Marktüberblick und Einordnung
Der Landkreis Waldshut liegt im äußersten Südwesten Baden-Württempergs an der Grenze zur Schweiz und umfasst 32 Gemeinden auf 1.131 km² mit rund 174.400 Einwohnern. Der mittlere Kaufpreis liegt bei 2.853 EUR/m² und damit im unteren Drittel der 44 Kreise Baden-Württembergs (Rang 30). Die Mietwerte liegen bei durchschnittlich 10,29 EUR/m². Die Bruttomietrendite beträgt im Mittel 4,42 %. Im bundesweiten Vergleich liegt der Kreis deutlich über dem deutschen Durchschnitt von 2.409 EUR/m² Kaufpreis und 8,92 EUR/m² Miete.
Die Kaufpreise im Kreis reichen von 1.866 EUR/m² in Wutach bis 4.050 EUR/m² in Grafenhausen, die Mieten von 7,77 EUR/m² in Ibach bis 12,80 EUR/m² in Lottstetten. Die Rendite-Spanne beträgt 2,73 % bis 5,88 %. Der Prognos-Zukunftsatlas 2025 ordnet den Kreis auf Gesamtrang 214 von rund 400 deutschen Kreisen ein. Besonders gut positioniert ist er im Wohlstand (Rang 45), während die Demografie mit Rang 350 zu den schwächeren Indikatoren gehört.
Die Bevölkerung wuchs von 167.861 im Jahr 2015 auf 174.391 im Jahr 2023, was einem Anstieg von rund 6.500 Einwohnern in acht Jahren entspricht. Die Mietwerte stiegen von 8,57 EUR/m² (2018) auf 10,63 EUR/m² (2024), die Kaufpreise von 2.366 EUR/m² auf 2.953 EUR/m².
Innere Struktur und Preisgefälle
Der Landkreis Waldshut weist eine deutliche innere Spreizung auf, die sich in drei klar abgrenzbare Zonen gliedern lässt.
Der Hochrhein-Klettgau im Süden des Kreises bildet das preisschwerste Gebiet. Die Gemeinden entlang des Rheins und direkt an der Schweizer Grenze gehören zu den teuersten des gesamten Landkreises. Bad Säckingen (3.389 EUR/m²), Lauchringen (3.436 EUR/m²), Küssaberg (3.497 EUR/m²) und Jestetten (3.378 EUR/m²) liegen alle über dem Kreisdurchschnitt. Die Kreisstadt Waldshut-Tiengen (3.304 EUR/m²) mit 25.114 Einwohnern bildet das wirtschaftliche und administrative Zentrum. Die hohen Preise in diesem Raum korrespondieren mit der Grenznähe zur Schweiz, der guten Bahnanbindung und der Infrastruktur der Mittelzentren.
Das mittlere Preisniveau mit Kaufpreisen zwischen 2.800 und 3.200 EUR/m² findet sich in den Gemeinden des Klettgaus und am Westrand des Südschwarzwalds: Wehr (2.943 EUR/m²), Laufenburg (3.270 EUR/m²), Albbruck (3.192 EUR/m²), Bonndorf (3.088 EUR/m²) und Wutöschingen (2.977 EUR/m²). Diese Gemeinden profitieren von der Lage an der Hochrheinbahn und der relativen Nähe zu den Zentren.
Das günstigste Drittel des Kreises liegt im inneren Südschwarzwald und im Hotzenwald. Hier liegen die Gemeinden mit Kaufpreisen unter 2.600 EUR/m²: St. Blasien (2.197 EUR/m²), Ühlingen-Birkendorf (2.348 EUR/m²), Görwihl (2.321 EUR/m²), Herrischried (2.251 EUR/m²), Todtmoos (2.081 EUR/m²), Häusern (2.054 EUR/m²) und Wutach (1.866 EUR/m²). Diese Gemeinden weisen zugleich die höchsten Renditen auf (bis zu 5,88 % in St. Blasien), da die niedrigen Kaufpreise die Mieten überproportional übertreffen.
Ein Sonderfall ist Grafenhausen mit dem höchsten Kaufpreis des Kreises (4.050 EUR/m²) bei gleichzeitig niedrigster Rendite (2,73 %) und höchstem Kaufpreisfaktor (36,7). Die Gemeinde mit nur 2.318 Einwohnern liegt im Schlüchtetal und zieht wohlhabende Zweitwohnsitzkäufer an, was den extrem hohen Preisfaktor erklärt.
Wirtschaft und Arbeitsmarkt
Die Wirtschaft des Landkreises Waldshut ist durch eine Mischung aus mittelständischer Industrie, öffentlichem Dienst und Tourismus geprägt. Größter einzelner Arbeitgeber ist die Sedus Stoll AG in Dogern, ein Komplettanbieter für Büroeinrichtungen und Arbeitsplatzkonzepte. Das Unternehmen hat seinen Sitz in der Gemeinde Dogern am Hochrhein.
Historisch war die Textilindustrie prägend: Die Lauffenmühle mit Hauptsitz in Lauchringen gehörte im 20. Jahrhundert zu den größten vollstufigen Textilunternehmen Deutschlands. Die Bedeutung der Textilproduktion ist heute rückläufig, die industrielle Struktur hat sich gewandelt.
Der öffentliche Dienst spielt eine herausragende Rolle. Das Klinikum Hochrhein in Waldshut ist mit 303 Betten, 750 Mitarbeitern (davon 110 Ärzten) und einem Jahresetat von 55 Millionen Euro einer der größten Arbeitgeber des Kreises. Es versorgt den gesamten Landkreis mit der Grund-, Regel- und Akutversorgung. Das Spital in Bad Säckingen wurde Ende 2017 geschlossen; der Landkreis plant den Bau einer Zentralklinik in Albbruck, die die Versorgung zentralisieren soll.
Der Tourismus ist ein weiterer Wirtschaftsfaktor. Der Landkreis gehört zum Naturpark Südschwarzwald. Der 2006 eröffnete Schluchtensteig, eine 105 km lange Wanderstrecke durch die Wutachschlucht, wird vom Trägerverein Naturpark Südschwarzwald, dem Landkreis und der Schwarzwald Tourismus GmbH getragen. Die Wutachtalbahn, eine touristische Schmalspurbahn von Lauchringen nach Stühlingen und Weizen, wird saisonal (Mai bis Oktober) sowie im Schülerverkehr bedient. Bad Säckingen als Kurstadt mit einer historischen Salzquelle und der längsten gedeckten Holzbrücke Europas (203,7 m) ist ein überregional bekanntes Reiseziel.
Verkehr und Erreichbarkeit
Die Verkehrsanbindung des Landkreises Waldshut ist durch die Lage am Hochrhein und die Grenznähe zur Schweiz geprägt. Der Bahnhof Waldshut ist der wichtigste Bahnhof des Kreises und liegt an der Hochrheinbahn, die von Basel Bad Bf über Waldshut und Schaffhausen nach Konstanz führt. Der Bahnhof wird vom RE3 (Basel–Singen, 120-Minuten-Takt) und der RB30 (Basel–Lauchringen, Stundentakt, in der Hauptverkehrszeit Halbstundentakt) bedient.
Waldshut bietet darüber hinaus einen direkten Anschluss an das Schweizer S-Bahn-Netz. Über die grenzüberschreitende Rheinbrücke zwischen Waldshut und Koblenz (Kanton Aargau) enden hier die Linien S27 (Baden–Waldshut) und S36 (Bülach–Waldshut) der Zürcher S-Bahn im 30-Minuten-Takt. Die Anbindung an die Schweizer Städte Baden, Bülach und Koblenz ermöglicht grenzüberschreitende Pendlerströme.
Auf der deutschen Seite verbindet die Hochrheinbahn den Kreis mit Basel (ca. 50 km), Freiburg (ca. 80 km) und Konstanz (ca. 90 km). Die Bundesstraße 34 verläuft parallel zur Bahnstrecke entlang des Hochrheins.
Ein wichtiges Infrastrukturprojekt ist die Elektrifizierung und Modernisierung der Hochrheinbahn zwischen Basel und Erzingen. Dabei sollen alle Bahnsteige im Bahnhof Waldshut umgebaut werden. Ziel ist es, durchgängige Zugfahrten von Basel nach Koblenz technisch wieder zu ermöglichen und die Verbindung in das Netz der trinationalen S-Bahn Basel zu integrieren.
Entwicklung und Ausblick
Der Landkreis Waldshut hat in den vergangenen Jahren ein deutliches Bevölkerungswachstum verzeichnet: Von 167.861 Einwohnern im Jahr 2015 auf 174.391 im Jahr 2023, ein Plus von rund 3,9 %. Diese Entwicklung steht im Gegensatz zu vielen ländlichen Räumen in Deutschland und ist wahrscheinlich auf die attraktive Lage am Hochrhein, die gute Erreichbarkeit von Basel und die Grenznähe zur Schweiz zurückzuführen.
Die Mietpreise haben sich von 8,57 EUR/m² (2018) auf 10,63 EUR/m² (2024) erhöht, was einem Anstieg von rund 24 % in sechs Jahren entspricht. Die Kaufpreise stiegen von 2.366 EUR/m² auf 2.953 EUR/m², also um rund 25 %. Die Zeitreihen für 2025 und 2026 enthalten geschätzte Werte und prognostizieren weitere Mietsteigerungen auf 11,86 EUR/m² bis 2026, während die Kaufpreise leicht absinken sollen.
Die innere Struktur des Marktes zeigt, dass die Hochrhein-Gemeinden und der Klettgau die preistragenden Bereiche sind, während der Südschwarzwald und der Hotzenwald als preisgünstigere Alternativen mit höheren Renditen dienen. Die geplante Zentralklinik in Albbruck könnte die Versorgung im inneren Kreisbereich verbessern und die Attraktivität der dortigen Gemeinden stärken. Die Modernisierung der Hochrheinbahn wird die Erreichbarkeit von Basel und der Schweizer Metropole weiter verbessern und die Pendlerattraktivität der grenznahen Gemeinden erhöhen.