Marktüberblick und Einordnung
Der Kreis Schleswig-Flensburg liegt im Norden Schleswig-Holsteins, umschließt die kreisfreie Stadt Flensburg und grenzt im Norden an Dänemark. Mit 206.385 Einwohnern auf 2.071 km² ist er der drittgrößte Kreis des Landes, aber mit einem mittleren Kaufpreis von 2.209 EUR/m² der drittgünstigste von 15 Kreisen in Schleswig-Holstein. Die Mietpreise liegen bei durchschnittlich 9,63 EUR/m², die Bruttorendite bei 5,74%. Im bundesweiten Vergleich liegt der Kreis mit seinen Kaufpreisen unter dem deutschen Durchschnitt von 2.409 EUR/m².
Die Bevölkerung wächst seit Jahren kontinuierlich – von 192.546 Einwohnern im Jahr 2015 auf 206.385 im Jahr 2023. Die Mietpreise sind in diesem Zeitraum von 7,21 EUR/m² auf 10,06 EUR/m² gestiegen, die Kaufpreise von 2.068 auf 2.459 EUR/m². Der Kreis weist einen Prognos-Zukunftsatlas-Rang von 314 von rund 400 deutschen Kreisen auf (Gesamtrang), wobei der Dynamik-Rang mit 66 deutlich besser ist als der Stärke-Rang mit 352.
Innere Struktur und Preisgefälle
Die Spreizung innerhalb des Kreises ist enorm. Die teuerste Gemeinde, Kappeln, weist Kaufpreise von 5.101 EUR/m² auf – das ist mehr als das Sechsfache des Mindestwerts von 788 EUR/m² in Nübel. Die Mietpreise reichen von 6,48 EUR/m² bis 13,21 EUR/m². Die Rendite-Spanne liegt zwischen 2,47% (Kappeln) und 14,03% (Nübel).
Die teuersten Gemeinden liegen alle an der Schlei und der Flensburger Förde: Kappeln (5.101 EUR/m²), Glücksburg (4.241 EUR/m²), Grundhof (4.095 EUR/m²), Arnis (4.009 EUR/m²) und Kronsgaard (4.001 EUR/m²). Diese Gemeinden sind durch ihre Lage an der Ostsee und der Schlei geprägt, die als touristisch attraktive Regionen mit hoher Lebensqualität gelten. Arnis ist mit 254 Einwohnern die kleinste Stadt Deutschlands und liegt auf einer Halbinsel in der Schlei.
Im Gegensatz dazu liegen die günstigsten Gemeinden im südwestlichen Teil des Kreises in der Landschaft Stapelholm: Nübel (788 EUR/m²), Nordhackstedt (926 EUR/m²), Ausacker (997 EUR/m²), Loit (1.138 EUR/m²) und Wagersrott (1.166 EUR/m²). Diese Gemeinden sind landwirtschaftlich geprägt und liegen abseits der touristischen Achsen.
Die größten Gemeinden des Kreises sind Schleswig (25.904 EW), Harrislee (11.733 EW) und Handewitt (11.371 EW). Schleswig als Kreisstadt und Justizhauptstadt Schleswig-Holsteins liegt mit 2.885 EUR/m² im oberen Mittelfeld. Harrislee und Handewitt, beide grenznah zu Dänemark, liegen mit 3.362 bzw. 2.908 EUR/m² ebenfalls im mittleren Bereich.
Wirtschaft, Tourismus und Infrastruktur
Der Kreis Schleswig-Flensburg ist durch drei prägende Wirtschaftsfaktoren charakterisiert: Tourismus, Grenznähe zu Dänemark und die Fehmarnbelt-Querung.
Der Tourismus ist entlang der Schlei und der Ostseeküste ein wichtiger Wirtschaftszweig. Die Halbinsel Angeln zwischen Flensburger Förde und Schlei ist ein beliebtes Reiseziel. Kappeln, die teuerste Gemeinde des Kreises, profitiert von seiner Lage an der Schlei und von touristischer Infrastruktur. Glücksburg, Arnis und Kronsgaard sind ebenfalls touristisch geprägte Küstengemeinden mit hohen Immobilienpreisen.
Die Grenznähe zu Dänemark prägt den Westen und Norden des Kreises. Harrislee, südöstlich der deutsch-dänischen Grenze gelegen, hat ausgedehnte Industriegebiete, in denen sich besonders dänische Firmen niedergelassen haben. Seit den 1960er Jahren hat Harrislee den Charakter einer Flensburger Vorstadt angenommen. Handewitt, ebenfalls grenznah, ist eine der einwohnerstärksten Gemeinden des Kreises. Die deutsch-dänische Grenze verläuft durch den Kreis an den Gemeinden Harrislee, Handewitt, Osterby, Jardelund, Böxlund, Weesby und Glücksburg.
Ein bedeutendes Infrastrukturprojekt ist die Feste Fehmarnbeltquerung, eine in Bau befindliche Tunnelverbindung zwischen Deutschland und Dänemark. Deutschland übernimmt Kosten in Höhe von 3,5 Milliarden Euro für die Straßen- und Eisenbahnanbindung. Die Inbetriebnahme wird mit 2029 erwartet. Die Vogelfluglinie, die direkte Verbindung zwischen Hamburg und Kopenhagen über den Fährhafen Puttgarden, ist seit Dezember 2019 ohne planmäßigen Eisenbahnfährverkehr. Die B 207 dient als Hinterlandanbindung zur Fehmarnbeltquerung.
In Schleswig als Kreisstadt ist die Justiz der bestimmende Wirtschaftsfaktor: Hier sitzen das Schleswig-Holsteinische Oberlandesgericht, das Landesverfassungsgericht, die Generalstaatsanwaltschaft und weitere Obergerichte. Schleswig wird daher als Justizhauptstadt Schleswig-Holsteins bezeichnet. Die Stadt ist zugleich historische Handelsmetropole – Haithabu bei Schleswig war im 9. und 10. Jahrhundert der wichtigste Wikingerort Nordeuropas.
In Kappeln befindet sich eine Nestlé-Fabrik für Fischkonserven, die in der Weltwirtschaftskrise eingeweiht wurde. Die Landwirtschaft ist insbesondere in der Landschaft Stapelholm im südwestlichen Teil des Kreises von Bedeutung.
Entwicklung und Ausblick
Der Kreis Schleswig-Flensburg zeigt eine klare räumliche Trennung zwischen den teuren, touristisch geprägten Küstengemeinden an Schlei und Ostsee und den günstigen, landwirtschaftlich geprägten Gemeinden im südwestlichen Stapelholm. Die teuersten Gemeinden liegen entlang der Schlei und der Flensburger Förde – eine Achse, die von Schleswig über Kappeln bis nach Glücksburg und Arnis reicht.
Die Bevölkerungsentwicklung ist positiv: Von 2015 bis 2023 wuchs die Einwohnerzahl um über 13.800 Personen. Die Mietpreise sind in diesem Zeitraum um rund 38% gestiegen, die Kaufpreise um rund 19%. Die Renditen in den teuren Küstengemeinden liegen bei unter 3%, während sie in den ländlichen Gemeinden des Südwestens bei über 10% liegen.
Die Fehmarnbelt-Querung wird die Erreichbarkeit des Kreises für den Transitverkehr zwischen Deutschland und Skandinavien deutlich verbessern. Die Inbetriebnahme wird mit 2029 erwartet. Die Grenznähe zu Dänemark bietet Chancen für grenzüberschreitende Wirtschaftsbeziehungen, insbesondere in den Gemeinden Harrislee und Handewitt.
Der Prognos-Zukunftsatlas-Rang von 314 von rund 400 deutschen Kreisen (Gesamtrang) zeigt, dass der Kreis strukturelle Schwächen aufweist. Der Dynamik-Rang mit 66 ist jedoch deutlich besser, was auf positive Entwicklungsimpulse hindeutet.