Marktüberblick und Einordnung
Der Landkreis Dahme-Spreewald liegt im Südosten Brandenburgs und umfasst 37 Gemeinden auf 2.274,52 Quadratkilometern. Mit rund 180.000 Einwohnern (31. Dezember 2025) und einer Bevölkerungsdichte von 79 Einwohnern je Quadratkilometer ist er ein eher ländlich geprägter Kreis. Der Mittelwert der Kaufpreise liegt bei 2.491 Euro je Quadratmeter, der der Mieten bei 10,09 Euro je Quadratmeter. Damit rangiert der Kreis im Brandenburg-Vergleich auf Platz 9 von 18 Kreisen nach Kaufpreis und liegt über dem Bundesdurchschnitt von 2.409 Euro je Quadratmeter.
Die Bevölkerungsentwicklung ist positiv: Von 164.528 Einwohnern im Jahr 2015 wuchs die Zahl bis 2023 auf 180.242, was einem Anstieg von rund 9,5 Prozent in acht Jahren entspricht. Diese Entwicklung ist vor allem dem Norden des Kreises geschuldet, der zur Agglomeration Berlin gehört.
Der Prognos-Zukunftsatlas 2025 ordnet den Kreis auf Rang 165 von rund 400 deutschen Kreisen ein. Besonders stark ist die Dynamik mit Rang 26 – ein herausragendes Ergebnis. Schwächer ist die wirtschaftliche Stärke mit Rang 217.
Innere Struktur und Preisgefälle
Die Spreizung innerhalb des Kreises ist außergewöhnlich groß. Die Kaufpreise reichen von 855 Euro je Quadratmeter in Drahnsdorf bis 4.418 Euro je Quadratmeter in Teupitz – ein Faktor von mehr als fünf. Auch bei den Mieten liegt die Spanne zwischen 6,03 Euro je Quadratmeter in Lieberose und 16,03 Euro je Quadratmeter in Schönefeld. Die Renditen variieren von 2,87 Prozent in Rietzneuendorf-Staakow bis 11,1 Prozent in Drahnsdorf.
Ein klares Muster ist erkennbar: Die teuersten Gemeinden liegen im Norden des Kreises, in unmittelbarer Nähe zu Berlin. Schönefeld (4.159 Euro/m²), Zeuthen (4.215 Euro/m²), Wildau (4.268 Euro/m²), Bestensee (4.290 Euro/m²) und Teupitz (4.418 Euro/m²) bilden eine Nord-Süd-Achse entlang der Berliner Umlandachse. Diese Gemeinden profitieren direkt von der Nähe zur Hauptstadt und der guten Verkehrsanbindung.
Im Süden des Kreises, im Spreewald und in der Niederlausitz, liegen die günstigsten Gemeinden. Drahnsdorf (855 Euro/m²), Lieberose (1.175 Euro/m²), Spreewaldheide (1.195 Euro/m²) und Straupitz (1.297 Euro/m²) haben Kaufpreise, die deutlich unter dem Kreis- und Bundesdurchschnitt liegen. Diese Gemeinden sind ländlich geprägt, haben geringe Einwohnerzahlen und liegen weit entfernt von den Berliner Pendlerachsen.
Die mittlere Preisachse des Kreises verläuft durch Königs Wusterhausen (3.475 Euro/m²), Lübben (2.416 Euro/m²) und Mittenwalde (3.249 Euro/m²). Diese Städte fungieren als regionale Zentren mit eigener Infrastruktur, erreichen aber nicht die Berliner-Umland-Preise der nördlichen Gemeinden.
Wirtschaft und Arbeitsmarkt
Der Landkreis Dahme-Spreewald ist strukturell in zwei völlig unterschiedliche Räume gegliedert. Der Norden gehört zur Agglomeration Berlin und wird geprägt durch den Flughafen Berlin Brandenburg (BER) in Schönefeld, die Technische Hochschule Wildau und den S-Bahn-Anschluss an die Hauptstadt. Der Süden wird geprägt durch das Biosphärenreservat Spreewald, den Tourismus und die ländliche Struktur der Niederlausitz.
Der Flughafen Berlin Brandenburg ist der größte Infrastruktur- und Wirtschaftsfaktor des Kreises. Er liegt direkt in Schönefeld, wurde am 31. Oktober 2020 eröffnet und war 2025 mit 26,1 Millionen Passagieren der drittgrößte deutsche Flughafen. Die Gesamtkosten des Projekts betrugen rund 7,3 Milliarden Euro. Der Flughafen prägt die Gemeinden Schönefeld, Schulzendorf und Wildau unmittelbar und ist ein wichtiger Arbeitgeber für die Region. Die Gemeinde Schönefeld hat 19.351 Einwohner und ist nach Königs Wusterhausen die zweitgrößte des Kreises.
Wildau ist ein weiterer wirtschaftlicher Ankerpunkt. Die Stadt mit 10.952 Einwohnern ist bekannt durch die Technische Hochschule Wildau mit über 4.000 Studierenden und trägt seit 2024 den Beinamen Hochschulstadt. Auf dem Gelände des ehemaligen Schwermaschinenwerks »Heinrich Rau« haben sich Nachfolgefirmen und Neuansiedlungen angesiedelt. Das A10 Center in Wildau ist ein bedeutendes Gewerbezentrum.
Im Süden des Kreises, in Lübben, befindet sich das Spreewerk Lübben, ein ehemaliger Munitionshersteller und heutiges Entsorgungsunternehmen. Das Werk ging 1995 in den Dauerbetrieb, hatte seine Beschäftigtenzahl von über 800 auf 28 reduziert und stellte den Betrieb im Januar 2024 wegen mangelnder Auslastung ein. Im Juli 2024 übernahmen Diehl Defence und die Tauber Unternehmensgruppe das Werk. Bis Mai 2025 stieg die Zahl der Beschäftigten von 28 auf über 60, und rund 150 weitere Arbeitsplätze sollen geschaffen werden. Ab Sommer 2025 soll wieder Munitionsproduktion stattfinden. Dieser Strukturwandel ist ein wichtiger Faktor für die wirtschaftliche Entwicklung im südlichen Kreisgebiet.
Der Tourismus im Spreewald, einem Biosphärenreservat, ist ein weiterer Wirtschaftsfaktor. Lübben (Spreewald) trägt seit 1999 das Prädikat Staatlich anerkannter Erholungsort. Die Kreisstadt hat 13.992 Einwohner und liegt 40 Kilometer nordwestlich von Cottbus und 75 Kilometer südöstlich von Berlin. Das Spreewaldgebiet ist Teil des amtlichen sorbischen Siedlungsgebiets; neun Gemeinden des Kreises sind offiziell zweisprachig.
Drei Hochschulen sind im Kreis ansässig: die Technische Hochschule Wildau, die Deutsche Hochschule für Angewandte Wissenschaften (DHAW) in Wildau und die Fachhochschule für Finanzen des Landes Brandenburg in Königs Wusterhausen.
Verkehr und Erreichbarkeit
Der Landkreis Dahme-Spreewald ist verkehrlich gut erschlossen. Die A10 (Berliner Ring) durchquert den Kreis und bietet Anschlüsse in Königs Wusterhausen-Niederlehme und an weiteren Stellen. Die A11 verbindet den Kreis mit Frankfurt (Oder) und Polen.
Im Schienenverkehr ist der Norden des Kreises an die S-Bahn Berlin angebunden. Die S-Bahn-Linien S45 (bis Dezember 2025) und S85 verbinden Königs Wusterhausen, Wildau, Zeuthen und Schönefeld mit Berlin. Der Bahnhof Flughafen Berlin-Schönefeld ist über die S-Bahn-Linie S85 erreichbar. Regionalverbindungen bestehen über die RB22 (Golm – Flughafen BER – Königs Wusterhausen) und die RB23.
Die Regionale Verkehrsgesellschaft Dahme-Spreewald (RVS) betreibt 56 Buslinien mit 161 Bussen und 285 Mitarbeitern. Seit August 2020 verbinden die PlusBus-Linien 735 und 736 Königs Wusterhausen über Wildau mit dem Flughafen BER. Die Nachtlinie N36 verbindet Mittenwalde über Königs Wusterhausen, Wildau und Schulzendorf mit dem Flughafen. Im südlichen Teil des Kreises wird die Region durch die PlusBus-Linien 472 (Lübben–Luckau) und 500 (Lübben–Burg) erschlossen.
Die gute Verkehrsanbindung des nördlichen Kreisgebiets ist ein wesentlicher Faktor für die hohen Immobilienpreise in Gemeinden wie Schönefeld, Zeuthen, Wildau und Bestensee. Diese Orte sind als Berliner Umlandgemeinden attraktiv für Pendler. Im Süden des Kreises, im Spreewald und in der Niederlausitz, ist die Verkehrsanbindung deutlich schwächer ausgeprägt, was sich in den niedrigeren Immobilienpreisen widerspiegelt.
Entwicklung und Ausblick
Die Bevölkerung des Kreises ist seit 2015 um rund 9,5 Prozent gewachsen, von 164.528 auf 180.242 Einwohner. Diese Entwicklung ist vor allem dem Norden des Kreises geschuldet, der zur Agglomeration Berlin gehört. Die Kaufpreise im Norden des Kreises haben sich zwischen 2018 (2.271 Euro/m²) und 2024 (3.055 Euro/m²) um rund 35 Prozent erhöht, wobei sie 2020 einen Höhepunkt von 3.638 Euro/m² erreichten und danach korrigierten. Die Mieten stiegen von 9,12 Euro/m² (2018) auf 13,05 Euro/m² (2024), was einem Anstieg von rund 43 Prozent entspricht.
Der Strukturwandel im Spreewerk Lübben ist ein wichtiger Faktor für die Zukunft des südlichen Kreisgebiets. Die Übernahme durch Diehl Defence und die Tauber Unternehmensgruppe mit dem Plan, wieder Munitionsproduktion aufzunehmen und 150 weitere Arbeitsplätze zu schaffen, könnte die wirtschaftliche Perspektive im Süden des Kreises verbessern.
Der Flughafen Berlin Brandenburg bleibt ein zentraler Wirtschaftsfaktor. Mit 26,1 Millionen Passagieren (2025) und einer Kapazität von 36 Millionen ist er einer der wichtigsten Verkehrsstandorte Deutschlands. Die Gemeinden Schönefeld, Schulzendorf und Miersdorf profitieren unmittelbar von der Flughafennähe.
Die Technische Hochschule Wildau mit über 4.000 Studierenden und die Fachhochschule für Finanzen in Königs Wusterhausen sind wichtige Bildungsstandorte, die zur Attraktivität des nördlichen Kreisgebiets beitragen. Die S-Bahn-Anbindung an Berlin und die PlusBus-Verbindungen zum Flughafen stärken die Erreichbarkeit weiter.
Im Süden des Kreises bleibt der Tourismus im Biosphärenreservat Spreewald ein wichtiger Wirtschaftszweig. Die zweisprachige Prägung (Deutsch und Niedersorbisch) von neun Gemeinden ist ein kulturelles Alleinstellungsmerkmal, das über den regionalen Tourismus hinaus Beachtung findet.