Marktüberblick und Einordnung
Der Landkreis Vorpommern-Rügen liegt im Nordosten Mecklenburg-Vorpommerns, umfasst 101 Gemeinden auf 3.216 km² und hat 227.746 Einwohner (2023). Der mittlere Kaufpreis liegt bei 2.833 EUR/m², die mittlere Mietanzeige bei 8,62 EUR/m². Damit rangiert der Kreis nach Rostock (4.061 EUR/m²) und Schwerin (2.974 EUR/m²) auf Platz 3 von 8 Kreisen und kreisfreien Städten in Mecklenburg-Vorpommern. Gegenüber Deutschland (2.409 EUR/m²) liegt der Kreis deutlich über dem Bundesdurchschnitt.
Die Bevölkerung wuchs in den letzten Jahren leicht von 222.867 (2015) auf 227.746 (2023). Die Zeitreihen der Miet- und Kaufpreise zeigen einen deutlichen Anstieg von 2018 bis 2022, einen Rückgang 2023 und eine Erholung 2025. Die Mietwerte lagen 2018 bei 6,79 EUR/m² und erreichten 2025 9,14 EUR/m². Die Kaufpreise stiegen von 2.200 EUR/m² (2018) auf 3.308 EUR/m² (2022), sanken 2023 auf 2.997 EUR/m² und erholten sich 2025 auf 3.449 EUR/m². Die 2026-Werte sind geschätzt.
Innere Struktur und Preisgefälle
Der Immobilienmarkt im Kreis weist eine extreme innere Spreizung auf, die den Tourismus als bestimmenden Faktor unverkennbar macht. Die teuersten Gemeinden sind die Ostseebäder auf Rügen und der Darß: Ahrenshoop (7.681 EUR/m², 676 Einwohner), Hiddensee (6.697 EUR/m², 993 Einwohner), Baabe (6.439 EUR/m², 933 Einwohner), Binz (6.217 EUR/m², 5.590 Einwohner) und Wustrow (6.178 EUR/m², 1.090 Einwohner). Diese fünf Gemeinden liegen allesamt an der Küste und verzeichnen die höchsten Mietpreise des gesamten Bundeslandes.
Den extremen Gegenpol bilden Gemeinden im Binnenland, vor allem im südlichen und westlichen Teil des Kreises. Glewitz (519 EUR/m², 541 Einwohner), Lindholz (599 EUR/m², 632 Einwohner) und Lüdershagen (786 EUR/m², 585 Einwohner) liegen weit unter dem Kreisdurchschnitt. Die Kaufpreisspanne reicht von 519 EUR/m² bis 7.681 EUR/m² – ein Faktor von fast 15.
Stralsund als Kreisstadt und Oberzentrum bildet eine eigene Kategorie: mit 59.450 Einwohnern ist es bei weitem die größte Gemeinde des Kreises. Der Kaufpreis liegt bei 3.027 EUR/m², die Miete bei 9,54 EUR/m². Damit liegt Stralsund knapp über dem Kreisdurchschnitt, aber deutlich unter den Küstenbädern. Es fungiert als versorgungs- und dienstleistungsorientiertes Zentrum für den gesamten Kreis.
Ein klares Muster zeigt sich entlang der Küstenlinie: Die Gemeinden an der Ostseeküste – insbesondere auf Rügen, am Darß und an der Peenestrasse – dominieren die Preisspitzen. Im Binnenland, etwa um Tribsees, Franzburg oder Richtenberg, liegen die Preise deutlich niedriger. Die Rendite-Spanne reicht von 1,75 % (Ahrenshoop) bis 14,16 % (Lindholz), was die unterschiedliche Nachfrage und das unterschiedliche Anlageinteresse zwischen Tourismus- und Binnenstandorten widerspiegelt.
Tourismus als dominierender Wirtschaftsfaktor
Der Tourismus ist der bestimmende Wirtschaftsfaktor des Landkreises. Rügen ist die größte und bevölkerungsreichste Insel Deutschlands (926 km², rund 64.376 Einwohner) und verzeichnete 2025 rund 6,7 Millionen Übernachtungen. Der Nationalpark Jasmund auf Rügen erhielt 2012 den UNESCO-Weltnaturerbe-Titel für seine Buchenurwälder und Kreidefelsen. Die Insel ist vor allem dank ihrer vielfältigen Landschaft, ihrer Reet- und Bäderarchitektur, der langen feinsandigen Badestrände und des wachsenden Gast- und Kulturangebots ein beliebtes Urlaubsziel.
Mecklenburg-Vorpommern war 2024 nach Bayern das zweitbeliebteste innerdeutsche Reiseziel. Der Tourismus trägt erheblich zur Wirtschaftsleistung des Landes bei. Im Landkreis Vorpommern-Rügen konzentriert sich die touristische Infrastruktur auf die Ostseeküste: Binz, Sellin, Göhren, Baabe, Sassnitz, Prerow, Zingst, Born a. Darß und Ahrenshoop sind die zentralen Tourismusorte. Die hohen Kaufpreise und Mietpreise in diesen Gemeinden korrespondieren direkt mit der touristischen Nachfrage nach Ferienimmobilien.
Neben dem Tourismus spielen die Gesundheitswirtschaft, die Landwirtschaft und die maritime Wirtschaft eine Rolle. Stralsund als Oberzentrum ist Sitz der Hochschule Stralsund (seit 1991) und beherbergt das Ozeaneum, das überregional bekannt ist. Weitere Wirtschaftszweige in Stralsund sind Schiffs- und Maschinenbau, Dienstleistungsbetriebe, Logistik sowie Betriebe im Bereich der Informationstechnik und Biomedizintechnik.
In Sassnitz bestand in der DDR-Zeit der VEB Fischkombinat Saßnitz mit bis zu 2.200 Arbeitern als zweitgrößtes Nahrungsgüterwerk der DDR. Nach 1990 wurde der Fährhafen Sassnitz-Mukran für den gesamten Ostseeraum umstrukturiert. Die Fährverbindung nach Ystad (Skane Jet) wurde im Herbst 2024 eingestellt.
Verkehr und Erreichbarkeit
Der Landkreis ist durch die A 20 angebunden, die in vierstreifigem Ausbau durch das Kreisgebiet verläuft. Die Anschlüsse Bad Sülze (20), Tribsees (21), Grimmen-West (22), Grimmen-Ost (23) und Stralsund (24) erschließen das Kreisgebiet. Die A 20 verbindet den Kreis mit Rostock im Westen und Greifswald im Osten. Teile des Gesamtausbau der A 20 sind in Bau oder in Planung.
Stralsund ist über die Bahnstrecke Stralsund–Ribnitz-Damgarten an das Schienennetz angebunden. Die Insel Rügen ist über Rügendamm und Rügenbrücke mit dem Festland verbunden. Stralsund wird als „Tor zur Insel Rügen“ bezeichnet.
Als Oberzentrum wirkt Stralsund zusammen mit Greifswald auf den Kreis. Die Metropolregionen von Hamburg und Berlin sowie die polnische Metropole Stettin wirken als überregionale Einflüsse. Die Hochschule Stralsund und die benachbarte Marinetechnikschule in Parow sind Bildungsstandorte. Der Prognos-Zukunftsatlas ordnet den Kreis mit einem Gesamtrang von 380 von rund 400 Kreisen in das untere Drittel ein. Der Dynamikrang liegt mit 189 deutlich besser als der Stärkerang (385), was auf eine gewisse Entwicklungsdynamik trotz bestehender struktureller Schwächen hindeutet.
Entwicklung und Ausblick
Der Landkreis Vorpommern-Rügen ist durch eine starke Polarisation zwischen touristisch geprägten Küstengemeinden und ländlichem Binnenland geprägt. Die extremen Kaufpreisspannen von 519 bis 7.681 EUR/m² und die Rendite-Spanne von 1,75 % bis 14,16 % machen deutlich, dass es sich nicht um einen homogenen Markt handelt. Die teuersten Gemeinden sind kleine Seebäder mit wenigen hundert Einwohnern, während die günstigsten Gemeinden im Binnenland liegen.
Stralsund als Oberzentrum mit rund 59.450 Einwohnern bildet das wirtschaftliche und versorgerische Zentrum des Kreises. Die Ansiedlung der Hochschule Stralsund, das Ozeaneum und die Rolle als Große kreisangehörige Stadt machen Stralsund zum stabilisierenden Faktor im Kreis. Die A 20 verbessert die Anbindung an die überregionalen Verkehrsachsen.
Der Tourismus bleibt der bestimmende Wirtschaftsfaktor. Rügen verzeichnete 2025 rund 6,7 Millionen Übernachtungen, Mecklenburg-Vorpommern war 2024 nach Bayern das zweitbeliebteste innerdeutsche Reiseziel. Die hohe touristische Nachfrage treibt die Immobilienpreise an der Küste, während das Binnenland von dieser Dynamik kaum profitiert. Die leichte Bevölkerungszunahme von 2015 bis 2023 steht im Gegensatz zu vielen anderen ländlichen Regionen Mecklenburg-Vorpommerns.