Marktüberblick und Einordnung
Der Landkreis Mainz-Bingen mit 215.286 Einwohnern auf 605 km² ist ein wirtschaftlich starker Kreis im Osten Rheinland-Pfalz und Teil der Metropolregion Rhein-Main. Mit einem mittleren Kaufpreis von 2.854 EUR/m² liegt er deutlich über dem rheinland-pfälzischen Landesdurchschnitt von 2.030 EUR/m² und dem Bundesdurchschnitt von 2.409 EUR/m². Im Landesvergleich rangiert er auf Platz 10 von 36 Kreisen. Die Mietwerte liegen bei durchschnittlich 10,20 EUR/m² und damit ebenfalls über dem Landesmittel von 8,08 EUR/m².
Die Kaufpreise haben sich zwischen 2018 (2.607 EUR/m²) und 2025 (3.335 EUR/m²) um rund 28 % erhöht. Die Mieten stiegen im gleichen Zeitraum von 8,74 EUR/m² auf 11,29 EUR/m² (+29 %). Die Bevölkerung wuchs von 198.623 (2015) auf 215.286 (2023), was einem Anstieg von über 16.000 Einwohnern in acht Jahren entspricht.
Der Kreis gehört im Prognos-Zukunftsatlas 2025 auf Platz 36 von rund 400 Kreisen und zählt damit zu den Regionen mit sehr hohen Zukunftschancen. Die Arbeitslosenquote lag 2016 bei 3,7 % und damit deutlich unter dem Landesdurchschnitt. Das verfügbare Haushaltseinkommen ist das höchste in Rheinland-Pfalz.
Innere Struktur und Preisgefälle
Der Immobilienmarkt im Kreis Mainz-Bingen ist durch eine extreme innere Spreizung geprägt. Die Kaufpreise reichen von 1.079 EUR/m² in Manubach bis 4.259 EUR/m² in Klein-Winternheim – ein Faktor von fast vier. Die Renditen variieren entsprechend von 3,01 % in den teuren Gemeinden bis 8,71 % in den günstigen Orten.
Die teuersten Gemeinden liegen im nördlichen Teil des Kreises, direkt am Rhein und im unmittelbaren Umland von Mainz. Klein-Winternheim (3.716 Einwohner) führt mit 4.259 EUR/m² die Liste an, gefolgt von Harxheim (3.942 EUR/m²), Sörgenloch (3.891 EUR/m²), Budenheim (3.882 EUR/m²) und Ober-Olm (3.847 EUR/m²). Diese Gemeinden profitieren von der Nähe zur Landeshauptstadt Mainz und der guten Anbindung an das Rhein-Main-Verkehrsnetz. Budenheim und Ober-Olm weisen dabei mit 4,32 % bzw. 4,26 % die höchsten Renditen in der Spitzengruppe auf.
Die günstigsten Gemeinden befinden sich im südlichen und westlichen Teil des Kreises. Manubach (307 Einwohner) liegt mit 1.079 EUR/m² und einer Rendite von 8,71 % ganz unten. Auch Oberdiebach (1.371 EUR/m²), Dalheim (1.569 EUR/m²), Niederheimbach (1.743 EUR/m²) und Oberheimbach (1.758 EUR/m²) gehören zum unteren Preissegment. Diese Gemeinden liegen im Mittelrheintal westlich von Bingen und im Rheinhessischen Hügelland – abgelegener und mit geringerer Pendlerattraktivität.
Die beiden großen Städte des Kreises, Ingelheim am Rhein (36.390 Einwohner, 3.544 EUR/m²) und Bingen am Rhein (26.339 Einwohner, 3.189 EUR/m²), liegen im oberen Mittelfeld. Ingelheim als Kreisverwaltungssitz und Wirtschaftsstandort erzielt höhere Preise als Bingen, das stärker vom Tourismus und der Lage am Mittelrhein geprägt ist.
Ein klares Preisgefälle verläuft von Nordosten nach Südwesten: Die Gemeinden entlang des Rheins und in Richtung Mainz sind am teuersten, während die Gemeinden im Süden und Westen des Kreises deutlich günstiger liegen.
Wirtschaft und Arbeitsmarkt
Der wirtschaftliche Motor des Landkreises ist das Pharmaunternehmen Boehringer Ingelheim mit Sitz in Ingelheim am Rhein. Das 1885 gegründete Familienunternehmen ist das größte Pharmaunternehmen in Deutschland, erzielte 2025 einen Umsatz von 27,8 Milliarden Euro und beschäftigte weltweit 54.300 Mitarbeiter. Der Standort Ingelheim ist das operative Zentrum des Unternehmens und ein bedeutender Arbeitgeber für die Region.
Neben der Pharmabranche ist der Weinbau ein prägendes Wirtschaftsfeld. Der Landkreis Mainz-Bingen liegt im Schnittpunkt dreier Weinanbaugebiete: Rheinhessen (Deutschlands größtes Weinbaugebiet), der Nahe und des Mittelrheins. Die klimatischen Bedingungen – geschütztes Klima mit über 1.970 Sonnenstunden pro Jahr und nur rund 530 mm Jahresniederschlag – begünstigen den Wein- und Obstbau. Ingelheim wird als Rotweinstadt bezeichnet, und 65,4 % der Stadtfläche werden landwirtschaftlich genutzt.
Die wirtschaftliche Stärke des Kreises zeigt sich in Rankings: Im Landkreisranking des Focus Money belegte Mainz-Bingen 2014 Platz 1 von mehr als 400 Landkreisen und kreisfreien Städten. Das Berlin-Institut für Weltbevölkerung, die Prognos AG und die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft attestieren dem Kreis überdurchschnittliche Kaufkraft, Zukunftsfähigkeit und große Wirtschaftsstärke.
Die Technische Hochschule Bingen ist die einzige Hochschule im Kreisgebiet und trägt zur qualifizierten Arbeitskräfteversorgung bei.
Verkehr und Erreichbarkeit
Der Landkreis Mainz-Bingen verfügt über eine vielfältige Verkehrsanbindung. Im Norden des Kreises ist Ingelheim am Rhein in das S-Bahn-Netz Rhein-Main eingebunden. Die S-Bahn-Linie 1 bedient die Bahnhöfe Heidesheim (Ingelheim) und Ingelheim und verbindet die Stadt mit Mainz und dem weiteren Rhein-Main-Gebiet.
Im Westen des Kreises liegt Bingen am Rhein mit dem wichtigsten Schienenknoten. Der Binger Hauptbahnhof (Bingen (Rhein) Hbf) ist ein ICE-Halt mit Fernverkehrslinien (ICE 16, 39, 42 und IC 55) und verbindet Bingen mit Frankfurt, Köln, Hamburg und Nürnberg. Zudem verkehren der Regional-Express RE 2 (Koblenz–Frankfurt) und der RE 17 (Koblenz–Kaiserslautern). Der Bahnhof Bingen (Rhein) Stadt wird von der RB 26 (MittelrheinBahn, nach Mainz und Köln) und der RB 35 (Rheinhessenbahn, nach Worms) bedient.
Die linke Rheinstrecke von Köln nach Mainz durchquert den nördlichen Teil des Kreises. Im Süden und Osten grenzt der Kreis an die kreisfreien Städte Mainz und Wiesbaden sowie an hessische Nachbarkreise, was die Einbindung in die Metropolregion Rhein-Main unterstreicht.
Die Pendlerstruktur ist stark von der Nähe zu Mainz und dem Rhein-Main-Gebiet geprägt. Viele Bewohner des Kreises arbeiten in Mainz, Wiesbaden oder Frankfurt und pendeln täglich in diese Zentren.
Entwicklung und Ausblick
Ein wichtiges zukünftiges Projekt ist die Bundesgartenschau (BUGA) 2029 in Bingen am Rhein. Die Stadt wird Teil der BUGA im UNESCO-Welterbe Kulturlandschaft Oberes Mittelrheintal. Bereits 2008 war Bingen Ausrichter der dritten rheinland-pfälzischen Landesgartenschau gewesen. Die BUGA 2029 wird die Infrastruktur und die Attraktivität der westlichen Kreisgemeinden stärken.
Die wirtschaftliche Entwicklung des Kreises wird maßgeblich von Boehringer Ingelheim als anchor tenant geprägt. Das Pharmaunternehmen ist nicht nur größter Arbeitgeber, sondern zieht auch Zulieferer und Dienstleister an. Die Kombination aus Pharmaindustrie, Weinbau und der Lage im Ballungsraum Rhein-Main macht den Kreis zu einem der stärksten in Rheinland-Pfalz.
Die Bevölkerungsentwicklung war zwischen 2015 und 2023 deutlich positiv (+16.663 Einwohner), was auf die attraktive Lage im Rhein-Main-Umland und die wirtschaftliche Stärke der Region zurückzuführen ist. Die Immobilienpreise haben sich in diesem Zeitraum kräftig entwickelt, wobei die Spreizung innerhalb des Kreises weiterhin groß bleibt.
Die Prognos-Ränge des Kreises zeigen eine differenzierte Struktur: Mit Rang 17 im Index Wettbewerb und Innovation und Rang 21 im Index Wohlstand und soziale Lage ist der Kreis in diesen Bereichen besonders stark. Der Rang 138 im Index Arbeitsmarkt und Rang 287 im Index Demografie zeigen hingegen Schwächepositionen, die auf die Abhängigkeit von einzelnen Großarbeitern und demografische Entwicklungen hinweisen.