Marktüberblick und Einordnung
Der Landkreis Diepholz liegt im Zentrum Niedersachsens und erstreckt sich von Bremen etwa 70 Kilometer nach Süden bis zur Landesgrenze Nordrhein-Westfalens. Mit 223.832 Einwohnern auf 1.991 Quadratkilometern ist er ein Sektoralkreis, der die kleinste Stadt (Bremen) mit dem bevölkerungsreichsten Bundesland (Niedersachsen) verbindet. Der Kreis umfasst 45 Gemeinden und weist einen mittleren Kaufpreis von 2.045 Euro pro Quadratmeter sowie eine mittlere Mietpreis von 7,99 Euro pro Quadratmeter auf. Damit liegt der Kreis im Niedersachsen-Vergleich auf Rang 28 von 45 Kreisen nach Kaufpreis und liegt unter dem Landesdurchschnitt von 2.166 Euro pro Quadratmeter sowie dem Bundesdurchschnitt von 2.409 Euro pro Quadratmeter. Die durchschnittliche Bruttorendite beträgt 4,91 Prozent.
Innere Struktur und Preisgefälle
Der Immobilienmarkt im Landkreis Diepholz zeigt eine deutliche innere Struktur, die sich an der Lage zum benachbarten Bremen orientiert. Die teuersten Gemeinden liegen im Norden des Kreises: Weyhe (3.150 Euro/m², 31.958 Einwohner) und Stuhr (2.925 Euro/m², 34.176 Einwohner) bilden das Preiszentrum und sind die beiden größten Gemeinden des Kreises. Syke (2.676 Euro/m², 24.956 Einwohner) schließt sich nordwestlich an. Diese drei Gemeinden bilden den eigentlichen Bremer Speckgürtel und weisen Mietpreise von 9,68 bis 11,24 Euro pro Quadratmeter auf.
Entlang der A1 und der Bahnstrecke Wanne-Eickel–Hamburg fällt das Preisgefälle nach Süden deutlich ab. Die Kreisstadt Diepholz (2.136 Euro/m², 17.608 Einwohner) liegt bereits deutlich unter dem Norden. Im südlichen Teil des Kreises bewegen sich die Kaufpreise zwischen 1.173 Euro/m² in Maasen und 2.570 Euro/m² in Sulingen. Die günstigsten Gemeinden wie Maasen (1.173 Euro/m²), Stemshorn (1.192 Euro/m²) und Barver (1.271 Euro/m²) sind kleine Gemeinden mit unter 1.100 Einwohnern im ländlichen Raum.
Die Spreizung ist erheblich: Der Kaufpreis reicht von 1.173 Euro/m² bis 3.191 Euro/m² in Lembruch, die Miete von 5,79 Euro/m² bis 11,24 Euro/m². Die Rendite-Spanne liegt zwischen 3,05 Prozent in Drentwede und 7,66 Prozent in Hemsloh. Die teuerste Gemeinde Lembruch (3.191 Euro/m²) ist mit 1.254 Einwohnern eine kleine Gemeinde am Dümmer, die als staatlich anerkannter Erholungsort eine Sonderstellung einnimmt.
Die Zeitreihen zeigen, dass die Kaufpreise von 2.014 Euro/m² (2018) auf 2.566 Euro/m² (2024) stiegen und 2025 auf 2.854 Euro/m² anstiegen. Die Miete entwickelte sich von 6,66 Euro/m² (2018) auf 9,16 Euro/m² (2024). Die Bevölkerung wuchs von 205.139 (2015) auf 223.832 (2023), was auf die positive Entwicklung im Bremer Umland zurückzuführen ist.
Wirtschaft und Arbeitsmarkt
Die Wirtschaft des Landkreises ist durch zwei unterschiedliche Zentren geprägt. Im Norden dominiert der Bremer Speckgürtel mit Stuhr, Weyhe und Syke als größte Gemeinden. Diese Gemeinden profitieren von der Nähe zur Hansestadt und ziehen Pendler an, die in Bremen arbeiten.
Im Süden, in der Samtgemeinde Altes Amt Lemförde, konzentriert sich die industrielle Wertschöpfung. Die beiden größten Arbeitgeber der Region sind ZF Friedrichshafen (vormals ZF Lemförder, Division Fahrwerktechnik) und BASF Polyurethanes (vormals Elastogran). BASF Polyurethanes mit Sitz in Lemförde beschäftigte 1.667 Mitarbeiter (Stand 31. Dezember 2021) und erwirtschaftete 2021 einen Umsatz von 2,9 Milliarden Euro. Das Unternehmen ist ein weltweit führender Hersteller von Polyurethan und betreibt hier ein internationales Forschungszentrum. ZF Friedrichshafen, der weltweit tätige Automobilzulieferer mit 153.153 Mitarbeitern (2025) und 38,8 Milliarden Euro Umsatz, ist mit der Division Fahrwerktechnik im Kreisgebiet vertreten. Die Lemförder Metallwaren AG wurde 1984 von ZF übernommen und ist heute Teil der Division Fahrwerktechnik. Diese beiden Unternehmen verleihen der Samtgemeinde Altes Amt Lemförde die höchste Arbeitsplatzdichte im Kreis.
Der St. Ansgar Klinikverbund betreibt vier Krankenhäuser im Landkreis (Bassum, Sulingen, Diepholz, Twistringen) und ist damit ein bedeutender regionaler Arbeitgeber. Die Private Hochschule für Wirtschaft und Technik (PHWT) mit Standort in Diepholz bietet Studiengänge in den Bereichen Maschinenbau und Wirtschaft an.
Verkehr und Erreichbarkeit
Der Landkreis Diepholz ist durch ein dichtes Verkehrsnetz erschlossen. Die Bundesautobahn 1 (Hansalinie) von Bremen nach Osnabrück durchquert das nördliche Kreisgebiet. Am Autobahndreieck Stuhr schließt die A28 in Richtung Oldenburg und Niederlande an. Weitere Bundesstraßen verbinden den Kreis mit der Region: die B6 (Bremen–Hannover), die B51 (Stuhr–Osnabrück), die B61 (Bassum–Minden) und die B214 (Lingen–Celle).
In Nord-Süd-Richtung durchquert die Bahnstrecke Wanne-Eickel–Hamburg den Landkreis. Die Gemeinden im Norden profitieren von der Nähe zum Bremer Hauptbahnhof und dem Bremer Fernverkehrsknoten. Die A1-Anbindung bei Stuhr bietet direkten Zugang zum Bremer Stadtgebiet und zum Hafen.
Die Pendlerstruktur spiegelt die Zweiteilung des Kreises wider: Im Norden pendeln viele Einwohner nach Bremen, im Süden gibt es stärkere Verflechtungen mit Osnabrück und Minden. Die gute Erreichbarkeit Bremens ist ein wesentlicher Faktor für die hohen Immobilienpreise in Stuhr, Weyhe und Syke.
Natur, Tourismus und Entwicklung
Der Landkreis Diepholz ist geprägt durch zwei bedeutende Naturräume: die Diepholzer Moorniederung und den Dümmer See. Die Diepholzer Moorniederung mit rund 105.000 Hektar wurde 1979 zum Feuchtgebiet von internationaler Bedeutung gemäß Ramsar-Konvention erklärt. Sie ist ein wichtiger Brutplatz für den Goldregenpfeifer, den Raubwürger und die Sumpfohreule und entwickelt sich zum international bedeutenden Rastplatz für Kraniche und nordische Gänse (bis zu über 40.000 Kraniche im Herbst). Der Dümmer See mit 12,4 Quadratkilometern hat das Prädikat Europäisches Reservat erhalten.
Der Tourismus spielt eine wichtige Rolle, insbesondere am Dümmer und in der Moorniederung. Lembruch, eine kleine Gemeinde mit 1.254 Einwohnern, ist als staatlich anerkannter Erholungsort bekannt und weist mit 3.191 Euro/m² die höchsten Kaufpreise des Kreises auf. Der Naturpark Dümmer und die Moorbahnen in der Diepholzer Moorniederung ziehen Besucher an und tragen zur regionalen Wirtschaft bei.
Im Zukunftsatlas 2025 belegte der Landkreis Diepholz Platz 139 von rund 400 deutschen Kreisen im Gesamtrang, Platz 90 in Dynamik und Platz 159 in Stärke. Die Bevölkerung wuchs von 205.139 (2015) auf 223.832 (2023), was auf die positive Entwicklung im Bremer Umland und die wirtschaftliche Stärke der Industrie im Süden zurückzuführen ist.