Marktüberblick und Einordnung
Der Landkreis Göppingen liegt im östlichen Vorland der Schwäbischen Alb und gehört zum Verband Region Stuttgart. Mit 263.706 Einwohnern auf 642,3 Quadratkilometern ist er mit 411 Einwohnern je Quadratkilometer dicht besiedelt. Der Kreis umfasst 38 Gemeinden, darunter drei Große Kreisstädte: Göppingen (59.300 Einwohner), Geislingen an der Steige (29.261) und Eislingen/Fils (21.894).
Der mittlere Kaufpreis liegt bei 3.017 Euro je Quadratmeter, damit rangiert der Kreis auf Platz 25 von 44 Landkreisen in Baden-Württemberg. Die durchschnittliche Mietpreis-Angebotswerte betragen 11,16 Euro je Quadratmeter. Die Bruttomietrendite liegt bei 4,49 Prozent. Im bundesweiten Vergleich (386 Kreise) liegt der Kreis deutlich über dem deutschen Durchschnitt von 2.408 Euro je Quadratmeter Kaufpreis und 8,92 Euro je Quadratmeter Miete.
Die Bevölkerung wuchs von 252.749 im Jahr 2015 auf 263.706 im Jahr 2023, was einem Anstieg von rund 4,4 Prozent entspricht. Der Prognos-Zukunftsatlas 2025 ordnet den Kreis auf Rang 116 von rund 400 deutschen Kreisen zu (Gesamtrang). Der Rang im Bereich Wettbewerb und Innovation liegt bei 129, der im Bereich Wohlstand und soziale Lage bei 137. Der Dynamik-Rang mit 310 ist vergleichsweise niedrig, was auf strukturelle Herausforderungen in einigen Teilen des Kreises hindeutet.
Innere Struktur und Preisgefälle
Der Immobilienmarkt im Landkreis Göppingen weist eine deutliche innere Spreizung auf, die sich entlang der Filstal-Achse und zum Albvorland hin ablesen lässt.
Die teuersten Gemeinden liegen im Norden und Westen des Kreises, nahe an der Kreisstadt Göppingen und im Schurwald: Wangen (3.696 Euro/m²), Aichelberg (3.689 Euro/m²), Albershausen (3.650 Euro/m²), Bad Boll (3.636 Euro/m²) und Süßen (3.538 Euro/m²). Diese Gemeinden profitieren von der Nähe zum Mittelzentrum Göppingen und zur Metropolregion Stuttgart.
Die günstigsten Gemeinden finden sich im Süden und Südosten des Kreises, im oberen Filstal und am Albtrauf: Wiesensteig (1.839 Euro/m²), Deggingen (2.259 Euro/m²), Lauterstein (2.297 Euro/m²), Drackenstein (2.346 Euro/m²) und Bad Überkingen (2.517 Euro/m²). Die Kaufpreisspanne zwischen der teuersten und günstigsten Gemeinde beträgt mehr als 1.800 Euro je Quadratmeter.
Auch bei der Mietpreis-Spreizung zeigt sich ein klares Muster: Die höchsten Mietwerte finden sich in Hohenstadt (16,98 Euro/m²), gefolgt von Ebersbach an der Fils (13,10 Euro/m²) und Aichelberg (12,73 Euro/m²). Die niedrigsten Mietpreise liegen in Drackenstein (8,51 Euro/m²) und Lauterstein (8,56 Euro/m²).
Die Rendite-Spanne reicht von 3,59 Prozent in Wangen bis 6,33 Prozent in Wiesensteig. Die günstigsten Kaufpreisfaktoren (niedrig = günstiger) finden sich in Wiesensteig (15,8), Hohenstadt (17,1) und Deggingen (17,8). Die teuersten Faktoren liegen in Wangen (27,9), Adelberg (27,3) und Bad Boll (27,3).
Die Kreisstadt Göppingen selbst liegt mit 3.149 Euro/m² knapp über dem Kreisdurchschnitt. Geislingen an der Steige liegt mit 2.670 Euro/m² unter dem Durchschnitt, Eislingen/Fils mit 3.142 Euro/m² knapp darüber. Die Zeitreihen zeigen, dass die Kaufpreise von 2.478 Euro/m² (2018) auf einen Höhepunkt von 3.386 Euro/m² (2021) stiegen, dann auf 2.920 Euro/m² (2023) fielen und sich seitdem wieder erholten. Die Mietpreise stiegen kontinuierlich von 8,88 Euro/m² (2018) auf 11,61 Euro/m² (2024).
Wirtschaft und Arbeitsmarkt
Der Landkreis Göppingen ist geprägt von einer starken industriellen Basis im Bereich des Maschinenbaus, der Metallumformtechnik und der Software. Die Wirtschaft des Kreises wird von mehreren international tätigen Unternehmen getragen.
WMF (Groupe SEB) hat seinen Hauptsitz in Geislingen an der Steige und beschäftigt weltweit rund 6.500 Mitarbeiter. Das 1853 gegründete Unternehmen ist Hersteller von Haushalts-, Gastronomie- und Hotelleriewaren und einer der größten Arbeitgeber des südlichen Kreisgebiets.
TeamViewer SE mit Hauptsitz in Göppingen ist ein börsennotiertes Softwareunternehmen, das 2025 einen Umsatz von 767,5 Millionen Euro erzielte und 1.925 Mitarbeiter beschäftigte. Das Unternehmen ist weltweit führend in der Fernwartungssoftware und ein Beispiel für den wachsenden Technologie-Sektor im Kreis.
Die Schuler AG, ebenfalls in Göppingen ansässig, ist weltweit Marktführer in der Metallumformtechnik und wurde 2013 von der österreichischen Andritz AG übernommen. Das Unternehmen liefert Pressen und Umformtechnologie für die Automobilindustrie.
Märklin (Gebr. Märklin & Cie. GmbH) ist ein bekannter Spielzeughersteller mit Hauptsitz in Göppingen, der vor allem für seine Modelleisenbahnen weltweit bekannt ist.
Im ländlichen Raum spielt die mittelständische Industrie eine wichtige Rolle: ERNI Electronics in Adelberg ist mit rund 650 Mitarbeitern das größte Industrieunternehmen dieser Gemeinde und Hersteller von industriellen Steckverbindern, unter anderem für die Automobilindustrie.
Die Hochschule Esslingen betreibt seit 1988 einen Campus in Göppingen mit den Studiengängen Maschinenbau/Fertigungssysteme, Mikroelektronik/Mikromechanik und Mechatronik. Dieser Standort trägt zur Qualifizierung des lokalen Arbeitsmarktes bei und bindet den Kreis an das Bildungs- und Forschungsnetzwerk der Region Stuttgart.
Verkehr und Erreichbarkeit
Der Landkreis Göppingen ist durch zwei bedeutende Verkehrsachsen geprägt: die B 10 und die Filstalbahn.
Die Bundesstraße 10 verläuft in Ost-West-Richtung durch den gesamten Kreis und ist von Stuttgart bis Süßen vierspurig ausgebaut. Sie verbindet den Kreis direkt mit der Metropolregion Stuttgart im Norden und Ulm im Süden. Die vierspurige Trasse führt durch Ebersbach, Uhingen, Göppingen, Eislingen, Salach, Süßen und Geislingen.
Die Filstalbahn verläuft parallel zur B 10 und verbindet Stuttgart über Plochingen, Göppingen, Eislingen, Süßen und Geislingen mit Ulm. Sie ist eine der wichtigsten Regionalbahnstrecken im Raum Stuttgart und ermöglicht Pendlerverbindungen in beide Richtungen.
Ein wichtiger neuer Verkehrsknoten ist der Bahnhof Merklingen–Schwäbische Alb an der Schnellfahrstrecke Wendlingen–Ulm, die im Dezember 2022 in Betrieb ging. Der Bahnhof ist Deutschlands höchstgelegener Bahnhof an einer Schnellfahrstrecke und wird montags bis freitags von etwa 1.100 Reisenden genutzt. Er bietet ICE-Anbindungen nach Stuttgart und Ulm und erschließt damit den südlichen Teil des Kreises, der bisher nur über die Filstalbahn angebunden war.
Die Anbindung an die Metropolregion Stuttgart ist ein wesentlicher Standortfaktor: Göppingen liegt etwa 40 Kilometer östlich von Stuttgart und ist Teil des Verbandes Region Stuttgart. Die Gemeinden im Norden des Kreises (wie Ebersbach, Uhingen, Göppingen) profitieren von der kurzen Distanz zum Stuttgarter Umland.
Entwicklung und Ausblick
Der Landkreis Göppingen steht vor strukturellen Herausforderungen, die sich im Süden des Kreises besonders deutlich zeigen.
Im Mai 2021 beschloss der Kreistag die Schließung der Helfenstein-Klinik in Geislingen an der Steige. Diese Entscheidung löste in den Gemeinden des oberen Filstals erhebliche Unzufriedenheit aus. Die betroffenen Gemeinden Wiesensteig, Mühlhausen, Hohenstadt, Drackenstein, Bad Überkingen, Geislingen an der Steige und Böhmenkirch überlegen seit 2021, zum Alb-Donau-Kreis zu wechseln. In Geislingen stimmten 81,46 Prozent der Stimmberechtigten (bei einer Beteiligung von 56,5 Prozent) für eine Prüfung des Kreiswechsels, in Böhmenkirch 71,53 Prozent (bei 74,2 Prozent Beteiligung). Die Entscheidungsgewalt über einen Kreiswechsel liegt beim Landtag.
Die Schließung der Klinik hat die Wahrnehmung der Abgehängtseinheit in den südlichen Gemeinden verstärkt und trägt zur niedrigen Dynamik des Kreises im Prognos-Zukunftsatlas (Rang 310 von rund 400) bei. Die Gemeinden im oberen Filstal und am Albtrauf haben mit geringerer Einwohnerzahl, niedrigeren Kaufpreisen und geringerer wirtschaftlicher Diversifizierung zu kämpfen als die Gemeinden im Filstal um Göppingen und Eislingen.
Die Kaufpreisentwicklung zeigt eine Erholung nach dem Einbruch 2023: Von 2.920 Euro/m² (2023) stieg der Kreiswert auf 3.002 Euro/m² (2024) und 3.112 Euro/m² (2025). Die Mietpreise lagen 2024 bei 11,61 Euro/m² und zeigen weiterhin steigende Tendenzen. Die Bevölkerungszunahme von 252.749 (2015) auf 263.706 (2023) unterstreicht die Attraktivität des Kreises als Wohnstandort in der Region Stuttgart.