Marktüberblick und Einordnung
Der Landkreis Uckermark ist mit 3.077 km² und rund 117.800 Einwohnern ein flächenintensiver, dünn besiedelter Raum im Nordosten Brandenburgs (38 Einwohner je km²). Der mittlere Kaufpreis liegt bei 1.773 EUR/m², der Median aller Gemeinden bei 1.643 EUR/m². Die Mietpreise liegen bei durchschnittlich 6,79 EUR/m² (Median 6,61 EUR/m²). Die Kapitalwertrenditen bewegen sich zwischen 1,95 und 9,12 Prozent, der Median bei 4,57 Prozent.
Im bundeslandweiten Vergleich liegt der Uckermark mit einem durchschnittlichen Kaufpreis von 1.773 EUR/m² auf Rang 14 von 18 brandenburgischen Kreisen. Damit gehört er zu den günstigeren Regionen des Landes, liegt aber deutlich über den billigsten Kreisen wie Elbe-Elster (1.297 EUR/m²) und der Prignitz (1.375 EUR/m²). Im deutschlandweiten Vergleich von rund 386 Kreisen liegt der Uckermark im unteren Drittel.
Die Bevölkerung ist seit der Wiedervereinigung kontinuierlich gesunken: von 163.719 Einwohnern (1993) auf 116.422 (2025). Der Prognos-Zukunftsatlas 2025 ordnet den Landkreis mit Rang 364 von rund 400 Kreisen in die Kategorie mit sehr hohen Zukunftsrisiken ein. Besonders schlecht schneidet er im Index Stärke (Rang 382) und Demografie (Rang 372) ab. Der Dynamik-Index mit Rang 73 ist vergleichsweise besser.
Innere Struktur und Preisgefälle
Die Spreizung innerhalb des Kreises ist beträchtlich. Die teuerste Gemeinde ist Mittenwalde mit 4.063 EUR/m² (380 Einwohner), gefolgt von Temmen-Ringenwalde mit 3.050 EUR/m² (487 Einwohner) und Lychen mit 2.633 EUR/m² (3.139 Einwohner). Die günstigsten Gemeinden liegen im Westen und Süden: Mescherin (900 EUR/m²), Brüssow (986 EUR/m²), Casekow (1.008 EUR/m²) und Grünow (1.049 EUR/m²). Die Rendite-Spanne reicht von 1,95 Prozent in Mittenwalde bis 9,12 Prozent in Brüssow.
Die vier größten Städte – Schwedt/Oder (33.633 Einwohner), Prenzlau (18.779), Templin (15.532) und Angermünde (14.015) – bilden die Mittelzentren des Kreises. Ihre Kaufpreise liegen zwischen 2.091 EUR/m² (Prenzlau) und 2.401 EUR/m² (Templin). Sie liegen damit über dem Kreisdurchschnitt, aber weit unter den Spitzenwerten der kleinen Seen-Gemeinden.
Die teuersten Gemeinden sind kleine Seen-Gemeinden im Süden des Kreises: Mittenwalde (380 Ew., 4.063 EUR/m²), Temmen-Ringenwalde (487 Ew., 3.050 EUR/m²) und Hohenselchow-Groß Pinnow (716 Ew., 2.543 EUR/m²). Sie liegen in der Nähe des Biosphärenreservats Schorfheide-Chorin und des Oberuckersee. Lychen (3.139 Ew., 2.633 EUR/m²) ist eine weitere Ausnahme: Die Stadt am Döllnsee profitiert von der Nähe zu Berlin und der Bahnverbindung nach Angermünde.
Im Westen und Süden des Kreises dominieren niedrige Preise: Das Amt Gartz (Oder) mit Casekow, Gartz, Mescherin und Tantow sowie das Amt Gramzow mit Gramzow, Grünow, Oberuckersee und Randowtal bilden die preislich günstigste Zone. Hier liegen Kaufpreise typischerweise zwischen 900 und 1.400 EUR/m², die Renditen zwischen 5 und 9 Prozent. Diese Gemeinden liegen abseits der Hauptverkehrsachsen und haben keine bedeutenden Arbeitgeber.
Die Gemeinde Gerswalde (1.486 Ew., 2.263 EUR/m²) fällt mit einem überdurchschnittlichen Kaufpreis auf, obwohl sie nicht direkt an einem großen See liegt. Sie liegt im Südosten des Kreises und profitiert möglicherweise von der Nähe zu Angermünde und dem Biosphärenreservat.
Wirtschaft und Arbeitsmarkt
Die Wirtschaft des Landkreises ist geprägt von Strukturwandel nach der Wende. Schwedt/Oder war in der DDR durch das Petrolchemische Kombinat geprägt, dessen Nachfolgebetriebe heute nicht mehr in der früheren Form existieren. Die tabakverarbeitende Industrie, die Ende des 18. Jahrhunderts mit französischen Hugenotten eingeführt wurde und die Uckermark zum größten zusammenhängenden Tabakanbaugebiet Deutschlands machte (4.400 Hektar), wurde 1989/1990 mit der Schließung des VEB Rohtabak Schwedt vollständig eingestellt.
Heute sind die bedeutendsten Arbeitgeber im Kreis das Asklepios Klinikum Uckermark in Schwedt mit 754 Mitarbeitern (2023) und das Bundeszentralamt für Steuern mit Dienstsitz Schwedt. Das Klinikum ist ein Krankenhaus der Schwerpunktversorgung mit 383 Betten und akademisches Lehrkrankenhaus der Universitätsmedizin Greifswald sowie der Pommerschen Medizinischen Universität Stettin. Es ist als Regionales Traumazentrum zertifiziert.
In Prenzlau ist die Uckermark-Kaserne der Bundeswehr mit dem Fernmeldebataillon 610 ein wichtiger Arbeitgeber und Strukturträger. Die Kaserne wurde bis 1990 von der Nationalen Volksarmee genutzt und ist nach der historischen Landschaft Uckermark benannt.
Die Landwirtschaft prägt als Flächentier den ländlichen Raum. Der Tourismus gewinnt an Bedeutung: Der Nationalpark Unteres Odertal (1995 ausgewiesen), das Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin und der Naturpark Uckermärkische Seen bilden das Dreigestirn des Naturschutzes. Schwedt/Oder wurde 2008 als erste Stadt Deutschlands der Titel Nationalparkstadt verliehen. Schloss Boitzenburg in der Gemeinde Boitzenburger Land, einstiger Stammsitz der Familie von Arnim, ist eine bekannte Sehwürdigkeit.
Der Landkreis ist seit 2012 Teil der europäischen Metropolregion Stettin, was grenzüberschreitende Kooperationen fördern soll.
Verkehr und Erreichbarkeit
Angermünde ist der wichtigste Schienenknoten des Landkreises. Der am 15. November 1842 eröffnete Bahnhof liegt an der Berlin-Stettiner Eisenbahn und ist Ausgangspunkt der Strecken nach Stralsund, Schwedt und einer stillgelegten Nebenbahn nach Bad Freienwalde. Der RE 3 verkehrt im Stundentakt nach Berlin, Schwedt und Stralsund. Der RE 30 verbindet Angermünde im Stundentakt über Prenzlau und Anklam mit Stralsund. Die RB 61 verbindet Angermünde mit Schwedt.
Von Angermünde aus erreicht man Berlin in etwa einer Stunde. Prenzlau ist über die RB 62 an Angermünde angebunden. Templin hat keinen eigenen Bahnanschluss mehr.
Die Autobahn A11 (Berlin–Stralsund) berührt den südlichen Rand des Landkreises bei Angermünde. Die Bundesstraße 167 verbindet Angermünde mit Prenzlau und Templin. Die B 113 verläuft durch den Westen des Kreises, die B 2 durch den Süden.
Die Entfernung zu Berlin beträgt etwa 80 bis 100 Kilometer. Stettin liegt knapp 50 Kilometer östlich der Oder-Grenze. Die Nähe zu beiden Metropolen ist ein potenzieller Standortfaktor, der jedoch durch die begrenzte Taktdichte des Schienenpersonennahverkehrs und das Fehlen einer direkten Autobahnanbindung für viele Gemeinden nur eingeschränkt genutzt wird.
Entwicklung und Ausblick
Der Landkreis Uckermark steht vor strukturellen Herausforderungen: Die Bevölkerung ist seit der Wiedervereinigung um rund 29 Prozent gesunken, die Alterung schreitet voran. Der Prognos-Rang 364 von 400 spiegelt diese Entwicklung wider.
Gleichzeitig gibt es positive Impulse: Das Asklepios Klinikum als größter medizinischer Anbieter sichert die Grundversorgung und schafft Arbeitsplätze. Der Bundessteuerdienst in Schwedt ist ein weiterer stabiler Arbeitgeber. Der Tourismus profitiert von den drei Großschutzgebieten und dem Nationalparkstadt-Titel Schwedts. Die Einbindung in die Metropolregion Stettin könnte grenzüberschreitende Wirtschaftskooperationen fördern.
Die Immobilienmärkte der einzelnen Gemeinden entwickeln sich unterschiedlich. Die Seen-Gemeinden im Süden profitieren von der Nähe zum Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin und ziehen Zweitwohnungsinteressierte an, was die Preise in Gemeinden wie Mittenwalde und Temmen-Ringenwalde in die Höhe treibt. Die Gemeinden im Westen und Süden des Kreises bleiben dagegen preislich niedrig, was sie für investorische Renditestrategien interessant macht, aber auch die lokale Kaufkraft schwach hält.
Die vier Mittelzentren Schwedt, Prenzlau, Templin und Angermünde bilden das Rückgrat der Kreisstruktur. Ihre Kaufpreise liegen stabil über dem Kreisdurchschnitt, was auf die Funktion als Versorgungs- und Arbeitszentren für das Umland hinweist.