Marktüberblick und Einordnung
Der Landkreis Rotenburg (Wümme) liegt im nordöstlichen Niedersachsen, am Südwestrand der Metropolregion Hamburg, im Dreieck zwischen Hamburg, Bremen und Hannover. Mit 168.454 Einwohnern auf 2.074,7 Quadratkilometern ist er ein ländlich strukturierter Kreis mit 57 Gemeinden und einer Bevölkerungsdichte von 81 Einwohnern je Quadratkilometer. Die Immobilienwerte liegen mit einem mittleren Kaufpreis von 2.014 EUR/m² und einer durchschnittlichen Mietpreis von 8,76 EUR/m² unter dem niedersächsischen Durchschnitt (2.166 EUR/m² bzw. 8,50 EUR/m²) und deutlich unter dem deutschen Durchschnitt (2.409 EUR/m² bzw. 8,92 EUR/m²). Der Landkreis rangiert im Bundesland nach Kaufpreis auf Platz 30 von 45 Kreisen, also im unteren Mittelfeld. Die durchschnittliche Bruttorendite beträgt 5,7 Prozent und liegt damit über dem Landes- und Bundesdurchschnitt von jeweils 5,1 bis 5,25 Prozent. Die Bevölkerung wuchs von 163.253 im Jahr 2015 auf 168.454 im Jahr 2023, was einem Anstieg von rund 3,2 Prozent entspricht. Der Prognos-Zukunftsatlas 2025 ordnet den Kreis auf Rang 215 von rund 400 Kreisen zu, was dem unteren Mittelfeld entspricht.
Innere Struktur und Preisgefälle
Die Spreizung innerhalb des Kreises ist erheblich. Die Kaufpreise reichen von 862 EUR/m² in Basdahl bis 3.446 EUR/m² in Heeslingen – ein Faktor von vier. Die Mietpreise variieren von 5,36 EUR/m² in Rhade bis 12,46 EUR/m² in Elsdorf. Die Rendite-Spanne reicht von 3,02 Prozent bis 10,9 Prozent. Die teuersten Gemeinden liegen im östlichen und südöstlichen Teil des Kreises: Heeslingen (3.446 EUR/m²), Sittensen (3.372 EUR/m²), Scheeßel (3.292 EUR/m²), Klein Meckelsen (3.152 EUR/m²) und Tarmstedt (3.119 EUR/m²). Diese Gemeinden liegen im Osten des Kreises, in Richtung Hamburg und der Zevener Geest. Die günstigsten Gemeinden befinden sich im Westen und Nordwesten: Basdahl (862 EUR/m²), Vorwerk (965 EUR/m²), Rhade (1.004 EUR/m²), Oerel (1.042 EUR/m²) und Westertimke (1.073 EUR/m²). Diese liegen im Bereich der Achim-Verdener Geest und der Mooreniederungen. Die Kreisstadt Rotenburg (Wümme) liegt mit 2.499 EUR/m² im oberen Mittelfeld. Bremervörde (2.036 EUR/m²) und Zeven (2.288 EUR/m²) liegen nahe dem Kreisdurchschnitt. Visselhövede (1.734 EUR/m²) und Gnarrenburg (2.036 EUR/m²) liegen darunter. Die teuersten Gemeinden im Osten profitieren von ihrer Nähe zur Zevener Geest und der besseren Erreichbarkeit von Hamburg und Bremen. Die günstigeren Gemeinden im Westen und Nordwesten liegen abgelegener und sind weniger stark nachgefragt.
Wirtschaft, Arbeitsmarkt und Infrastruktur
Der Landkreis Rotenburg (Wümme) ist ein ländlicher Landkreis, der eine Mittlerfunktion zwischen den umliegenden Großstädten Hamburg, Bremen und Hannover ausfüllt. Große Teile des Kreisgebietes – insbesondere die Gemeinde Gnarrenburg, die Samtgemeinden Sottrum, Geestequelle und Tarmstedt – werden auch dem Einzugsbereich Bremens und Bremerhavens zugerechnet. Aus dem Süden des Kreisgebietes pendeln viele Einwohner in den Großraum Hannover. Der Landkreis ist der Metropolregion Hamburg beigetreten. Am 15. Dezember 2019 trat der Landkreis dem Tarifgebiet des Hamburger Verkehrsverbundes (HVV) bei, was die Erreichbarkeit der Region verbessert hat. Die Bahnstrecke Bremen-Hamburg mit den Bahnhöfen Rotenburg (Wümme) und Scheeßel verbindet die Region mit beiden Großstädten. Seit 1936 ist Rotenburg Garnisonsort. In Zeven befindet sich ein bedeutender Bundeswehrstandort mit dem Transporthubschrauberregiment 10 (Heer), dem Technischen Ausbildungszentrum der Luftwaffe, der Fachschule der Luftwaffe und der Deutsch-Französischen Ausbildungseinrichtung. In Rotenburg (Wümme) sind das Diakonieklinikum und die Rotenburger Werke der Inneren Mission als Stätten für geistig Behinderte bedeutende Arbeitgeber im sozialen und gesundheitlichen Bereich. Das Diakonissenmutterhaus Bethesda verlegte 1905 seinen Sitz von Hamburg nach Rotenburg. Die Wirtschaft des Kreises ist überwiegend landwirtschaftlich geprägt, wie sich etwa an Kirchwalsede mit fünf bäuerlichen Vollerwerbsbetrieben zeigt. Die Gemeinden im Osten des Kreises, insbesondere die teuersten wie Heeslingen, Sittensen und Scheeßel, profitieren von ihrer Lage an der Bahnstrecke Hamburg-Bremen und der besseren Erreichbarkeit der Großstädte.
Verkehr und Erreichbarkeit
Der Landkreis Rotenburg (Wümme) liegt am Schnittpunkt mehrerer Naturräume: der Stader Geest, der Zevener Geest, der Wümmeniederung und der Achim-Verdener Geest. Weite Teile der ehemaligen Hochmoorgebiete wie die Oste-Hamme-Niederung (im Volksmund Teufelsmoor) wurden in den letzten 200 Jahren systematisch kultiviert. Der höchste Punkt des Kreisgebietes bildet der Höllenberg südlich von Drögenbostel mit 93 Metern. Die Wümme durchfließt die Kreisstadt Rotenburg (Wümme). Die Bahnstrecke Bremen-Hamburg, die 1874 eröffnet wurde, verbindet Rotenburg und Scheeßel mit beiden Großstädten. Die HVV-Zugehörigkeit seit 2019 hat die Anbindung an den Hamburger Nahverkehr verbessert. Die nächsten Autobahnanbindungen liegen in den Nachbarkreisen: die A1 verläuft westlich des Kreises, die A7 östlich. Der Landkreis gehört zu den Landkreisen, die die Gemeinschaftsaufgabe Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur (GRW) beantragen können, was auf strukturschwache Lagen hinweist.
Entwicklung und Ausblick
Der Landkreis Rotenburg (Wümme) profitiert von seiner Lage zwischen drei Großstädten und der zunehmenden Anbindung an den Hamburger Verkehrsverbund. Die HVV-Zugehörigkeit seit 2019 und die Bahnverbindung nach Hamburg und Bremen stärken die Attraktivität der östlichen Gemeinden. Die teuersten Gemeinden im Osten des Kreises liegen entlang der Bahnstrecke Hamburg-Bremen und profitieren von der Pendlerfunktion. Die günstigeren Gemeinden im Westen und Nordwesten liegen abgelegener und sind weniger stark nachgefragt. Der Bundeswehrstandort Zeven mit mehreren Ausbildungseinrichtungen und Regimentern ist ein wichtiger Arbeitgeber für die Region. Das Diakonieklinikum und die Rotenburger Werke der Inneren Mission in Rotenburg sind bedeutende soziale und gesundheitliche Arbeitgeber. Die landwirtschaftliche Prägung des Kreises bleibt erhalten, wobei die östlichen Gemeinden durch ihre Lage an der Bahnstrecke und die bessere Erreichbarkeit der Großstädte profitieren. Die HVV-Zugehörigkeit hat die Erreichbarkeit verbessert und könnte die Attraktivität der Region weiter steigern.