Marktüberblick und Einordnung
Der Landkreis Ravensburg liegt im südöstlichen Baden-Württemberg und umfasst 39 Gemeinden auf 1.632 Quadratkilometern. Mit rund 293.000 Einwohnern ist er flächenbezogen der zweitgrößte Kreis Baden-Württembergs. Der Kreis gehört zum Regionalverband Bodensee-Oberschwaben und bildet mit Ravensburg und Weingarten ein Oberzentrum in Funktionsergänzung zu Friedrichshafen.
Der durchschnittliche Kaufpreis liegt bei 3.185 Euro pro Quadratmeter und damit knapp über dem baden-württembergischen Landesdurchschnitt von 3.140 Euro. Im bundesweiten Vergleich von rund 386 Kreisen belegt der Landkreis Rang 20 von 44 im eigenen Bundesland. Der deutsche Durchschnitt liegt bei 2.409 Euro, der Landkreis Ravensburg liegt also deutlich über dem Bundesdurchschnitt. Die durchschnittliche Bruttomietrendite beträgt 4,38 Prozent, die durchschnittliche Miete 11,33 Euro pro Quadratmeter.
Die Bevölkerung hat sich von 279.296 im Jahr 2015 auf 293.148 im Jahr 2023 kontinuierlich erhöht, was auf eine positive Entwicklung des Standorts hindeutet.
Der Prognos-Zukunftsatlas 2025 ordnet den Landkreis Ravensburg auf Rang 63 von rund 400 deutschen Kreisen zu. Besonders gut positioniert ist er im Bereich Wettbewerb und Innovation mit Rang 39. Die Bereiche Demografie (Rang 85) und Arbeitsmarkt (Rang 210) liegen im Mittelfeld.
Innere Struktur und Preisgefälle
Der Immobilienmarkt des Landkreises Ravensburg ist keineswegs homogen. Die Spreizung innerhalb der 39 Gemeinden ist erheblich: Der Kaufpreis reicht von 1.856 Euro pro Quadratmeter in Königseggwald bis 4.131 Euro in Ravensburg – ein Faktor von mehr als 2,2. Die Mietpreise variieren zwischen 7,64 Euro in Fleischwangen und 14,61 Euro in Ravensburg.
Die teuersten Gemeinden des Kreises sind Ravensburg (4.131 €/m²), Wangen im Allgäu (4.122 €/m²), Weingarten (4.096 €/m²), Wolfegg (4.036 €/m²) und Berg (3.994 €/m²). Diese fünf Gemeinden liegen allesamt im südlichen und zentralen Teil des Kreises. Ravensburg als größte Stadt mit rund 51.800 Einwohnern bildet das klare Zentrum. Wangen und Weingarten sind mit rund 27.600 bzw. 25.500 Einwohnern ebenfalls bedeutende Städte.
Im Gegensatz dazu liegen die günstigsten Gemeinden im nördlichen und nordwestlichen Teil des Kreises: Königseggwald (1.856 €/m²), Fleischwangen (2.034 €/m²), Unterwaldhausen (2.147 €/m²), Riedhausen (2.227 €/m²) und Aichstetten (2.244 €/m²). Diese Gemeinden haben zwischen 283 und 2.844 Einwohner und sind deutlich kleiner.
Die Rendite-Spreizung ist ebenfalls groß: Sie reicht von 3,06 Prozent in Wolfegg bis 6,11 Prozent in Königseggwald. Die teuersten Gemeinden weisen die niedrigsten Renditen auf, was dem typischen Muster in begehrten Lagen entspricht.
Ein deutliches Preisgefälle ist entlang der A96-Achse erkennbar: Die Gemeinden an der Autobahn (Wangen, Kißlegg, Leutkirch) liegen mit Kaufpreisen zwischen 3.135 und 3.532 Euro pro Quadratmeter im oberen Mittelfeld. Die abgelegeneren Gemeinden im Norden des Kreises liegen deutlich darunter.
Leutkirch im Allgäu (3.135 €/m²), Bad Waldsee (3.459 €/m²) und Isny im Allgäu (3.508 €/m²) bilden eine weitere Gruppe von Städten mit überdurchschnittlichen Preisen. Isny profitiert als heilklimatischer Kurort im württembergischen Allgäu.
Wirtschaft und Arbeitsmarkt
Der Landkreis Ravensburg ist geprägt von zwei großen Medienunternehmen mit Hauptsitz in Ravensburg: der Ravensburger AG und der Schwäbischer Verlag GmbH & Co. KG (SV Gruppe).
Die Ravensburger AG ist ein weltweit tätiges Unternehmen, das international vor allem durch Gesellschaftsspiele und Puzzles bekannt ist. Das 1883 gegründete Unternehmen beschäftigte 2024 2.483 Mitarbeiter und erwirtschaftete 2024 einen Umsatz von 790 Millionen Euro. Als Puzzlehersteller ist Ravensburger in Europa führend und in Nordamerika an zweiter Position.
Die Schwäbischer Verlag GmbH & Co. KG Drexler, Gessler (SV Gruppe) beschäftigt ca. 2.500 Mitarbeiter und betreibt die Schwäbische Zeitung, den Nordkurier, Radiosender, Fernsehsender sowie Druckereien. Das Unternehmen wurde 1945 gegründet und hat seinen Hauptsitz in Ravensburg.
60,2 Prozent der Gesamtfläche des Kreises werden landwirtschaftlich genutzt, was die Bedeutung der Landwirtschaft als Strukturmerkmal unterstreicht. Der Kreis grenzt an mehrere bayerische Landkreise (Unterallgäu, Oberallgäu, Lindau) sowie an den Bodenseekreis und den Landkreis Sigmaringen, was die regionale Vernetzung mit dem Allgäu und dem Bodenseeraum verdeutlicht.
Die Prognos-Bewertung zeigt mit Rang 39 im Bereich Wettbewerb und Innovation eine starke wirtschaftliche Position des Kreises. Die Bereiche Demografie (Rang 85) und Arbeitsmarkt (Rang 210) liegen dagegen im Mittelfeld.
Verkehr und Erreichbarkeit
Der Landkreis Ravensburg ist über die Bundesautobahn 96 (A96) an das überregionale Straßennetz angebunden. Die A96 verbindet die Bodenseeregion mit München und verläuft durch den nördlichen Teil des Kreises. Im Landkreis Ravensburg befinden sich die Anschlussstellen Wangen-West, Wangen-Nord, Kißlegg, Leutkirch-Süd, Leutkirch-West, Aichstetten und Aitrach. Die A96 ist Teil der Europastraße 43 und 54 und stellt eine wichtige Verbindung zum Fünfseenland und zum Großraum München dar.
Im Schienenverkehr ist Ravensburg seit Dezember 2021 über die elektrifizierte Bahnstrecke Ulm–Friedrichshafen an das ICE-Netz angebunden. Täglich verkehrt ein ICE-Zugpaar (ICE 118/119) zwischen Ulm und Friedrichshafen, das Ravensburg bedient. Zusätzlich verkehren Regionalzüge der DB Regio und der Bodensee-Oberschwaben-Bahn.
Die nächsten Flughäfen sind der Flughafen Friedrichshafen und der Flughafen Memmingen, die von vielen Fluggesellschaften bedient werden. Die Entfernung zum Flughafen München beträgt über die A96 rund 130 Kilometer.
Ravensburg und Weingarten bilden zusammen mit Friedrichshafen das Oberzentrum des Regionalverbands Bodensee-Oberschwaben. Der Mittelbereich Ravensburg/Weingarten umfasst 13 Gemeinden mit rund 130.000 Einwohnern.
Bildung und Infrastruktur
Im Bildungsbereich verfügt der Landkreis über zwei Hochschulen in Weingarten: die Hochschule Ravensburg-Weingarten (Fachbereiche Technik, Wirtschaft und Sozialwesen) und die Pädagogische Hochschule Weingarten. Beide Hochschulen sind universitäre Einrichtungen und tragen zur Attraktivität des Standorts bei.
Die Stadt Weingarten, die unmittelbar nördlich von Ravensburg liegt, hat sich auf nur 12,16 Quadratkilometern zu einer dicht besiedelten Gemeinde mit über 2.000 Einwohnern pro Quadratkilometer entwickelt. Die räumliche Nähe zu Ravensburg macht Weingarten zur Pendlergemeinde für das Oberzentrum.
Isny im Allgäu im südöstlichen Teil des Kreises ist ein heilklimatischer Kurort und trägt zum Tourismus bei. Die Gemeinde hat rund 15.200 Einwohner und liegt im württembergischen Allgäu.
Entwicklung und Ausblick
Die Zeitreihen der letzten Jahre zeigen eine dynamische Entwicklung: Die Mietpreise sind von 9,02 Euro pro Quadratmeter im Jahr 2018 auf 12,01 Euro im Jahr 2025 gestiegen. Die Kaufpreise stiegen von 2.927 Euro im Jahr 2018 auf einen Höchststand von 3.761 Euro im Jahr 2021, korrigierten dann leicht auf 3.438 Euro im Jahr 2024 und stiegen 2025 wieder auf 3.735 Euro. Die Zeitreihen für 2026 sind als geschätzt gekennzeichnet.
Die Bevölkerungsentwicklung ist positiv: Von 279.296 Einwohnern im Jahr 2015 auf 293.148 im Jahr 2023 entspricht dies einem Zuwachs von rund 14.000 Einwohnern in acht Jahren.
Die Kombination aus Oberzentralität, ICE-Anbindung, zwei Hochschulen und der Anbindung an die A96 nach München bildet die Grundlage für die wirtschaftliche und demografische Entwicklung des Kreises. Die starke Spreizung der Immobilienpreise innerhalb des Kreises zeigt, dass die Lagefaktoren – insbesondere die Nähe zu Ravensburg, Weingarten und der A96 – eine entscheidende Rolle für die Wertentwicklung spielen.