Miete von 9,73 Euro (2018) auf 12,86 Euro (2025). Die Kaufpreise erreichten 2022 mit 3.765 Euro ihren Höhepunkt und korrigierten seither leicht nach unten, liegen aber weiterhin deutlich über dem Niveau von 2018.
Die wirtschaftliche Stärke des Kreises, getragen von global operierenden Unternehmen wie Hugo Boss und innovativen Technologieunternehmen wie Paravan, kombiniert mit der attraktiven Lage am Rand der Schwäbischen Alb und der guten Erreichbarkeit Stuttgarts, spricht für eine stabile Marktentwicklung. Die enorme Spreizung der Preise innerhalb des Kreises – von unter 2.100 Euro pro Quadratmeter auf der Hochfläche der Schwäbischen Alb bis über 4.000 Euro im Nordwesten – bietet unterschiedliche Anlageprofile: Im Norden und Nordwesten dominieren niedrigere Renditen bei hohen Kaufpreisen, während die Gemeinden auf der Schwäbischen Alb höhere Renditen bei niedrigeren Einstiegpreisen bieten.
Die Outletcity Metzingen entwickelt sich weiter: Nach der Eröffnung des weltweit größten Boss Outlets 2019 folgten 2020 die Enzian Höfe, 2021 der Ausbau der Outletcity Mall mit 20 neuen Stores und 2023 die Realisierung eines Moxy-Hotels von Marriott International. Weitere Hotelkonzepte sind in Planung. Diese kontinuierliche Expansion unterstreicht die anhaltende Bedeutung des Outlets für die lokale Wirtschaft.