Marktüberblick und Einordnung
Der Landkreis Landsberg am Lech liegt im Fünfseenland Oberbayerns, rund 55 Kilometer westlich von München und 38 Kilometer südlich von Augsburg. Mit 124.311 Einwohnern auf 757 Quadratkilometern ist er ein mittelgroßer ländlicher Kreis mit starker Zuzugsdynamik. Die Bevölkerung wuchs von 2015 bis 2023 um 5,6 Prozent – von 117.657 auf 124.311. Der mittlere Kaufpreis liegt bei 4.720 Euro pro Quadratmeter, damit rangiert der Kreis auf Platz 13 von 82 Kreisen in Bayern. Die mittlere Mietpreis liegt bei 12,18 Euro pro Quadratmeter. Der Prognos-Zukunftsatlas 2025 ordnet den Kreis auf Gesamtrang 33 von rund 400 deutschen Kreisen ein – ein sehr gutes Ergebnis, das die attraktive Lage zwischen zwei Großstädten widerspiegelt.
Innere Struktur und Preisgefälle
Die Spreizung innerhalb des Kreises ist erheblich. Die teuersten Gemeinden liegen am Ammersee im Süden des Landkreises: Schondorf am Ammersee führt mit 7.245 Euro pro Quadratmeter, gefolgt von Utting am Ammersee (7.069 Euro), Dießen am Ammersee (6.304 Euro), Greifenberg (6.299 Euro) und Eching am Ammersee (6.209 Euro). Diese fünf Gemeinden liegen allesamt direkt am oder in unmittelbarer Nähe des Ammersees und weisen Kaufpreisfaktoren von 34,4 bis 40 auf – ein klares Signal für ein angespanntes Verhältnis von Miete zu Kaufpreis bei hoher Wohnqualität.
Dem stehen die günstigsten Gemeinden im Norden und Osten des Kreises gegenüber: Thaining (2.942 Euro), Apfeldorf (3.032 Euro), Hofstetten (3.197 Euro), Scheuring (3.242 Euro) und Rott (3.368 Euro). Die Kaufpreise dort liegen weniger als der Hälfte der Ammersee-Preise. Die Renditen sind in diesen Gemeinden mit 3,68 bis 4,60 Prozent deutlich höher als am Ammersee (2,40 bis 2,90 Prozent).
Die Große Kreisstadt Landsberg am Lech selbst liegt mit 5.220 Euro pro Quadratmeter im oberen Mittelfeld. Kaufering, die zweitgrößte Gemeinde des Kreises, liegt mit 4.799 Euro knapp unter dem Kreisdurchschnitt. Es zeigt sich ein klares Preisgefälle von Süden nach Norden: Ammersee als Premiumstandort, das Umland der Kreisstadt als mittleres Segment, und die nördlichen Gemeinden als erschwingliche Peripherie.
Wirtschaft und Arbeitsmarkt
Der Landkreis verfügt über mehrere bedeutende Arbeitgeber, die die lokale Wirtschaft strukturieren. Die größte Bedeutung hat Hilti Deutschland mit seiner Hauptniederlassung in Kaufering. Das weltweit tätige Unternehmen der Befestigungstechnik beschäftigt rund 34.111 Mitarbeiter und erwirtschaftete 2023 einen Umsatz von 6,520 Milliarden Schweizer Franken. Die deutsche Niederlassung in Kaufering ist ein wesentlicher Wirtschaftsfaktor für den gesamten Landkreis.
Ein weiterer großer Arbeitgeber ist die Bundeswehr am Fliegerhorst Lechfeld, der teils auf dem Gebiet der Gemeinden Graben und Untermeitingen liegt. Dort sind rund 5.000 Bundeswehr-Angehörige beschäftigt. Der Flugplatz ist einer der ältesten Militärflugplätze Deutschlands und dient heute als Ausweichflugplatz für das Taktische Luftwaffengeschwader 74. Im März 2026 wurde bekannt, dass am Standort bis 2029 ein gemeinsamer NATO-Luftabwehrstandort mit dem Arrow-System entstehen soll – ein Projekt, das den Standort langfristig sichert und ausbaut.
In der Kreisstadt selbst ist die Justizvollzugsanstalt Landsberg ein bedeutender Arbeitgeber: Die Anstalt verfügt über 581 Haftplätze und 306 Mitarbeiter. Sie ist Vollzugsanstalt für erstmals bestrafte männliche erwachsene Straftäter und versorgt zudem die Verwaltung und Versorgung der JVA Garmisch-Partenkirchen.
Die Wirtschaft des Kreises ist damit geprägt von einem Mix aus hochqualifizierter Industrie (Hilti), sicherheitspolitischer Infrastruktur (Bundeswehr, JVA) und dem damit verbundenen Dienstleistungssektor. Die ländlichen Gemeinden im Norden und Osten sind weiterhin stark von der Landwirtschaft geprägt.
Verkehr und Erreichbarkeit
Die Verkehrsanbindung des Landkreises ist durch die A96 (Ammerseeautobahn) geprägt, die den Kreis in West-Ost-Richtung durchquert. Sie verfügt über die Anschlussstellen Landsberg am Lech-West, Landsberg am Lech-Nord, Landsberg am Lech-Ost, Windach und Greifenberg (Ammersee). Die A96 verbindet den Landkreis direkt mit München im Osten und dem Bodensee im Westen. Bei Landsberg am Lech-West endet der autobahnähnliche vierstreifige Ausbau der Bundesstraße 17.
Im Schienenverkehr ist Kaufering ein wichtiger Knotenpunkt: Hier treffen die Strecke München–Buchloe, die Nebenbahn nach Landsberg am Lech und die Strecke nach Bobingen aufeinander. Die Strecke wurde 1872 errichtet und ermöglicht Pendlerverbindungen in beide Großstädte. Der Bahnhof Landsberg am Lech liegt an der Strecke München–Buchloe und wird im Regionalverkehr bedient. Die Gemeinde Lagerlechfeld verfügt über einen eigenen Bahnhof an der Strecke Bobingen–Kaufering mit Stundentakt nach Augsburg und Landsberg.
Die Lage zwischen München und Augsburg – zwei der größten Wirtschaftszentren Süddeutschlands – macht den Landkreis zum attraktiven Pendlerstandort. Die Ammersee-Gemeinden profitieren zusätzlich von der Nähe zu beiden Ballungsräumen als Erholungsgebiet.
Entwicklung und Ausblick
Der Landkreis Landsberg am Lech profitiert von mehreren strukturellen Faktoren, die seine Entwicklung bestimmen. Das Ammersee-Ufer mit seinen Gemeinden Schondorf, Utting, Dießen, Greifenberg und Eching bildet einen eigenen Premiummarkt, der von der hohen Lebensqualität am See und der Nähe zu München und Augsburg profitiert. Die Kaufpreise dort liegen bei über 6.000 Euro pro Quadratmeter – ein Niveau, das selbst in ländlichen Kreisen selten ist.
Im Norden und Osten des Kreises zeigen die niedrigeren Kaufpreise (unter 3.400 Euro) und die höheren Renditen (über 3,6 Prozent) ein anderes Profil: hier handelt es sich um traditionelle ländliche Gemeinden mit landwirtschaftlicher Prägung und geringerer Nachfrage. Die Spreizung von Faktor 2,5 zwischen teuersten und günstigsten Gemeinden ist erheblich.
Die Bevölkerungsentwicklung mit einem Zuwachs von 5,6 Prozent in acht Jahren zeigt, dass der Landkreis insgesamt attraktiv ist – getrieben vor allem durch die Gemeinden im Umfeld der Kreisstadt und der Ammersee-Gemeinden. Die gute Prognos-Bewertung (Rang 33 von 400) und die starke Positionierung im Bayern-Vergleich (Rang 13 von 82) unterstreichen die strukturelle Stärke des Kreises.
Die künftige Entwicklung wird maßgeblich von der NATO-Luftabwehr-Infrastruktur am Fliegerhorst Lechfeld (bis 2029) und der weiteren Bedeutung von Hilti als Arbeitgeber geprägt sein. Die Ammersee-Gemeinden dürften weiter als Premiumstandort mit begrenztem Angebot und hoher Nachfrage bestehen bleiben.