Marktüberblick und Einordnung
Der Kreis Steinburg mit 133.072 Einwohnern auf 1.056 km² ist der günstigste Immobilienmarkt Schleswig-Holsteins und liegt mit einem durchschnittlichen Kaufpreis von 2.097 Euro pro Quadratmeter deutlich unter dem Landesdurchschnitt von 2.625 Euro. Die durchschnittliche Miet liegt bei 8,43 Euro pro Quadratmeter, die Bruttomietrendite beträgt 5,22 Prozent und liegt damit knapp über dem Landeswert von 5,09 Prozent. Der Kreis gehört zur Metropolregion Hamburg und wird durch die A23-Westküstenautobahn mit dem Hamburger Umland verbunden.
Die Zeitreihen zeigen einen deutlichen Anstieg der Kaufpreise von 1.494 Euro pro Quadratmeter im Jahr 2018 auf 2.421 Euro im Jahr 2024, gefolgt von einem Rückgang auf 2.157 Euro im Jahr 2026 (geschätzt). Die Mieten stiegen von 7,07 Euro im Jahr 2018 auf 9,32 Euro im Jahr 2025 (geschätzt). Die Bevölkerung wuchs leicht von 131.457 im Jahr 2015 auf 133.072 im Jahr 2023.
Im Prognos-Zukunftsatlas 2025 belegt der Kreis Steinburg Rang 213 von rund 400 deutschen Kreisen in der Gesamtwertung. Besonders schwach ist die Position bei Wohlstand und sozialer Lage (Rang 251) sowie Demografie (Rang 251). Im Bereich Wettbewerb und Innovation liegt der Kreis mit Rang 153 deutlich besser, und bei der Dynamik erreicht er Rang 74.
Innere Struktur und Preisgefälle
Der Immobilienmarkt des Kreises Steinburg ist durch eine extreme innere Spreizung geprägt, die weitaus größer ist als in den meisten anderen deutschen Kreisen. Die Kaufpreise reichen von 820 Euro pro Quadratmeter in Bahrenfleth bis 3.859 Euro pro Quadratmeter in Bekmünde – ein Faktor von fast 4,7. Auch bei den Mieten liegt die Spanne zwischen 5,28 Euro und 15,71 Euro pro Quadratmeter. Die Renditen variieren von 1,7 Prozent in Bekmünde bis 14,49 Prozent in Bahrenfleth.
Die teuersten Gemeinden im Kreis liegen allesamt im nordöstlichen Teil, entlang der A23 und in Richtung Hamburg. Dägeling (3.608 Euro/m²), Altenmoor (3.296 Euro/m²), Kiebitzreihe (3.237 Euro/m²) und Engelbrechtsche Wildnis (3.036 Euro/m²) bilden eine klare Preisspitze. Diese Gemeinden profitieren von der guten Erreichbarkeit Hamburgs über die A23 und ziehen Pendler an, die in der Metropole arbeiten, aber günstiger wohnen wollen. Bekmünde, die teuerste Gemeinde, hat mit nur 144 Einwohnern einen extrem kleinen Bestand, was den hohen Preis und den niedrigen Preisfaktor von 58,9 erklärt.
Im Gegensatz dazu liegen die günstigsten Gemeinden im ländlichen Raum, vor allem im Süden und Westen des Kreises. Bahrenfleth (820 Euro/m²), Hennstedt (939 Euro/m²), Nortorf (964 Euro/m²) und Quarnstedt (989 Euro/m²) liegen weit unter dem Kreisdurchschnitt und bieten hohe Renditen von 7 bis über 10 Prozent. Diese Gemeinden haben keine direkte Autobahnanbindung und liegen abseits der Hauptverkehrsrouten.
Die Kreisstadt Itzehoe (32.319 Einwohner) liegt mit 2.165 Euro pro Quadrattem und 9,78 Euro Mietpreis mittig im Spektrum. Auch Glückstadt (10.987 Einwohner, 2.335 Euro/m²) und Kellinghusen (8.313 Einwohner, 2.210 Euro/m²) bewegen sich im oberen Mittelfeld. Die Gemeinden direkt an der A23 wie Horst (Holstein) mit 2.424 Euro/m² und Schenefeld mit 2.301 Euro/m² liegen ebenfalls über dem Kreisdurchschnitt.
Der Median der Kaufpreise liegt bei 2.195 Euro pro Quadratmeter und damit über dem arithmetischen Mittel von 2.097 Euro, was auf eine rechtsschiefe Verteilung hindeutet: Die meisten Gemeinden liegen leicht unter dem Durchschnitt, während einige wenige sehr hohe Werte den Mittelwert nach oben ziehen.
Wirtschaft und Arbeitsmarkt
Der Kreis Steinburg ist wirtschaftlich durch eine klare Zweiteilung geprägt: einerseits der ländlich-agrarische Raum mit traditioneller Milchwirtschaft und Geflügelhaltung in der Marsch und auf der Geest, andererseits der Hamburger Umlandraum im Nordosten mit Pendlerstruktur.
Der größte Einzelarbeitgeber im Kreis ist das Klinikum Itzehoe. Mit rund 2.900 Mitarbeitern, 601 vollstationären Betten und einem Umsatzvolumen von rund 187,8 Millionen Euro (2023) ist es ein Zentrum der Schwerpunktversorgung und akademisches Lehrkrankenhaus der Christian-Albrechts-Universität Kiel, der Universität zu Lübeck und der Universität Hamburg. Es beschäftigt 380 Ärzte und 980 Pflegekräfte.
In Itzehoe befindet sich auch das Fraunhofer-Institut für Siliziumtechnologie (ISIT) mit rund 200 Mitarbeitern. Das Institut forscht auf den Gebieten Mikrosystemtechnik, Leistungselektronik und Batterietechnik und ist seit 1996 in Betrieb. Es arbeitet eng mit der Industrie zusammen, unter anderem mit Vishay Siliconix, und betreibt eine professionelle Halbleiterproduktionslinie.
Ein besonderes Strukturwandel-Projekt ist das Kernkraftwerk Brokdorf. Das 1986 in Betrieb genommene und mit 1.480 MW leistungsstärkste Atomkraftwerk wurde am 31. Dezember 2021 stillgelegt. Der Rückbau begann im Januar 2025. Der Betreiber PreussenElektra plant, den Standort in einen Batteriespeicher mit 800 MW Leistung und 1.600 MWh Kapazität umzubauen. Der Standort eignet sich besonders, da das Umspannwerk Wilster in unmittelbarer Nähe Strom aus Windkraftanlagen transportiert und der Netzanschluss bereits vorhanden ist.
Touristisch bedeutend ist die Gemeinde Wacken (2.110 Einwohner) mit dem Wacken Open Air, dem weltweit größten Heavy-Metal-Festival. 2024 kamen 85.000 zahlende Besucher. Das Festival findet seit 1990 statt und hat die kleine Gemeinde international bekannt gemacht.
Glückstadt, die zweitgrößte Stadt des Kreises, ist überregional durch die traditionelle Matjes-Produktion und die Elbfähre nach Wischhafen bekannt. Die Stadt wurde 1617 von König Christian IV. von Dänemark gegründet und war historisch Festungs- und Hafenstadt.
Kellinghusen trägt den Namen "Keramikstadt" und war historisch durch Fayence-Fabriken geprägt. In der Zeit des Kalten Krieges beherbergte die Stadt eine große Garnison der Bundeswehr (6. Panzergrenadierdivision). Heute erinnert der Ehrenhain der schleswig-holsteinischen Artillerie an diese Zeit.
Verkehr und Erreichbarkeit
Die wichtigste Verkehrsader des Kreises ist die A23, die von Hamburg über den gesamten Kreis nach Heide an der Westküste führt. Sie durchquert den Steinburg mit den Anschlussstellen Schenefeld, Itzehoe-Nord, Itzehoe-Mitte, Itzehoe-Süd, Lägerdorf, Horst/Elmshorn und Hohenfelde. Die A23 ist die zentrale Verbindung zur Metropolregion Hamburg und ermöglicht Pendlerströme in beide Richtungen.
Im Bereich Hohenfelde ist im Zuge der Verlängerung der A20 von Bad Segeberg bis Westerstede ein Autobahnkreuz geplant. Im Zuge dessen soll der Parkplatz Steinburg zu einer Raststätte umgebaut werden. Dieser Ausbau wird den Kreis Steinburg weiter an das überregionale Verkehrsnetz anbinden.
Die Marschbahn verbindet Elmshorn über Glückstadt und Itzehoe mit der Westküste. In Glückstadt und Itzehoe befinden sich Bahnhöfe an dieser Strecke. Die Stör, der drittlängste Fluss Schleswig-Holsteins, fließt durch den Kreis und mündet in die Elbe.
Die Elbfähre Glückstadt–Wischhafen verbindet die holsteinischen Elbmarschen mit dem Elbe-Weser-Dreieck in Niedersachsen und ist eine wichtige Verbindung über die Elbe hinweg.
Der Kreis liegt in der Metropolregion Hamburg und profitiert von der Nähe zur Metropole. Die A23-Anbindung ermöglicht es Bewohnern, in Hamburg zu arbeiten, während sie im Kreis Steinburg wohnen. Dies erklärt die höheren Immobilienpreise in den Gemeinden entlang der Autobahn.
Entwicklung und Ausblick
Der Kreis Steinburg steht vor einem bedeutenden Strukturwandel. Die Stilllegung des Kernkraftwerks Brokdorf und der geplante Umbau zu einem Batteriespeicher mit 800 MW Leistung markieren einen Wandel von der Energieerzeugung zur Energiespeicherung. Das Projekt soll ab 2026 in zwei Stufen realisiert werden und nutzt die bestehende Infrastruktur des Umspannwerks Wilster für den Anschluss an das Windstromnetz.
Die A20-Verlängerung mit dem geplanten Autobahnkreuz bei Hohenfelde wird die Verkehrsanbindung des Kreises weiter verbessern und könnte zusätzliche Impulse für die Wirtschaft geben.
Die extreme Preisspreizung im Immobilienmarkt – von 820 bis 3.859 Euro pro Quadratmeter – zeigt, dass der Kreis sehr unterschiedliche Teilmärkte hat. Die Gemeinden entlang der A23 und in Richtung Hamburg profitieren von der Pendlerstruktur, während ländliche Gemeinden mit niedrigen Preisen und hohen Renditen attraktiv für Investoren sein können, die auf stabile Mieteinnahmen abzielen.
Das Klinikum Itzehoe als größter Arbeitgeber und das Fraunhofer-ISIT als Forschungseinrichtung bilden das wissenschaftlich-technologische Fundament des Kreises. Die Kombination aus landwirtschaftlicher Tradition, Hamburger Umlandlage und neuen Technologieprojekten wie dem Batteriespeicher Brokdorf prägt die wirtschaftliche Zukunft des Kreises Steinburg.