Marktüberblick und Einordnung
Der Landkreis Ostallgäu liegt im Südosten des bayerischen Regierungsbezirks Schwaben und umfasst 45 Gemeinden auf 1.394 Quadratkilometern. Mit rund 146.300 Einwohnern ist er nach dem Landkreis Garmisch-Partenkirchen der am dünnsten besiedelte Landkreis in Südbayern. Der Kreis belegt bei der Wirtschaftskraft einen vorderen Platz: Im Magazin Focus Money 2014 rangierte er unter 387 untersuchten Kreisen auf Platz 8, und im Prognos-Zukunftsatlas 2025 liegt er auf Rang 52 von rund 400 Kreisen — damit in den vorderen 20 Prozent.
Der Immobilienmarkt spiegelt diese starke Position wider: Der mittlere Kaufpreis liegt bei 3.715 EUR je Quadratmeter und damit deutlich über dem deutschen Durchschnitt von 2.409 EUR. Im Landesvergleich mit 82 bayerischen Kreisen belegt Ostallgäu Rang 28 — hinter den teuren Räumen um München (München Stadt 9.626 EUR/m², Landkreis München 7.173 EUR/m², Miesbach 7.167 EUR/m²), aber vor dem bayerischen Landesdurchschnitt von 3.246 EUR/m². Die durchschnittliche Mietpreis-Angebotslage liegt bei 10,44 EUR/m² (Landesdurchschnitt: 10,11 EUR/m²). Die Bruttorendite liegt bei 3,48 Prozent.
Die Kaufpreise haben sich von 2.944 EUR/m² im Jahr 2018 auf 4.393 EUR/m² im Jahr 2025 entwickelt — ein Anstieg von rund 49 Prozent in sieben Jahren. Die Mieten stiegen im selben Zeitraum von 8,29 EUR/m² auf 11,65 EUR/m² (+40 Prozent). Die Bevölkerung wuchs von 137.709 im Jahr 2015 auf 146.302 im Jahr 2023 (+6,2 Prozent).
Innere Struktur und Preisgefälle
Die Spreizung innerhalb des Kreises ist beträchtlich. Die teuerste Gemeinde ist Rieden am Forggensee mit 5.276 EUR/m² Kaufpreis und 12,18 EUR/m² Miete — ein Preisfaktor von 36,1. Dahinter folgen Pfronten (5.244 EUR/m²), Schwangau (4.852 EUR/m²), Nesselwang (4.709 EUR/m²) und Halblech (4.666 EUR/m²). Die günstigsten Gemeinden liegen im Norden des Kreises: Osterzell (2.045 EUR/m²), Rettenbach a.Auerberg (2.048 EUR/m²), Ronsberg (2.608 EUR/m²), Unterthingau (2.760 EUR/m²) und Kraftisried (2.834 EUR/m²). Die Kaufpreisspanne reicht von 2.045 bis 5.276 EUR/m² — ein Faktor von 2,6.
Die teuersten Gemeinden konzentrieren sich im Süden des Kreises: Pfronten, Schwangau und Nesselwang liegen im Bereich der Ammergauer Alpen und profitieren unmittelbar von der Nähe zu Neuschwanstein und dem Tourismuszentrum Füssen. Rieden am Forggensee liegt am Stausee und verbindet Seelage mit Alpenpanorama. Halblech liegt ebenfalls im voralpinen Raum und profitiert von der Nähe zu diesen Zentren.
Im Norden des Kreises, auf der schwäbisch-bayerischen Hochebene, liegen die günstigsten Gemeinden. Osterzell, Rettenbach a.Auerberg, Ronsberg, Unterthingau und Kraftisried liegen in ländlich geprägten Gebieten ohne besondere touristische oder verkehrliche Anziehung. Die Mieten reichen von 7,22 EUR/m² in Untrasried bis 12,75 EUR/m² in Füssen.
Die drei größten Städte des Kreises — Marktoberdorf (19.033 Einwohner), Füssen (16.072 Einwohner) und Buchloe (14.119 Einwohner) — liegen mit ihren Kaufpreisen von 3.956, 4.614 und 4.456 EUR/m² jeweils über dem Kreisdurchschnitt, aber deutlich unter den alpinen Tourismusgemeinden. Die Renditen in den teuren Südgemeinden liegen bei 2,65 bis 2,92 Prozent, während sie im Norden bei 4,13 bis 5,20 Prozent liegen — eine Spanne von fast 2,5 Prozentpunkten.
Wirtschaft und Arbeitsmarkt
Der Landkreis Ostallgäu verfügt über eine bemerkenswert breite industrielle Basis. Der größte Arbeitgeber der Region ist AGCO Fendt in Marktoberdorf, der seit 1997 zum amerikanischen Konzern AGCO gehört und auf die Traktorenmarke Fendt zurückgeht. Daneben sind mehrere mittelständische Hidden Champions im Kreis angesiedelt: Die Otto Bihler Maschinenfabrik in Halblech beschäftigt rund 1.100 Mitarbeiter (Stand 2021) und fertigt Stanzbiege- und Montagetechnik für die Automobil- und Elektronikindustrie. Das Unternehmen erzielte 2020 einen Umsatz von 124 Millionen Euro. In Pfronten ist die Firma Deckel Maho ansässig, im Süden des Kreises liegt die Nestlé-Niederlassung in Biessenhofen. Der Automobilhersteller Alpina Burkard Bovensiepen hat seinen Sitz in Buchloe.
Der Tourismus ist im südlichen Teil des Kreises ein wesentlicher Wirtschaftsfaktor. Füssen liegt an der Romantischen Straße und der Via Claudia Augusta und ist Tor zu den Ammergauer Alpen und den Allgäuer Alpen. Die nächstgelegenen Sehenswürdigkeiten sind die Schlösser Neuschwanstein und Hohenschwangau in der Nachbargemeinde Schwangau. Seit 2025 ist Füssen offiziell Kneippheilbad. Der Forggensee, ein vom Lech durchflossener Stausee mit rund 16 Quadratkilometern Fläche, bietet im Norden des Alpenvorlands Erholungsmöglichkeiten.
Die Bevölkerungsentwicklung ist positiv: Von 2015 bis 2023 wuchs die Einwohnerzahl um 6,2 Prozent auf 146.302. Der Landkreis gehört zu den wachstumsstärksten ländlichen Räumen Bayerns.
Verkehr und Erreichbarkeit
Buchloe ist der wichtigste Verkehrsknotenpunkt des Kreises. Der Bahnhof Buchloe ist ein Kreuzungsbahnhof, an dem vier Hauptbahnstrecken aufeinandertreffen: die Strecke München–Buchloe, die Strecke Augsburg–Buchloe, die Strecke Buchloe–Lindau und die Strecke Buchloe–Memmingen. Im Fahrplanjahr 2024 wird Buchloe täglich von ungefähr 150 Regionalzügen sowie von sechzehn Eurocity-Express-Zügen (ECE) von und nach München und Zürich bedient. Die Anbindung an München beträgt etwa eine Stunde, an Augsburg rund 40 Minuten.
Im Süden des Kreises liegt Füssen am Ende der A 7, die am Grenztunnel Füssen in die Straße zum Fernpass übergeht. Füssen ist über die B 17, B 310 und B 16 erreichbar und verfügt über Bahnverbindungen nach München und Augsburg. Die Entfernung nach München beträgt etwa 91 Kilometer.
Die A 7 durchquert den südlichen Teil des Kreises und verbindet das Allgäu mit dem Fernverkehr. Im Norden des Kreises verläuft die A 96 von München nach Lindau, die über Buchloe und das Lechfeld an den Kreis grenzt. Die kreisfreie Stadt Kaufbeuren ist ganz vom Landkreis Ostallgäu umgeben und bildet ein eigenes Pendlerzentrum.
Die verkehrliche Anbindung, insbesondere der Bahnhof Buchloe als Eisenbahnknoten, erklärt teilweise die überdurchschnittlichen Immobilienpreise in Buchloe und den umliegenden Gemeinden wie Jengen, Lamerdingen und Waal, die alle über 3.900 EUR/m² liegen.
Zusammenfassung und Ausblick
Der Landkreis Ostallgäu vereint mehrere strukturelle Vorteile, die den Immobilienmarkt stützen: eine breite industrielle Basis mit Hidden Champions wie AGCO Fendt und Otto Bihler, einen bedeutenden Tourismus im Süden rund um Füssen und Schwangau, und eine exzellente verkehrliche Anbindung durch den Bahnhof Buchloe als Knotenpunkt mit ECE-Verbindungen nach München und Zürich. Die Bevölkerungszunahme von über 6.000 Einwohnern in acht Jahren unterstreicht die Attraktivität des Kreises.
Die innere Struktur des Marktes ist durch ein klares Gefälle von Süden nach Norden geprägt: Die alpinen Tourismusgemeinden im Süden (Pfronten, Schwangau, Nesselwang) verzeichnen die höchsten Kaufpreise, während die Gemeinden auf der schwäbisch-bayerischen Hochebene im Norden (Osterzell, Rettenbach a.Auerberg, Ronsberg) die günstigsten Preise bieten. Die Renditen spiegeln dieses Gefälle wider — von unter 3 Prozent im Süden bis über 5 Prozent im Norden.
Die drei Städte des Kreises — Marktoberdorf, Buchloe und Füssen — bilden die zentralen Orte mit überdurchschnittlichen Preisen und einer gemischten Wirtschaftsstruktur aus Industrie, Dienstleistung und (in Füssen) Tourismus. Die ländlichen Gemeinden im Norden bieten niedrigere Preise und höhere Renditen, sind aber verkehrlich weniger gut angebunden.