Marktüberblick und Einordnung
Der Landkreis Günzburg liegt im bayerischen Regierungsbezirk Schwaben und umfasst 34 Gemeinden auf 759 km². Mit rund 131.375 Einwohnern (2023) ist er ein mittelgroßer ländlicher Kreis zwischen den Metropolen Augsburg und Ulm. Der mittlere Kaufpreis liegt bei 2.929 EUR/m², die mittlere Mietanzeige bei 10,15 EUR/m². Damit rangiert der Kreis in Bayern mit Platz 47 von 82 Kreisen im unteren Mittelfeld der Kaufpreise, liegt aber deutlich über dem deutschen Durchschnitt von 2.409 EUR/m². Die Bruttomietrendite beträgt durchschnittlich 4,26 Prozent.
Die Bevölkerung wuchs von 123.153 (2015) auf 131.375 (2023), ein Zuwachs von rund 6,6 Prozent in acht Jahren. Der Prognos-Zukunftsatlas 2025 ordnet den Kreis auf Platz 137 von rund 400 deutschen Kreisen ein – ein solider, aber kein Spitzenwert. Besonders auffällig ist die Dynamik: mit Platz 300 liegt der Kreis hier im unteren Drittel, während der Stärke-Index mit Platz 110 deutlich besser abschneidet.
Innere Struktur und Preisgefälle
Der Immobilienmarkt im Landkreis Günzburg ist keineswegs homogen. Die Spreizung der Kaufpreise innerhalb des Kreises ist beträchtlich: Sie reicht von 1.637 EUR/m² in Deisenhausen bis 3.937 EUR/m² in Bubesheim – ein Faktor von 2,4. Die Mietpreise variieren von 7,14 EUR/m² in Aletshausen bis 15,37 EUR/m² in Landensberg. Die Rendite-Spanne reicht von 2,81 Prozent in Aletshausen bis 7,88 Prozent in Deisenhausen.
Die fünf teuersten Gemeinden nach Kaufpreis sind Bubesheim (3.937 EUR/m², 1.562 Einwohner), Waltenhausen (3.835 EUR/m², 758 Einwohner), Krumbach (3.694 EUR/m², 13.940 Einwohner), Burgau (3.589 EUR/m², 10.628 Einwohner) und die Große Kreisstadt Günzburg (3.548 EUR/m², 21.865 Einwohner). Diese Gemeinden liegen allesamt im südlichen und zentralen Teil des Kreises.
Die günstigsten Gemeinden finden sich vor allem im Norden und Osten: Deisenhausen (1.637 EUR/m²), Wiesenbach (2.399 EUR/m²), Neuburg a.d.Kammel (2.409 EUR/m²), Kammeltal (2.413 EUR/m²) und Dürrlauingen (2.445 EUR/m²). Diese Gemeinden liegen im Bereich der Kammel und im Norden des Kreises.
Ein deutliches Preisgefälle ist entlang der Nord-Süd-Achse erkennbar: Die Gemeinden im Süden des Kreises, näher an der A8 und den Großstädten Augsburg und Ulm, weisen die höchsten Preise auf. Die Gemeinden im Norden, insbesondere im Bereich der Kammel und des Donaumoos, liegen deutlich darunter. Krumbach als größte Stadt des Kreises nach Günzburg bildet ein eigenes Preiszentrum im Osten.
Die Zeitreihen zeigen einen starken Anstieg der Mieten von 7,67 EUR/m² (2018) auf 11,09 EUR/m² (2025). Die Kaufpreise stiegen von 2.480 EUR/m² (2018) auf einen Höhepunkt von 3.219 EUR/m² (2021), korrigierten auf 2.848 EUR/m² (2024) und liegen 2025 wieder bei 3.111 EUR/m².
Wirtschaft und Arbeitsmarkt
Der Landkreis Günzburg hat eine ausgeprägte industrielle Struktur, die maßgeblich vom Automobilzulieferer-Sektor geprägt ist. Die Faist-Gruppe war über Jahrzehnte einer der größten Arbeitgeber des Kreises. Nach der Fusion zur AKsys-Gruppe und der Insolvenz 2009 wurden die Standorte im Kreis auf verschiedene Unternehmen aufgeteilt: Borgers AG übernahm die Werke in Krumbach und Ellzee, Geiger Automotive den Standort Ziemetshausen, AdMould Thannhausen. Zusammen beschäftigten diese vier Standorte rund 700 Mitarbeiter und stellten Tiefzieh- und Schaumteile, Entdröhnfolien und Innenausstattungsteile für die Automobilindustrie her.
Ein weiterer historisch bedeutsamer Industriestandort ist das Kernkraftwerk Gundremmingen an der Donau. Es war das leistungsstärkste Kernkraftwerk Deutschlands mit zuletzt zwei aktiven Blöcken (Block B und C) und einer elektrischen Bruttoleistung von je 1.344 MW. Block B wurde 2017, Block C 2021 abgeschaltet. Block A war bereits seit 1983 in Rückbau. Der Standort wird nun als Technologiezentrum für die Bearbeitung radioaktiver Stoffe und die Instandhaltung von Kraftwerkskomponenten genutzt.
Die Rehabilitationsklinik für schwer Schädel- und Hirnverletzte in Burgau, gefördert vom Bezirk Schwaben, ist ein weiterer bedeutender Arbeitgeber im Süden des Kreises.
Der Prognos-Index für Arbeitsmarkt liegt mit Platz 280 von 400 im unteren Drittel, was auf strukturelle Herausforderungen im lokalen Arbeitsmarkt hindeutet. Der Wohlstands-Index mit Platz 52 schneidet dagegen deutlich besser ab.
Verkehr und Erreichbarkeit
Die Verkehrsanbindung des Landkreises Günzburg ist durch die Bahnstrecke Augsburg–Ulm geprägt, die den Kreis in West-Ost-Rurchquert. Auf dieser Strecke liegen die Haltepunkte Jettingen-Scheppach, Burgau, Offingen, Günzburg und Leipheim. Günzburg ist dabei der wichtigste Eisenbahnknoten des Kreises mit Anschluss an die Strecke nach Mindelheim und Kempten.
Ein bedeutendes Infrastrukturprojekt ist das Bahnprojekt Ulm–Augsburg (ULA), eine geplante Neu- und Ausbaustrecke für bis zu 300 km/h. Das Raumordnungsverfahren wurde 2024 abgeschlossen. Die Fahrzeit zwischen Ulm und Augsburg soll von heute 38–43 auf 26 Minuten sinken. Die neue Strecke wird den Bahnhof Günzburg nicht direkt bedienen; Günzburg bleibt über die Bestandsstrecke angebunden. Die Investitionssumme beträgt 2,039 Milliarden Euro (Preisstand 2015). Ein Fertigstellungstermin ist noch nicht bekannt.
Die A8-Autobahn verläuft südlich des Landkreises bei Jettingen-Scheppach und bietet eine gute Anbindung an die Metropolregionen München und Stuttgart. Die Gemeinde Günzburg liegt an der Donau und ist Teil des Schwäbischen Barockwinkels.
Entwicklung und Ausblick
Der Landkreis Günzburg befindet sich in einem strukturellen Wandel. Die Stilllegung des Kernkraftwerks Gundremmingen 2021 und die Zerschlagung der Faist/AKsys-Gruppe 2009 haben industrielle Arbeitsplätze reduziert. Die Nachfolgeunternehmen Borgers AG, Geiger Automotive und AdMould haben die Standorte übernommen, aber die Beschäftigungszahlen sind nicht mehr auf dem früheren Niveau.
Die Bevölkerungsentwicklung ist positiv: Von 2015 bis 2023 wuchs der Kreis um rund 6,6 Prozent, was auf Zuzug aus den umliegenden Großstädten Augsburg und Ulm hindeuten könnte. Die Immobilienpreise haben sich seit 2018 deutlich entwickelt, mit einem starken Mietanstieg und einem Kaufpreis-Höhepunkt 2021, gefolgt von einer Korrektur 2024 und einem neuen Anstieg 2025.
Das Bahnprojekt Ulm–Augsburg könnte die Erreichbarkeit des Kreises in Zukunft verbessern, auch wenn Günzburg selbst nicht directly an der Neubaustrecke liegt. Die Bestandsstrecken-Anbindung bleibt erhalten.
Die Spreizung der Immobilienpreise innerhalb des Kreises von Faktor 2,4 zwischen teuersten und günstigsten Gemeinden zeigt, dass der Markt differenziert zu betrachten ist. Während die Gemeinden im Süden entlang der A8 und der Bahnstrecke Augsburg–Ulm hohe Preise aufweisen, bieten die Gemeinden im Norden und Osten der Kammel und im Donaumoos deutlich günstigere Optionen mit teils hohen Renditen.